Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

Wednesday, December 8, 2021

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Bundestag spricht sich – unisono – für eine Stärkung der Minderheitenrechte aus.

 

Politischer Aufhänger des Antrags vom 27. November ist eine Bürgerinitiative, die derzeit von der EU geprüft wird. Die Bürgerinitiative Minority Safepack (= MSPI, also Minority Safepack Initiative) hatte europaweit über 1,1 Millionen Unterschriften gesammelt, und so die Gesetzgeber in Brüssel in Zugzwang versetzt.
Am 15. Oktober hatte es eine lang erwartete Anhörung vor dem Europäischen Parlament zu der Initiative gegeben.

Zur Zeit prüft die EU-Kommission ihre politischen Schlussfolgerungen zu der Initiative.
Bis Mitte Januar 2021 hat sie nun Zeit, ihr weiteres Vorgehen darzulegen.

Der Antrag des deutschen Bundestages ist ein starkes politisches Signal nach Brüssel.

 

 

Eckhard Pols, Vorsitzender der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten, bei der gestrigen Debatte im Bundestag (Foto: Deutscher Bundestag)

 

Innerhalb der Europäischen Union gehören ca. 50 Millionen Menschen einer Minderheit an. Das ist ungefähr jeder zehnte Bürger in der EU. Zu den europäischen Minderheiten gehören z.B. die Deutsche Minderheit in Polen, die Ungarische Minderheit in Rumänien und die Sorben in der Lausitz. Dazu gehört aber auch die Minderheit der Roma. Laut Schätzungen von UNICEF bildet sie die größte Gruppe der europäischen Minderheiten mit 10-12 Millionen Menschen.

 

Bisher ist der Minderheitenschutz in der Europäischen Union Angelegenheit der jeweiligen Mitgliedslandes. Minderheitenschutz ist zwar Voraussetzung, um EU-Mitglied zu werden, aber er wurde  bisher auf nationaler Ebene interpretiert und umgesetzt. Mit europaweit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

 

Mehr Minderheitenschutz durch die Safepack Initiative

 

Für die Initiatoren der Bürgerinitiative Minority Safepack ist der europäische Status Quo nicht ausreichend. Sie fordern einen gesamteuropäisch koordinierten, verstärkten Minderheitenschutz. Außerdem wollen die Initiatoren der Bürgerinitiative u.a. ein europäisches Zentrum für Sprachvielfalt ins Leben rufen und Förderprogramme für Regional- und Minderheitensprachen ausweiten.

 

Die Rolle der FUEN

 

Die Minority SafePack Initiative wurde von der Föderalistischen Union nationaler Minderheiten (FUEN) ins Leben gerufen. Die FUEN bezeichnet sich selbst als der Hauptvertreter und größte Dachverband der autochthonen nationalen Minderheiten, Nationalitäten und Sprachgemeinschaften Europas. Ihr derzeitiger Präsident ist Loránt Vincze, Mitglied der ungarischen Gemeinschaft in Rumänien und zugleich Mitglied des EU-Parlaments.

 

Bei der Bundestags-Debatte um den Antrag waren auch die FUEN-Vertreter auch anwesend.

 

Der Antrag

 

Das Besondere an dem kürzlich verabschiedeten Antrag „Aufforderung an die Europäische Kommission zur Umsetzung der Bürgerinitiative MSPI“ war, dass alle Bundestags-Fraktionen dem Antrag zustimmten. Der Antrag war zwar von CDU/CSU und SPD eingebracht worden, aber er wurde auch von der AfD, den Grünen, der FDP und den Linken unterstützt. 

 

In dem Antrag heißt es unter anderem: „Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel auf, die Vorschläge der MSPI … zeitnah zu prüfen.“ Außerdem sei dafür Sorge zu tragen, dass sich die Umsetzung der Gesetzesvorschläge der MSPI „in das gesamteuropäische Schutzregime zugunsten der nationalen Minderheiten“ einfüge.

 

Der Entschluss des Bundestages sendet ein starkes Signal von Berlin nach Brüssel zugunsten der Minderheiten.

