Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, January 26, 2022

Aktiver „Oppelner Senior“

 

Seniorenklubs, Schulungen für Betreuer von Hilfsbedürftigen und eine Hotline: Das sind nur einige der Aktivitäten, die im Rahmen des Projekts „Oppelner Senior“ stattfinden. Trotz der Pandemie ist es im vergangenen Jahr gelungen, ältere und hilfsbedürftige Menschen umfassend zu unterstützen. Auch 2021 sollen die Aktivitäten fortgeführt werden.

 

 

Die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen in Oppelner Schlesien führt das Projekt gemeinsam mit ihren Partnern – der Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen und dem Regionalzentrum für Sozialpolitik in Oppeln – seit 2019 durch. In diesem Rahmen wurden in der Woiwodschaft Oppeln 20 Seniorenklubs gegründet. „Diese Klubs sind in kleinen Städten angesiedelt und jeder von ihnen hat seinen eigenen Animateur. Diese Menschen wurden geschult und mit Ausrüstung (Laptops, Handys) ausgestattet, damit sie ihre Arbeit organisieren können“, sagte Zuzanna Donath-Kasiura, die Koordinatorin des Projekts, letzte Woche auf einer Pressekonferenz, die das vergangene Jahr im „Oppelner Senior“ zusammenfasste. Gleichzeitig haben einige der bestehenden Klubs, obwohl die EU-Förderungsvereinbarungen derzeit nicht die Gründung weiterer Klubs erlaubt, Zweigstellen in Nachbarstädten eröffnet, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

 

Begegnungen

Das Ziel der Seniorenklubs ist es, einen Treffpunkt für Senioren in der Gemeinde zu schaffen. Die Animateurinnen, die von Montag bis Freitag für zwei Stunden täglich in den Klubs anwesend sind, bieten den Senioren eine Reihe von Aktivitäten an, darunter künstlerische, handwerkliche, kulinarische oder sportliche Workshops. Im März 2020 mussten die Aktivitäten jedoch eingestellt werden. „Zunächst waren die Klubs komplett geschlossen, aber die Animateurinnen arbeiteten weiter: Sie nähten z. B. Masken für Klubmitglieder und andere Bedürftige, lieferten Einkäufe an Senioren und bereiteten Aufgabenpakete vor, die zu Hause erledigt werden konnten. Natürlich boten wir auch Online-Kurse an, die ein völliges Novum waren und den Senioren oft den Umgang mit der Computerausrüstung abverlangten, aber dennoch sehr beliebt waren“, sagt Sabina Okos, die Betreuerin der Animateure beim „Oppelner Senior“.

Mittlerweile sind die Seniorenklubs wieder in Betrieb, allerdings unter strengen Sanitätsauflagen und mit einer jeweils maximal begrenzten Teilnehmerzahl. „Wir hoffen aber, dass wir in einiger Zeit wieder zur Normalität zurückkehren können, denn wir sehen, wie sehr Begegnungen für ältere Menschen, die oft allein leben, notwendig sind, da ihre Kinder und Enkelkinder meist im Ausland leben“, sagt Sabina Okos.

 

Magdalena Rosińska, Sabina Okos und Zuzanna Donath-Kasiura prösentierten bei der letzten Pressekonferenz die Arbeit des Oppelner Seniors.
Foto: SKGD

 

Telefonische Unterstützung

Diese Worte bestätigt auch Magdalena Rosińska, eine der beiden Psychologinnen beim „Oppelner Senior“, die vor allem eine Hotline für ältere Menschen und ihre Betreuer betreiben. Dabei ist Einsamkeit nicht das einzige Problem, auch der Tod einer nahestehenden Person belastet viele Menschen. „Deshalb denke ich, dass gerade während der Pandemie eine solche ‚Helpline‘ sehr gut ist, denn der Zugang zu psychologischen Diensten ist in Polen ohnehin schwierig und hier können Senioren in relativ kurzer Zeit kostenlos eine erste psychologische Unterstützung erhalten“, so Magdalena Rosińska. Es sei anfangs allerdings nicht einfach gewesen, Senioren von dieser Telefonberatung zu überzeugen: „Aber wir haben unsere Aktivitäten um persönliche Treffen in den Klubs erweitert, sodass die Senioren uns auch persönlich kennenlernen können. Dadurch funktioniert die ‚Helpline‘ inzwischen besser, da die Menschen jetzt weniger Probleme damit haben, sich uns anzuvertrauen und um Hilfe zu bitten.“

 

 

Nachbarschaftshilfe

Zudem bietet die Deutsche Wohltätigkeitsgesellschaft im Rahmen des „Oppelner Senior“ auch „nachbarschaftliche Betreuungsdienste“ an. Insgesamt wurden 41 Personen geschult und arbeiten nun im Außendienst. Das Regionale Sozialhilfezentrum wiederum bereitete 28 Gesangs- und Theaterworkshops in Oppeln sowie sieben kostenlose Aufführungen für Senioren im Ekostudio-Theater vor und bildete 58 gemeinnützige Dienstleistungsanbieter aus.
Trotz der Ungewissheit über den Zeitpunkt des Ausstiegs aus dem Lockdown sollen im Jahr 2021 die meisten Aktivitäten fortgeführt werden; außerdem sind Schulungen für Klub-Animateure geplant, die dazu beitragen sollen, die von den Animateurinnen angebotenen Aktivitäten zu erweitern, die Anzahl der Aufführungen für Senioren zu erhöhen und einen „Tag der Senioren“ zu organisieren.

 

Rudolf Urban

 

Seniorenklubs gibt es in den folgenden Ortschaften: Antonia, Friedersdorf, Birawa, Biskupitz, Boritsch, Chronstau, Czissek, Langlieben, Dombrowka, Himmelwitz, Comprachtschütz, Körnitz, Norok, Raschau, Ujest, Friedrichsthal, Zowade, Seichwitz, Deschowitz und Zlönitz.
Telefonische Beratung erhalten Sie unter +48 509 456 581 oder +48 509 456 578
Weitere Informationen finden Sie unter www.opolskisenior.pl

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