Stefan Hambura. Foto: Wikimedia Commons.,

Schon seit Jahren setzt sich der kontroverse Rechtsanwalt und selbsternannte Vertreter der Interessen der Polen in Deutschland Stefan Hambura für die Anerkennung dieser Gruppe als nationale Minderheit ein. Um das Ziel durchzusetzen, wollte er sogar eine politische Partei gründen, was letzten Endes fehlschlug. Nun rief Hambura einen Hungerstreik in Warschau aus. Grund dafür sei ein Interview des Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk.

 

Stefan Hambura berief sich in seiner Entscheidung auf das Interview, das der Minderheitenbeauftrage Hartmut Koschyk am Rande der kürzlich stattgefundenen Konferenz in Groß Stein der Deutschen Welle gab. Darin antwortet Koschyk auf die Frage, ob die Polen in Deutschland wegen eines fehlenden Minderheitenstatus nicht diskriminiert seien, dass man den deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag habe, der diese Angelegenheiten klar definiere. Demnach seien die Deutschen in Polen in diesem Land eine Minderheit, den Polen in Deutschland hingegen hilft die Bundesrepublik ihren kulturellen und sprachlichen Bedürfnissen nachzukommen. Dieser eigentlich offensichtliche Satz löste offenbar Empörung bei Stefan Hambura aus. Zum wiederholten Male berief er sich auf die Tatsache, dass den Polen in Deutschland der Minderheitenstatus durch das NS-Regime entzogen wurde. Dieser solle nun – nach dem Anwalt – wiederhergestellt werden, deswegen wolle er gemeinsam mit zwei Mitarbeitern einen Hungerprostest starten, der „die Bundesregierung dazu bewegen soll, die Einstellung zu dieser Angelegenheit zu ändern“.

 

Zwar ist der Hungerprotest die radikalste Initiative von Stefan Hambura, doch seine Ansichten zu deutsch-polnischen Minderheitenfragen sind allgemein bekannt. Seit Jahren pocht er bei Medienauftritten auf den Minderheitenstatus für die Polen in Deutschland und beruft sich dabei auf angebliche „Asymmetrie“ zwischen der deutschen Minderheit in Polen und den Polen in Deutschland. Nun erhofft er sich, dass sein Prostest die Aufmerksamkeit von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier auf sich zieht. Steinmeier wird in der dritten Maiwoche seinen ersten Polenbesuch absolvieren.

 

Reagiert haben auf den Prostest derweil schon die Vereine der Polen in Deutschland. Die stellvertretende Vorsitzende des „Bundes der Polen in Deutschland“, Anna Wawrzyszko, hat Hambura zur Mäßigung geraten und darum gebeten „die Regierungsseiten Gespräche zu diesen Angelegenheiten führen zu lassen“.

 

In der Minderheitenfrage sind die anderen Vereine der Polen in Deutschland geteilt. Der Chef des „Konventes der Polen in Deutschland“, Wieslaw Lewicki, hat bei einem Besuch in Oppeln sich explizit dazu geäußert, dass es zwischen der deutschen Minderheit in Polen und den Polen in Deutschland keine Symmetrie geben darf und wird, weil die beiden Gruppen einfach „zu unterschiedlich seien“.

 

Łukasz Biły