 

Im Folgenden jeweils kurz die Stimmen jeder Fraktion im gestrigen Bundestag. Alle Fraktionen haben dem Antrag zugestimmt.

 

CDU/CSU, Eckhard Pols: „Es gibt kein Land auf diesem Kontinent – außer unserem – das in 27 Ländern Europas und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion Minderheiten hat. Ca. 1 Million Menschen sind lebendiger Teil unseres historischen Erbes, das wir gar nicht hoch genug einschätzen können.“

 

Aber es gäbe leider immer noch Defizite im europäischen Minderheitenschutz, so Pols. So zum Beispiel in Polen oder Slowenien:

 

“Das Ringen etwa um den muttersprachlichen Unterricht ist etwa für die deutsche Minderheit ist in bestimmten Ländern immer noch die größte Herausforderung.  In Rumänien leben knapp 40.000 Angehörige der deutschen Minderheit, deren Kinder mehrere Schulen besuchen können, darunter das berühmte Buchental-Gymnasium, wo Deutsch die Unterrichtsspprache in allen Fächern ist.  In Polen hingegen, wo die deutsche Minderheit mit knapp 150.000 Menschen mehr als drei mal so groß ist,  gibt es keine einzige Schule mit Deutsch als Unterrichtssprache. Und in Slowenien wird die deutschsprachige Minderheit bis heute nicht offiziell anerkannt. Wir müssen die EU hier stärker in die Pflicht nehmen.“

 

SPD, Sylvia Lehmann: „Minderheiten sind die Sterne des Firmaments, Mehrheiten sind das Dunkel, in dem sie fließen.“

 

FDP, Sandra Bubendorfer-Licht: „Wir unterstützen den Minority Safepack.“

 

Die Linke, Simone Barrientos: „Es gibt unzählige erschütternde Beispiele für die Folgen von Anti-Ziganismus. Diese Menschen gehören zu uns, sie gehören – zu Europa.“

 

Grüne, Filiz Polat: „Es fehlt tatsächlich an einem wirkmächtigen, überprüfbaren und sanktionierbaren Schutzmechanismus für Minderheiten auf ebene der Europäischen Union. Diese Lücke wollen wir schließen.“

 

AfD, Beatrix von Storch: „Wir nehmen den Antrag an, weil er unserer Überzeugung entspricht – und die heißt: Wir wollen ein Europa kultureller Vielfalt, kein sozialistisches Einheitseuropa und ganz gewiss keine One World.“

LS

Schlesien Journal 24.11.2020

Im dieswöchigen Schlesien Journal dreht sich alles rund um den Glauben.

Wir interviewen Wojciech Pracki, den Pfarrer der evangelische Kirchengemeinde in Oppeln. Wir fragen ihn, was der Unterschied zwischen evangelischer und katholischer Kirche ist, wieviel Deutsche es in seiner Gemeinde gibt und warum er seine Predigten derzeit auf “twitch”, einem Portal für Gamer, veröffentlicht.

Außerdem berichten wir von einer ökumenischen Gedenkandacht in Oppeln anlässlich des Volkstrauertages.

 

 

„Der Vorstoß in den Weltenraum“

 

Oppeln/ Breslau: Das Institut für Auslandsbeziehungen und das Goethe-Institut Krakau geben gemeinsam eine Comic-Reihe heraus.

 

Die berühmtesten Schlesier heute sind wohl Joseph von Eichendorff, geboren 1788 auf Schloss Lubowitz bei Ratibor und der Literaturnobelpreisträger Gerhard Hauptmann, geboren 1862 in Ober Salzbrunn in Niederschlesien.

Heutige Persönlichkeiten, die man aus Schlesien kennt, sind wohl zum einen der Kinderbuchautor „Janosch“, geboren 1931 in Hindenburg, im heutigen Zabrze. Und zum anderen die beiden Nationalspieler Lukas Podolski, geboren 1985 in Gleiwitz und Miroslav Klose, geboren 1978 in Oppeln.

Das sind zumindest die Namen, die einem schnell in den Sinn kommen.

