Touristengruppen aus Deutschland in der Oppelner Innenstadt sind vor allem in den Sommermonaten nichts besonderes. Eine sticht dann doch etwas hervor, denn ihr Reiseleiter ist ausgewiesener Polenkenner, Schriftsteller und Wissenschaftler, der zudem noch schlesische Wurzeln hat.

Matthias Kneip (li.) nutzte die Gelegenheit in Oppeln auch unsere Redaktion zu besuchen.
Foto: Manuela Leibig

 

 

 

Die Rede ist von Dr. Matthias Kneip, der normalerweise am Deutschen Poleninstitut in Darmstadt tätig ist. Da er aber auch mehrere Bücher über Schlesien und Polen geschrieben hat und zuletzt einen Erfolg mit seinem Reiseführer “111 Gründe Polen zu lieben” feiert, kam er vor einiger Zeit auf die Idee, Reisen in die Heimat seiner Vorfahren zu organisieren, bei denen er die Leitung übernimmt. “Ich biete solche Reisen ein bis zweimal im Jahr an für Menschen, die meine Bücher kennen und von der Reise auch einen literarischen Touch erwarten. Das macht mit sehr viel Spass”, sagt Matthias Kneip, der sich sichtlich freut, seinen Lesern auch die Heimat seiner Familie näher zu bringen.

Das geschieht, wenn die Gruppe nach Oberschlesien kommt, wo sie beim Besuch in Oppeln nicht nur mit Vertretern der Deutschen Minderheit zusammenkommt und eine Führung durch die Stadt macht. Matthias Kneip nimmt sie auch zum Friedhof in der heutigen ul. Wrocławska mit, wo bis heute das Grab seiner Urgroßmutter erhalten geblieben ist. “Es geht bei der Reise also nicht nur um die traditionellen touristischen Ziele, sondern wir orientieren uns an meinen Büchern über Schlesien und Westpolen, aus denen wir auch während der Fahrt lesen. Dann geht es also auch um Themen abseits vom Mainstream”, sagt Matthias Kneip.

In einigen Monaten wird er für das Deutsche Poleninstitut eine Reise nach Nordpolen machen, also von Warschau bis Danzig. Dies sei auch eine schöne Route, die schlesische findet Matthias Kneip dann aber doch besser. “Diese Schlesienreise ist mit die beste, weil eine klare Linie zu erkennen ist, die sich die ganze Woche lang zieht. Das macht der Gruppe großen Spaß, man kommt immer wieder auf bestimmte Themen zurück und kann sie verinnerlichen”, sagt Matthias Kneip.

 

Rudolf Urban