Über die Anfänge des DFK Ottmuth (Otmet) sprach mit Johann Brylka, dem ersten Vorsitzenden des DFK, Manuela Leibig.

 

Der erste Vorsitzende des DFK Ottmuth, Johann Brylka, mit den ersten Dokumenten des DFKs.
Foto: Manuela Leibig

 

Herr Brylka, wie sind sie das erste Mal mit der Deutschen Minderheit in Verbindung gekommen?

Das war schon Anfang 1989, da war schon auf dem Annaberg die deutsche Messe. Dort haben wir angefangen. Ich hatte zwar gar kein Auto, aber ich kannte solche Menschen, die mich und meine Frau dort hingebracht haben. Und dann habe ich mich direkt mit dem Kroll in Verbindung gesetzt. Da war Kroll, Schmidt, Stanek und der Kowol. Und die haben da ein Treffen gemacht, und ich bin dort hingefahren, da haben wir uns abgesprochen. Bei dem Treffen habe ich die Listen bekommen, zum sammeln der Unterschriften. Ich bin dann von Haus zu Haus gegangen, und zwei Tausend Unterschriften gesammelt, um die Minderheit zu bestätigen. Wir haben Unterschriften gebraucht, um zu zeigen, dass wir interessiert daran sind. Eigentlich haben alle unterschrieben, zu denen ich gegangen bin, außer zwei Menschen, so viel ich mich erinnern kann.

 

Sie sprachen gerade die Messe auf dem Sankt Annaberg an. Haben Sie von der ersten Messe am 4 Juni 1989 was gehört?

Von der zweiten. Da waren so viele Menschen, in die Kirche konnte man gar nicht rein. Aber singen konnte man nicht. Wir haben bloß geweint. Die Atmosphäre war so, das kann man nicht beschreiben.

 

 

Und dann, fünf Monate später, kam die Versöhnungsmesse in Kreisau am 12. November. Waren Sie da auch dabei?

Ja! Hier aus Krappitz und überall aus der Gegend sind Busse organisiert worden, Menschen verschiedenen Alters sind da hingefahren. Wir waren sehr viele. Und es war so, die Polen haben die polnischen Lieder gesungen, und die deutschen mit der Kapelle gespielt. Und wir haben es genau umgekehrt gemacht: die deutschen Lieder haben wir gesungen, und die polnischen nicht. So war das.
Das waren gerade große Ereignisse, an die Sie sich erinnert haben. Kommen wir nun zu ihrer Heimat.

 

Viele Menschen aus Nah und Fern haben sich in den DFK Ottmuth eingeschrieben.
Foto: Manuela Leibig

 

 

Was hat Sie dazu bewegt, sich der Deutschen Minderheit anzuschließen?

Wir wollten zeigen, dass wir zusammen gehören. Außerdem wollte ich auswandern, aber ich konnte nicht. Ich habe letztendlich einen Reisepass bekommen, aber ich habe hier in Ottmuth mit meinen eigenen Händen mein Haus gebaut, und mir fiel es schwer, das alles hier einfach so zu verlassen.

 

Wie ging es also weiter?

Wir, also wer Interesse hatte, trafen uns ca. einmal die Woche in Gogolin, in so einer Kneipe. Da haben wir langsam festgestellt was und wo. Die Registrierung war 1990. Unsere Ortsgruppe wurde hier im Zimmer bei mir zu Hause gegründet, und es wurde festgelegt, wer welche Funktion im Vorstand übernimmt, da waren die Herren Bekisch, Ochlast, Konietzko und noch ein paar mehr. Dann kam das erste Treffen im breiten Gremium. Im großen Saal bei uns, da waren über 2000 Menschen! Es war knüppeldicke voll, alle Bänke waren besetzt. Wir haben alles bei der Polizei gemeldet, was wir vor haben. Eine Journalistin kam und fragte uns ein paar Sachen. Schließlich meinte sie „na ja, hier sind so viele Leute, aber in zehn Jahren ist das alles weg“. Und es sind nun 30 Jahre vergangen, und es hält sich. Mit der deutschen Messe hier bei uns war es so, dass der Pfarrer dann am 1. September die erste deutsche Messe gehalten hat. Die erste war eigentlich zweisprachig. Er wurde dann nach Oppeln befohlen, ihm wurde der Kopf ordentlich gewaschen, was fiel ihm ein, am 1. September, als Deutschland Polen überfallen hatte, eine deutsche heilige Messe zu halten! Aber er hat sich gar nichts daraus gemacht und machte weiter. So haben wir bis heute die deutsche Messe bei uns in der Kirche. Davor bin ich sowieso in die polnische Messe mit dem deutschem Gebetbuch gegangen, das polnische „Vater unser“ habe ich nur zögerlich gelernt.

 

Wie war denn die Einstellung der Menschen? Bei dem Treffen waren viele anwesend, wollten alle zum DFK gehören?

Dann kam die Registrierung. Doch viele sagten „Ich bin Deutscher“ aber sie waren es nicht im Herzen. Sie schauten drauf aus einer materiellen Richtung, es wird nicht schaden, mitzumachen, vielleicht bekommt man ja was dafür aus Deutschland, so war die Einstellung von manchen. Unsere Ortsgruppe hat sehr eng mit dem Krappitzer DFK zusammengearbeitet. Wir haben ein Haus bekommen, in dem wir unseren Sitz eingerichtet haben. Doch bevor daraus ein Büro werden konnte, mussten wir alles renovieren, wir haben leere Wände bekommen, alles was nicht niet- und nagelfest war wurde aus dem Haus getragen. Und wir mussten alles organisieren, jede Bank und jeden Stuhl. Es war nicht einfach, aber wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Manche haben den einen oder anderen Schrank gespendet. Es entstand der Chor und der Kinderchor. Der Erwachsenenchor hält sich bis jetzt, dem Kinderchor wurden anfangs Trachten von Herrn Bremer geschenkt, und zehn Jahre hat der Kinderchor gehalten.