 

Vergessene schlesische Persönlichkeiten

 

„Aber es gibt natürlich viel mehr“, sagt Madeleine Hartmann, ifa-Mitarbeiterin der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft (DSKG). Zusammen mit dem Goethe-Institut Krakau und ihrer ifa-Kollegin Rosa Wesle, die bei der Deutschen Bildungsgesellschaft Oppeln (DBG) arbeitet, wollen sie der Öffentlichkeit andere, bisher weniger bekannte Schlesier vorstellen.

 

 

Breslaus Sehnsucht nach dem „Weltenraum“

 

Zum Beispiel die beiden Schlesier Johannes Winkler und Max Valier. 

Winkler und Valier gründeten 1927 in Breslau den „Verein für Raumschifffahrt“. Beide vom Typ her ein bisschen wie Elon Musk heute. Und beide waren sie elektrisiert von der Idee, in den „Weltenraum“ vorzustoßen. Mit dieser Idee waren sie nicht allein. In den 1920er Jahren waren viele von der Eroberung des Weltraums fasziniert. So zum Beispiel auch Fritz Lang, der Regisseur von „Metropolis“ (1927), der dem Thema einen ganzen Film widmen wollte – und das auch tat: Der Film „Frau im Mond“ erschien 1929 – unter Mitwirkung von Mitgliedern eben jenes Breslauer „Vereins für Raumschifffahrt“.

Die ursprüngliche Idee der drei Weltraumbegeisterten war es gewesen, eine Rakete zur Weltpremiere des Films zu starten. Das hatte aber leider nicht geklappt. Der Film schrieb trotzdem Geschichte und nach Johannes Winkler ist heute sogar ein Krater auf dem Mond benannt. Der Winkler-Krater. 

 

 

 

Comic als ansprechende Verpackung.

 

Der erste Band der Comic-Reihe, die sich außergewöhnlichen Schlesierinnen und Schlesiern widmet, heißt „Von Breslau zum Mond“ und erscheint noch in diesem Jahr.

Autor des ersten Bandes ist der Berliner Schriftsteller und Journalist Wolf Kampmann. Zeichnerin ist Bea Davies, die u. a. in New York an der „School of Visual Arts“ studiert hat. Die weiteren Comics sind von polnischen Künstlern: Der zweite Band wurde von Katarzyna Witerscheim gezeichnet und der dritte Band von Mikołaj Ratka. Die Drehbücher entwarf jeweils der Comicautor Tomasz Kontny.

 

Zwei weitere Bände

 

Ein weiterer Comic widmet sich der schlesischen Chemikerin Clara Immerwahr. Immerwahr war die erste Frau in Deutschland, die einen Doktor in Chemie (1900) erhielt. Zudem war sie verheiratet mit Fritz Haber, der 1918 den Nobelpreis in Chemie bekam und im Ersten Weltkrieg eine sehr prominente Rolle in der Entwicklung chemischer Waffen spielte. 

„Clara Immerwahr war dagegen. Sie war eine Pazifistin“, erzählen Madeleine Hartmann und Rosa Wesle.

Der dritte Band spürt dem Leben des Abenteurers und Afrikaforschers Emin Pascha nach. Emin Pascha, 1840 geboren als Eduard Schnitzer in Oppeln, arbeitete er zunächst als Arzt im Osmanischen Reich. Später wurde er Gouverneur der Provinz Äquatoria, heute ein Teil der Republik Südsudan.

„Unsere Idee war, dass die Comics auch gut im Deutschunterricht eingesetzt werden können“, erzählen Rosa Wesle und Madeleine Hartmann. Geplant sei, dass die Comics kostenfrei an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in der Region wie Bibliotheken und Organisationen der deutschen Minderheit zur Verfügung gestellt werden.

„Die Comics sind eine Möglichkeit, den Deutschunterricht ein bisschen aufzulockern und den Jugendlichen die deutsche Kultur und Sprache unterhaltsam näherzubringen“, fasst Rosa Wesle das gesamte Projekt zusammen. 

