Das vergangene Jahr war für die deutsch-polnischen politischen Beziehungen nicht gerade einfach. Zwischen Warschau und Berlin knirschte es dabei unter anderem im Zusammenhang mit der Migrationspolitik, Justizreform oder auch Reparationsforderungen. Von alledem scheint das Geschäftsleben beiderseits der Grenze allerdings vorerst unberührt zu sein. So hat im vergangenen Jahr der Handelsaustausch weiter zugenommen und deutsche Firmen haben nach wie vor gern in Polen investiert. Auch an polnischen Investitionen in der Bundesrepublik Deutschland war kein Mangel.

Berlin gehört für polnische Firmen zu den beliebtesten deutschen Städten zum investieren Foto: Thomas Wolf/ Wikipedia

Noch gibt es zwar keine offiziellen Statistiken über den deutsch-polnischen Handelsaustausch im letzten Jahr, doch die Daten aus den ersten drei Quartalen hören sich sehr optimistisch an. So haben zwischen Januar und September 2017 sowohl die polnischen Exporte nach Deutschland, als auch der Import deutscher Waren nach Polen zugenommen. Michael Kern, Generaldirektor der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (AHK), schätzt die Dynamik des Handelsaustausches mit Deutschland im gesamten vergangenen Jahr auf etwa acht Prozent. Zudem werden die Güterimporte nach Polen von der wachsenden Kaufkraft der Polen noch dynamisiert und die Exportzuwächse nach Deutschland attestieren den in Deutschland operierenden polnischen Firmen eine hohe Geschäftstüchtigkeit.

Beträchtliche Investitionen

Auch und gerade an großen Investitionen war letztes Jahr beiderseits der Grenze kein Mangel. So entsteht in Neumarkt (Sroda Slaska) seit kurzem ein Instandhaltungsbetrieb für Flugzeugmotoren der Lufthansa und in Jauer (Jawor), ebenfalls in Niederschlesien, ist der erste Spatenstich für eine Mercedes-Motorenherstellung – eine Investition im Wert von fast einer halben Milliarde Euro – getan worden. Und hinzu kommt, wie Ende 2017 bekannt wurde, in Ksawerów bei Lodz demnächst eine Waschmaschinenfabrik der Firma Miele. Somit haben zuletzt auch sehr angesehene deutsche Konzerne in Polen investiert. Doch auch polnische Firmen waren in Deutschland aktiv. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist die Unternehmensgruppe Boryszew, die im April in Brandenburg eine Herstellung galvanisierter Kfz-Komponenten gestartet hat. Die Investition hatte ein Volumen von gut 22 Millionen Euro und ist damit eine der größten, die polnische Firmen in Deutschland getätigt haben. Ein Boryszew-Sprecher sagte jüngst gegenüber der Deutschen Welle, Deutschland biete markttechnisch ein enormes Wachstumspotenzial und vermutlich deshalb investieren immer mehr polnische Firmen, die sich finanzstark genug sehen, am Rhein, Main oder an der Elbe bzw., wenn man so will, jenseits der Oder. Eine Umfrage, die im April letzten Jahres von der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer veröffentlicht wurde, hat allerdings ergeben, dass ausländische Investoren Polens politische und gesellschaftliche Stabilität sowie auch wirtschaftspolitische Vorhersehbarkeit immer negativer bewerten. Die Teilnehmer der Erhebung klagten über eine zu schnelle Einführung mancher Gesetze und fehlende Abstimmung mit den Unternehmen. Diese Einschätzung könnte zweifellos das Tempo ausländischer, darunter deutscher Investitionen in Polen schwächen, was aber nichts daran ändert, dass Polen ein Magnet für ausländische Firmen bleibt. Dies belegt auch eine für die AHK erstellte Statistik, aus der unter anderem hervorgeht, dass zuletzt mehr als 95 Prozent der Investoren mit ihren Geschäften in Polen zufrieden waren.

Lob für Deutschland

Es könne zwar kurz- bis mittelfristig kaum von einem direkten Bezug zwischen Politik und Wirtschaft die Rede sein, meint AHK-Chef Michael Kern. Dennoch bedeuten die politischen Spannungen seiner Ansicht nach einen Imageschaden für Polen. Kern verwies hierzu noch auf weitere Faktoren, die in Zukunft die deutschen Investitionen in Polen beeinflussen könnten. Wie er unter anderem sagte, seien aus Sicht des deutschen Investors der immer schnellere Anstieg der Löhne in Polen und die zunehmenden Probleme bei der Suche nach Arbeitskräften vor allem in den investitionsgesättigten Gebieten wie beispielsweise im wirtschaftlich aufstrebenden Niederschlesien längerfristig nicht ohne Bedeutung. Bedenkt man allerdings die guten Prognosen bezüglich der Konjunktur in Polen und in Deutschland könne man dennoch optimistisch in die Zukunft schauen, so Michael Kern. Dieser Optimismus ist denn auch etwa bei polnischen Unternehmen in Deutschland erkennbar. In einer AHK-Umfrage im Herbst vorigen Jahres bewertete mehr als die Hälfte der in Deutschland aktiven polnischen Unternehmen den Zustand der deutschen Wirtschaft als „sehr gut” und weitere 33 Prozent als „gut” ein. Mehr noch: 100 Prozent der Befragten empfehlen diesen Markt als Expansionsrichtung! Was gefällt nun den polnischen Firmen so sehr? Man nennt vor allem die hohe organisatorische und technische Kultur sowie den leichten Zugriff auf hochqualifizierte Arbeitskräfte. Weitere positive Aspekte seien die Qualität der deutschen Infrastruktur, eine höhere Transparenz bei gesetzlichen Lösungen und eine stabile Wirtschaftspolitik. Es gebe aber auch Nachteile. Hierzu zählen nach Auffassung polnischer Unternehmer die relativ hohen Steuern und Arbeitskosten sowie die arbeitsrechtlichen Vorschriften. Ihre Anwendungspraxis führe dazu, dass man in Deutschland nicht so flexibel auf Marktveränderungen wie in Polen reagieren könne.

Krzysztof Świerc