Der Bund der Jugend der Deutschen Minderheit im Kreis Beuthen legt großen Wert auf Geschichte und versucht in die Projekte, die er realisiert, diesen Aspekt einzubringen. Am 1. Februar erinnerten die Jugendlichen gemeinsam mit Schülern aus der Grundschule Nr. 42 in Beuthen an die Oberschlesische Tragödie.

 

Mit einem Lied des Grundschulchores begannen der Geschichtsunterricht der besonderen Art.
Foto: Manuela Leibig

Im Sportsaal der Grundschule fand ein besonderer Geschichtsunterricht statt. Schüler, eingeladene Gäste und die BJDM-Mitglieder versammelten sich hier, um an die Oberschlesische Tragödie zu erinnern. Den Beginn der Veranstaltung gestaltete der imposante Schulchor. Die Idee für die Veranstaltung war recht spontan, sagt die Direktorin der Schule Bożena Murek: „Ich traf unseren Absolventen Markus Tylikowski, als wir aus der Kirche nach Hause gingen. Er erzählte mir, dass er Vorsitzender des Beuthener BJDM ist. Und da bei uns in der Schule die Kinder Deutsch als Minderheitensprache lernen und wir generell mit der Deutschen Minderheit zusammenarbeiten, haben wir überlegt, was wir zusammen machen können“, erinnert sich die Direktorin. Die Wahl fiel auf das Thema „Oberschlesische Tragödie“. „Für uns ist die Wahrheit sehr wichtig, umso mehr freuen wir uns, dass es geklappt hat, diese Veranstaltung in der Schule durchzuführen. So hörten viele Menschen die wahre Geschichte von Beuthen von 1945, über die lange Zeit nicht gesprochen werden konnte“, sagt Markus Tylikowski, Vorsitzender des BJDM Beuthen.

 

 

 

 

Teil der Familiengeschichte

 

Die Ereignisse von 1945 bis 1948 schilderten Lehrer im Geschichtsunterricht, Freiwillige vertieften ihr Wissen im Dokumentationszentrum für die Deportationen der Oberschlesier in die UdSSR in Radzionkau. Das neuerworbene Wissen zu den Geschehnissen in Schlesien am Kriegsende und unmittelbar danach präsentierten sie bei den Feierlichkeiten. Es entstanden gleich fünf Präsentationen zu dem Thema. „Ich bin stolz darauf, dass die Schüler so viel Arbeit reingesteckt haben“, freut sich Direktorin Murek. An der Veranstaltung haben Schüler, eingeladene Gäste, DFK-Mitglieder und Geschichtsinteressierte teilgenommen, wie der 19- jährige Maciej Hardyniak. Er interessiert sich für Geschichte; auch seine Familie wurde von den Ereignissen vor 74 Jahren nicht verschont: „Mein Opa wurde in die UdSSR zur Arbeit deportiert. Später bekam meine Oma eine Meldung, dass er gestorben ist. Als ich 18 Jahre wurde meldete ich mich beim IPN (Institut für nationales Gedenken) und habe dort nach Informationen dazu gefragt“, so Hardyniak.

 

 

Geschichte der Großeltern

Des Weitern erzählten Zeitzeugen der unmittelbaren Nachkriegsgeneration was ihre Eltern und Großeltern erleben mussten. Die Zeitzeugen hatten die BJDM-Mitglieder eingeladen. Einer von Ihnen ist Manfred Kroll. 1945 war er zwei Jahre alt, also schilderte er, das alles was ihm seine Mutter und die Großmütter Hedwig und Sophie erzählt haben. „Als ich mich vorbereitet habe für das Gespräch, kamen mir immer neue Erinnerungen. Ich erinnere mich noch an die so genannten Szabrowniki, die dann später kamen, die haben uns beklaut und geschlagen, die Bilder habe ich noch heute vor meinen Augen“, sagt Manfred Kroll sehr gerührt.

 

 

Manuela Leibig