 

LS

 

 

Schlesien Journal 17.11.2020

 

Diesmal im Schlesienjournal:

 

In unserer Reihe “Städte und Menschen” besuchen wir in dieses Mal Rosenberg. Rosenberg ist über 800 Jahre alt. Unser Beitrag erzählt von der wechselhaften Geschichte der Rosenbergs. Von den vielen Bränden, die in der Stadt wüteten. Von den beiden berühmten Schrotholzkirchen, der St. Anna Kirche und der St. Rochus Kirche, die beide – noch immer stehen. Und von der Pfennigkirche, die nur aus Pfennigspenden erbaut wurde.

 

Außerdem: Anlässlich des Volkstrauertages ist für den 21.11. ist eine gemeinsame Andacht in Teschen geplant.

 

Und: Die SKGD bringt ein Fotoalbum zu ihrem 30-jährigen Bestehen heraus.

 

 

 

 

Von Licht und von Schatten. 30 Jahre Masurische Gesellschaft.

Das Jahr 1989 war ein sehr wichtiges Jahr für die Bewohner von Ermland und Masuren. 

Über viele Jahre hinweg hatte es keinerlei Interesse an der Multikulturalität von Ermland und Masuren gegeben. Aber als nach dem Krieg die Grenzen verschoben wurden, erschienen auf dem Gebiet von Ermland und Masuren neben der autochthonen Bevölkerung auch andere Volksgruppen aus praktisch ganz Polen.

1989 entstanden schließlich – zum ersten Mal seit dem Jahr 1945 – etwa dreißig Gesellschaften der deutschen Minderheit. Dabei galt es zunächst, Grundlagen zu schaffen. Also von den Menschen, ihrer Geschichte und ihrer Kultur zu erzählen und auch – wie das bezeichnet wurde – „Brücken der Verständigung“ zu bauen. Die Masurische Gesellschaft versuchte im Verlauf der letzten 30 Jahre ihre Ziele durch kulturelle, verlegerische und didaktische Aktivitäten zu verwirklichen. 

 

Kulturelle Aktivität 

 

In den Jahren 1990 – 2020 waren zwei große internationale Veranstaltungen am bedeutsamsten: 

Zum einen das Sommertreffen, das mit der Zeit den Namen „Kultur- und Begegnungsfest der Masurischen Gesellschaft“ tragen sollte und zum anderen – die „Masurischen Gespräche“. 

Jedes Treffen hatte eine dreischichtige Struktur, die so aussah: Es gab ein Seminar zu einem bestimmten Thema, es gab Vorlesungen über frühere und heutige Literatur und es gab Begleitveranstaltungen, also Autorenlesungen, künstlerische Auftritte oder Ausstellungen. 

Von der Vielfalt der aufgegriffenen Themen während der Sommertreffen zeugt die Bandbreite der Seminare. 

Die zweite große jährliche Veranstaltung der letzten 30 Jahre waren die „Masurische Gespräche“.

Bei den Gesprächen ging es vor allem um Begegnungen mit deutscher Literatur und masurischer Kultur. Bis heute wird hier den geschichtlichen Ereignissen und deren Einfluss auf das persönliche Schicksal des Einzelnen viel Platz eingeräumt. Charakteristisches Merkmal aller Seminare, die im Rahmen der „Masurischen Gespräche“ stattfanden, war die aktive Teilnahme der Mitglieder der Masurischen Gesellschaft, die nicht nur Referate vorbereiteten, sondern auch ihre eigenen, oft tragischen Ereignisse mit anderen teilten. 

 

Drei Phasen der Gespräche

 

In der Rückschau auf 30 Jahre „Masurische Gespräche“ lassen sich drei Phasen beobachten:

In der ersten befassten sich die Masuren mit sich selbst. Sie beschlossen, mit ihrer eigenen komplizierten, vielschichtigen Identität fertig zu werden. Danach gefragt, wer sie sind, Deutsche oder Polen und – falls Masuren, eher deutsche oder polnische – antworteten sie, dass sie so sind, wie das Schicksal sie geformt hat. 1945 waren sie Deutsche, danach wurden sie gegen ihren Willen polonisiert. 1990 konnten sie plötzlich zu dem zurückkehren, was ihnen genommen worden war und was sie verborgen hatten. Sie konnten sich wieder treffen, deutsch reden, nach deutschen Büchern und Zeitungen greifen, frühere Lieder singen. 

