Viele Deutsche aus Polen, aber auch aus der Bundesrepublik, sind am Sonntag, dem 12. August, nach Albendorf (Wambierzyce) gepilgert. Die Wallfahrt in das niederschlesische Dorf an der polnisch-tschechischen Grenze setzt eine jahrhundertelange Tradition fort. 

 

 

Fotos: Marie Baumgarten

 

 

An jedem zweiten Sonntag im August empfängt die prächtige Basilika in dem idyllischen Marienwallfahrtsort Albendorf in Niederschlesien Pilger zu einer deutschsprachigen Messe.

Für die deutsche Minderheit in Polen ist dieser Ort von großer Bedeutung. „Damit setzen wir eine lange Tradition fort. Dieses Jahr ist ein besonderes, denn wir feiern 800 Jahre Wallfahrt nach Albendorf“ , erklärt Pater Bernard Marian Anrdt von der deutschen katholischen Gemeinde in Breslau.

 

 

Dachverband organisiert Busfahrt

Zu der Wallfahrt am letzten Sonntag, dem 12. August, sind wieder viele Deutsche aus Polen zu der deutschsprachigen Messe nach Albendorf gekommen. Der Dachverband VdG hatte beispielsweise eine Busfahrt aus Oppeln organisiert. Rund 50 Menschen haben dieses Angebot wahrgenommen. „Einige fahren seit vielen Jahren mit uns mit, es sind aber auch immer wieder neue Gesichter dabei“, sagt Organisatorin Monika Wittek. Die Pilgerfahrt haben auch der Minderheitenseelsorger Pfarrer Peter Tarlinski und sein Vorgänger Pfarrer Wolfgang Globisch begleitet. Schon während der zweistündigen Busfahrt in das Glatzer Land haben sich die Pilger durch gemeinsames Singen von Marienleidern auf die Messe vorbereitet.

 

 

Gedenktafel für Vikar Gerhard Hirschfelder

Neben einer deutschsprachigen Messe konnten die Pilger an diesem Tag einem zweiten besonderen Ereignis beiwohnen. In der Albendorfer Basilika ist eine Gedenktafel für den 1907 in Glatz (Klodzko) geborenen und von den Nazis verfolgten Vikar Gerhard Hirschfelder eingeweiht worden. „Er war ein guter Mensch, das sagte auch mein Vater, der ihn persönlich kannte. Vor allem die Jugend war ihm wichtig“, sagt Elisabeth Kynast, die aus dem tschechischsprachigen Teil der Grafschaft Glatz stammt. Sie hat sich für die Tafel eingesetzt und freut sich heute besonders.

Doch nicht nur die Deutschen aus Polen besuchen an diesem Tag die deutschsprachige Messe. Durch die Nähe zu Tschechien kommen auch viele Pilger aus dem Nachbarland zu dem Wallfahrtsort, der immerhin seinen polnischen Namen Wambierzyce in Anlehnung an die tschechische Bezeichnung Vambeřice erhielt.

 

 

Ort der Völkerverständigung

Aber auch Deutsche aus der Bundesrepublik sind angereist, so wie der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Helmut Sauer aus Salzgitter. Er ist als Dreijähriger mit der Familie geflüchtet, bis heute ist der Wallfahrtsort für ihn ein Ort geistiger Erbauung und ein Stück Heimat. Zuletzt hat er sich im Bundestag dafür eingesetzt, dass der Kreuzweg in Albendorf Beschilderungen in deutscher, polnischer und tschechischer Sprache erhält.. „Ich wünsche mir, dass die wechselreiche Geschichte des Ortes auch von der Jugend nicht vergessen wird“, sagt Sauer.

Das wünscht sich auch Pater Arndt, der den Wallfahrtsort, an dem drei Nationen zusammenkommen,  für einen wichtigen Ort der Völkerverständigung hält. „In der Geschichte wurde viel Unheil angerichtet. Aber es ist wichtig, dass wir einander vergeben.“

 

Marie Baumgarten