Jahrelang war das alte deutsche Schloss in Saabor (Zabór) nahe Grünberg Sitz einer Klinik, in der man Kinder und Jugendliche medizinisch betreut hat. Der historische Wert des Bauwerks ging jedoch mehr und mehr verloren. Jetzt wurde ein Teil davon renoviert und für Touristen geöffnet. Begutachtet wurde er sogar von einem ganz besonderen Gast – einem Urenkel des letzten deutschen Kaisers.

Franz-Friedrich Prinz von Preußen Foto: Łukasz Biły

Viel von seinem alten Glanz ist schon verloren, doch jetzt sieht es danach aus, dass das Schloss in Saabor langsam zu seiner alten Pracht zurückkehrt. Seine Geschichte reicht noch bis ins späte 17. Jahrhundert zurück, als Schlesien und damit die Gebiete rund um Grünberg ein Teil Österreichs waren. 1677 ließ der österreichische Militär Johann Heinrich von Dünewald das Bauwerk in der Provinz errichten. Die Legende besagt, dass die erheblichen Finanzen, die für den Bau erforderlich waren, von der türkischen Staatskasse kamen. Angeblich soll die Summe ein Lösegeld gewesen sein, dass die Osmanen an Österreich für einen noblen Kriegsgefangenen gezahlt haben.

 

 

Das Schloss Saabor heute Foto: The boss/Wikipedia Commons

 

 

Perle des Barocks

Erbaut wurde das Schloss in einer typischen für die damalige Zeit Hufeisenform. Sowohl die Umgebung wie auch die Innenausstattung sind charakteristisch für die Zeit des Barocks. Obwohl damals sich Adelige durchaus bemerkenswerte Schlösser leisteten, ist das in Saabor wegen des Ausmaßes und der Schönheit jedoch einzigartig und damit das prachtvollste Bauwerk rund um Grünberg. Nachdem im 18. Jahrhundert das Gebiet an Preußen viel, änderte sich auch der Eigentümer, der des Schloss im Stil der Zeit umbauen ließ. Die preußische Adelsfamilie Schönaich-Carolath residierte im Schloss bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Seine Majestät der Kaiser

Der wohl am meisten noble Teil der Geschichte des Schlosses ist mit dem letzten deutschen Kaiser Wilhelm II. verbunden. 1907 zog in das Schloss Hermine Reuß ein, die den damaligen Inhaber, Johann Georg von Schönaich-Carolath, heiratete. Als ihr Mann nach einer Verletzung im ersten Weltkrieg 1920 starb, erbte sie das Bauwerk und heiratete 1922 als 35-jährige Witwe den damals 63-jährigen ehemaligen deutschen Kaiser. Zwar zog Hermine gemeinsam mit dem sich im Exil befindenden Wilhelm für 21 Jahre nach Holland, doch 1942 – nach dem Tod von Wilhelm – kehrte sie nach Saabor zurück. Zusammen mit ihr wohnten aber auch einige andere Mitglieder der Kaiserfamilie im Schloss. Wie es in der damaligen Zeit unter den adeligen Familien oft üblich war, beschlossen Wilhelm und Hermine, dass ihre Nachfahren jeweils untereinander heiraten sollen. So wurde noch vor dem Tod Wilhelms sein Enkel Karl von Preußen mit der Tochter seiner Frau, Henriette von Schönaich-Carolath, vermählt. 1944 bekam das Paar auf Schloss Saabor ein Kind: Franz-Friedrich Prinz von Preußen, der damit ein Urenkel des letzten deutschen Kaisers war, obwohl die Ehe des Kaisers und seiner Großmutter Kinderlos blieb.

An Schlesien interessiert

Was Franz-Friedrich Prinz von Preußen von den anderen noch heute lebenden Mitgliedern der Kaiserfamilie unterscheidet – der Prinz ist besonders an Schlesien interessiert, hat in den letzten Jahren die Region mehrmals besucht, sich in Oppeln sogar mit dem Vorsitzenden des Verbandes der deutschen Gesellschaften Bernard Gaida getroffen. Immer in seinem Fokus deswegen – auch sein Geburtsort – das Schloss Saabor. Als 1945 in Schlesien die Rote Armee einmarschiert ist, wurde Hermine, die zwei Jahre später starb, samt den restlichen Mitgliedern der Adelsfamilie aus dem Schloss vertrieben. Übernommen wurde sie von der nun polnischen Verwaltung von Grünberg, die anders als bei vielen anderen deutschen Schlössern das Schloss nicht vollkommen plündern oder verbrennen ließ. Stattdessen wurde darin eine medizinische Klinik für Jugendliche eingerichtet. Aufgrund von Geldmangel, wurde jedoch in Sachen Denkmalschutz in den kommenden Jahrzehnten wenig gemacht.

An den Geburtsort zurückgekehrt

Nun jedoch können Menschen erstmals das alte deutsche Schloss touristisch besichtigen. Anfang des vergangenen Jahres ließ die Verwaltung der Lebuser Woiwodschaft für über 250.000 Euro den repräsentativen sogenannten „Kristallsaal“ des Schlosses renovieren. Das Geld kam aus der Kasse der Region. Im Dezember wurden die Arbeiten abgeschlossen und der renovierte Saal wurde feierlich eingeweiht – Grund auch für Franz Friedrich um an seinen Geburtsort zurückzukehren: „Ich war erst drei Monate alt, als wir das Schloss verlassen haben, daher kann ich mich nicht erinnern, wie dieser Saal vorher aussah, aber jetzt macht er einen atemberaubenden Eindruck“, so der Kaiserenkel bei der Präsentation des renovierten Saals. Wie es für einen Adeligen zu erwarten war, kam der Prinz nicht mit leeren Händen. Dem Schloss Saabor stiftete er ein Porträt seiner Großmutter Hermine sowie einige Dokumente rund um dieses. Dies seien – wie er sagte – „alle seine Andenken an das Schloss Saabor“.

Nach der Renovierung denkt die Verwaltung der Woiwodschaft schon jetzt daran, die Jugendklinik zu versetzten und das Schloss komplett touristisch zu nutzten. Wie der Marschall der Region sagte, sei „dazu noch ein langer Weg“, doch erste erfreuliche Schritte zum neuen Leben des Schlosses sind schon getan.

 

 

 

Łukasz Biły