Aber diese Änderung kam zu spät. Die von ihnen geschätzte deutsche Sprache war nicht mehr die Muttersprache ihrer Kinder und Enkel. Deswegen waren viele Seminare, besonders viele „Masurische Gespräche“, dem Problem der Identität gewidmet sowie auch Formen und Methoden der Pflege der Muttersprache. 

Die zweite Phase war das sich Öffnen für andere nationale Minderheiten in Polen und Europa. 

Hier widmeten sich die „Masurischen Gespräche“ Themen, die allgemein für Mitglieder einer Minderheit wichtig sind. Aus diesem Grund trafen sich auf den Seminaren dann Vertreter der ukrainischen, weißrussischen, litauischen, dänischen, deutschen, ungarischen und rätoromanischen Minderheit. Die Geschichte und die heutigen Probleme der anderen Minderheiten konnten hier besser verstanden werden.

Die dritte Phase – das ist die Bildung eines guten Klimas zwischen der deutschen Minderheit und der polnischen Gesellschaft. Die Mitglieder der Gesellschaft verheimlichen nicht, dass ihr Schicksal eng mit dem Los eines Grenzlandes verwoben ist. Das heißt, dass ihre nationale Identität vielschichtig ist und einiges darin enthält auch – aufgrund der Geschichte – polnische Elemente: Denn nach dem Jahr 1945 gingen die Angehörigen der deutschen Minderheit in polnische Schulen, arbeiteten in polnischen Betrieben oder heirateten polnische Ehepartner. 

Wichtig und immer anwesend, sowohl bei den „Sommertreffen“ als auch bei den „Masurischen Gesprächen“, waren Kinder und Jugendliche, die in Kursen, die von der Masurischen Gesellschaft organisiert werden, Deutsch lernen. 

Eine Art schriftliche Fortsetzung dieser Treffen ist die „Masurische Storchenpost“. Denn alle Referate sowie Stimmen aus den entstandenen Diskussionen werden in den Spalten der Monatsschrift präsentiert. 

 

Mittwochstreffen 

 

Seit Januar 1992 ist die Stadtbibliothek in Sensburg Ort der Mittwochstreffen. Im Laufe der verflossenen Jahre fanden dort über 200 Treffen statt. Hier wurden gemeinsam die interessantesten literarischen Werke ostpreußischer Schriftsteller gelesen: u.a. von Marion Dönhoff, Siegfried Lenz, Arno Surminski, Herbert Reinoss, Horst Michałowski und Ulli Lachauer. 

Die Mitglieder der Masurischen Gesellschaft bereiteten zusätzlich auch persönliche Treffen mit Autoren vor. Es fanden Treffen u.a. mit Anna Stasiak, der Übersetzerin der Prosa Arno Surminskis, mit Joanna Demko, Andreas Kossert, Joanna Wańkowska-Sobiesiak, Małgorzata und Grzegorz Jasiński und Arkadiusz Łuba statt. 

 

Foto: Barbara Willan

 

Jedes Jahr im Dezember finden außerdem die Adventstreffen statt, an denen die evangelischen Pastoren aus Rastenburg, Sorquitten, Sensburg oder Allenstein teilnehmen. Den künstlerischen Teil bereiten immer die Schüler vor, die unsere Deutsch-Kurse besuchen. In den letzten 29 Jahren haben uns immer zahlreiche Gäste zu diesen festlichen Adventstreffen besucht. Es waren hochrangige deutsche und polnische Politiker, bekannte Journalisten und Künstler, renommierte Wissenschaftler aus Polen, Deutschland, der Schweiz und England.

