Auf dem Gipfel des Warthaberges befindet sich die in den Jahren 1617-1619 gebaute Bergkapelle
Foto: Łukasz Malkusz

Vom Bergsturz sieht man das wunderschöne Panorama von Wartha und den Westteil des Warthagebirges
Foto: Łukasz Malkusz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heutzutage sehen die Pilger in Wartha (Bardo) oft nur die Altstadt mit der Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung”. Wenn man sich aber entscheidet den nahegelegenen Warthaberg zu besteigen, erfährt man viel mehr über die Geschichte der Umgebung. Zunächst entdeckt man den aus deutscher Zeit Kalvarienweg, dann die Reste der Ritterburg und die Marien-Quelle. Das ist aber erst die Hälfte dessen, was es auf dem Weg zu sehen gibt.

Nach der Marien-Quelle wird es kurz ein wenig steiler, der etwas schwierigere Teil ist aber in ein paar Minuten zu bewältigen. Wenn es dann wieder ein bisschen flacher wird, kommt man zu einer Kreuzung der Wanderwege. Der blaue Weg führt geradeaus auf den Gipfel, der grüne dagegen nach links und es lohnt sich auf jeden Fall diesen Abstecher nach links zu machen.

 

Der Bergsturz

Die grünen Zeichen führen nämlich zum Bergsturz von Wartha, wo es am 24. August 1598, nach heftigen Regenfällen, zu einem Felssturz am Berghang kam. Dieser Sturz war so heftig, das sich der Turm im über 10 Kilometer entfernten Frankenstein um 150 Zentimeter geneigt hat. Die Felsenmassen haben das Tal der Glatzer Neisse versperrt, was zur Überflutung von Wartha führte.

Der Bergsturz ist ein außerordentlicher Aussichtspunkt. Von hier aus sieht man das wunderschöne Panorama von Wartha und den Westteil des Warthagebirges. Bei gutem Wetter ist am Horizont sogar der charakteristische flache Gipfel der Großen Heuscheuer im Heuscheuergebirge zu sehen. Es ist empfehlenswert hier eine längere Pause einzuplanen.

Wer den Ausblick genossen und sich ein wenig ausgeruht hat, kann sich auf den weiteren Weg machen. Am besten folgt man den grünen Zeichen zurück bis zum blau markierten E3 Wanderweg. Da geht es wieder etwas steiler hoch, doch es ist nicht mehr weit bis zum Ziel – im bequemen Tempo schafft man das letzte Teilstück in etwa 20 Minuten.

 

Der Gipfel

So langsam sieht man hier auch links und rechts von der Route Steinhaufen – es sind die Steine, die bis hierher von den Pilgern auf ihrem Bußweg hoch getragen wurden. Kurz vor der Bergspitze wartet noch eine Überraschung, denn rechts steht eine einsame Bank, auf der man sich alleine oder zu zweit ausruhen kann. Von hier aus sieht man einen großen Teil des Glatzer Kessels und das Heuscheuergebirge.

Es ist nicht mehr weit bis zum Gipfel. Ganz oben (583 M ü.d.M) steht die in den Jahren 1617-1619 errichtete Bergkapelle, die genau da gebaut wurde, wo sich 1400 die weinende Muttergottes offenbart haben soll. Vor 400 Jahren waren hier noch im Fels Fuß- und Handspuren sichtbar, die von der Heiligen Jungfrau stammen sollen. Heute erinnert an sie nur ein einziger Fußabdruck. In der Bergkapelle findet von Mai bis September jeden Sonntag um 11 Uhr Gottesdienst statt.

Wer es bis nach oben geschafft hat, kann sich wie ein Pilger aus der Zeit fühlen, als Wartha noch eine Grenzstadt zwischen dem Herzogtum Schlesien und der Grafschaft Glatz war. Nun hat er nicht nur Spuren der deutschen Geschichte in den Sudeten gesehen, sondern durch den Aufstieg auch einen Teil dieser Geschichte selbst erlebt.

 

Łukasz Malkusz