Anfang Dezember hatte das Institut für Politikwissenschaften der Ermländisch-Masurischen Universität in Allenstein zur Fachveranstaltung „Wie arbeitet man mit einem Nationen übergreifenden Lehrbuch?“ eingeladen. Es gab dabei auch eine Präsentation des Lehrwerks „Europa – unsere Geschichte“ durch Andrzej Dusiewicz vom Schul- und pädagogischen Verlag WSiP in Warschau, der die polnische Version des Lehrwerks herausgibt.

 

Interessierter Leser des Lehrwerks „Europa – unsere Geschichte“ / „Europa. Nasza Historia“ Foto: Uwe Hahnkamp

 

Lehrwerke zur Geschichte gibt es in Deutschland und Polen viele. Doch „Europa – unsere Geschichte“ ist etwas Besonderes. Das von der polnischen und deutschen Regierung geförderte vierbändige Werk entstand im Rahmen des deutsch-polnischen Projekts „Schulbuch Geschichte“, dessen polnischer Leiter Andrzej Dusiewicz ist. Die ersten beiden Bände sind bereits erhältlich und zum Unterricht zugelassen. Der dritte Band, der den Zeitraum vom Wiener Kongress bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs umfasst, ist in der Phase der Genehmigung durch die Kultusminister der Bundesländer und der Republik Polen.

 

Am vierten Band, der die Zeit ab 1939 bis zur Gegenwart abdeckt, wird gerade gearbeitet, und zwar, wie Andrzej Dusiewicz betont, wie auch bei den anderen Bänden immer im Tandem: „Wir wollen die polnische und die deutsche Perspektive zeigen, die dann auch jeweils mit entsprechenden Quellen hinterlegt ist.“ Obwohl offiziell die Gemeinsame Deutsch-Polnische Schulbuchkommission, das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung Braunschweig und das Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften als Herausgeber figurieren, kommen dabei auch Wissenschaftler aus anderen Ländern zu Wort.

 

 

Die polnische Version des Verlags WSiP und die deutsche des Verlags Eduversum enthalten dieselben vielfältigen Materialien und sind bewusst auch äußerlich gleich gestaltet. Quellenarbeit ist den Autoren dabei wichtig, so Andrzej Dusiewicz: „Quellen werden nicht nur gezeigt, sondern auf besonderen Seiten, der „Werkstatt für Historiker“, werden auch Hinweise gegeben, wie man sie interpretieren kann. Die Schüler – auch aus anderen Ländern – sollen Fakten lernen, aber gleichzeitig einen methodischen Zugang zur Geschichte erhalten können.“ Daher werden außerdem unter der Rubrik „Blickwinkel“ unterschiedliche Perspektiven zu historischen Ereignissen gezeigt, und in der Kategorie „Vergangenheit-Gegenwart“ Auswirkungen der Geschichte auf unsere heutige Welt beleuchtet.

 

 

Uwe Hahnkamp