 

Verlegerische Tätigkeit 

 

Die „Masurische Storchenpost“ ist die deutschsprachige Monatsschrift der Masurischen Gesellschaft. Gleich in ihrer ersten Ausgabe erklärte die Redaktion: „Wir legen in Ihre Hände die erste Nummer der STORCHENPOST. Warum STORCHENPOST? Weil die Teilnehmer des Treffens im Oktober sich gewünscht haben, dass das Symbol der Masurischen Gesellschaft eben ein Storch ist, ein Vogel, der seiner Heimat treu ist, jedes Frühjahr zu seinem Nest zurückkehrt und Freude und Glück bringt. Wir hoffen, dass die STORCHENPOST, die der Briefträger jeden Monat bringen wird, Ihnen auch ein wenig Freude bereiten wird.“ 

Im Oktober 1990 schließlich erschien die erste Nummer der „Masurischen Storchenpost“, im Oktober 2020 ist die Anzahl der Ausgaben auf bisher 383 angewachsen. Die „Masurische Storchenpost“ erfüllte und erfüllt die wesentliche Funktion einer Monatszeitschrift. Sie versucht konsequent, folgende Ziele zu realisieren: Kampf um die Rechte und die Würde der Minderheit, Stärkung des Identitätsgefühls, Vergrößerung des Gruppenzusammenhalts, die Überwindung des Gefühls der Entfremdung, die Gestaltung eines positiven Bilds der Minderheit, die Pflege der deutschen Sprache, die Verbreitung der deutschsprachigen Literatur des ehemaligen Ostpreußens, sowie der polnischsprachigen Literatur zu Ermland und Masuren, die Gestaltung eines guten Zusammenlebens verschiedener Minderheiten untereinander und nicht zuletzt die Gestaltung eines guten Zusammenlebens mit der polnischen Mehrheitsgesellschaft. 

Die Leser der Zeitschrift sind in der Mehrzahl ältere Menschen, gebürtige Einwohner von Ermland und Masuren, die die deutsche Sprache noch gut kennen. Einen kleinen Prozentsatz der Leser stellen Masuren, die nach dem Krieg unter verschiedenen Umständen ihre Heimat verlassen haben und heute in Deutschland, Dänemark, Frankreich oder Schweden wohnen. 

Aber auch junge Menschen gehören zu den Lesern der Monatsschrift. 

 

Didaktische Tätigkeit 

 

Die didaktische Tätigkeit bestand in den letzten 30 Jahren hauptsächlich darin, die deutsche Sprache zu pflegen. Im Jahr 1990 sah die Situation folgendermaßen aus: die ältesten Mitglieder der Gesellschaft kannten die Sprache sehr gut. Die in den späten 40er Jahren Geborenen, die nicht in deutsche Schulen gegangen waren, kannten die Sprache aus dem Elternhaus. In gemischten Ehen war es unterschiedlich. 

Nicht immer hatte die deutsche Sprache an die Kinder und Enkel weitergegeben werden können.

Deswegen waren auch alle von der Gesellschaft organisierten Veranstaltungen zweisprachig. 

Die Masurische Gesellschaft organisierte, um die Zweisprachigkeit der Menschen des Grenzlandes zu fördern, ab Februar 1994 kostenlose Deutschkurse für alle interessierten Kinder (unabhängig von ihrer nationalen Identität).

Diese Kurse richteten sich an Kinder im Alter von 8-14 Jahren und fanden statt in Sensburg, Eichmedien, Rastenburg, Kruttinnen, in Groß Borken, Lötzen und Aweyden. Ab 2006 auch zusätzlich in der Grundschule in Kruttinnen und ab 2019 in der Grundschule in Peitschendorf. 

Die Kinder können ihre erworbenen sprachlichen Fähigkeiten dann während des „Tags der Märchen und Legenden“ sowie während der Adventstreffen präsentieren. 

 

Projekte, die nicht realisiert wurden.

 

Dreißig Jahre sind eine Zeit für ein Resümee. Wir haben viel gemacht, aber hätten wir mehr machen können? Sicherlich ja. Der größte Schatten in unserer Tätigkeit ist das Nicht-Zustandekommen einer Mittelschule mit Deutsch als Unterrichtssprache. In den 90er Jahren hätte es diese Möglichkeit gegeben. Die Mittel waren gesichert, das Gebäude gab es auch – nur fehlte es an Interessierten, die die Schule geleitet hätten. 

Nicht vollständig zufriedenstellend ist auch die Realisierung des Projekts „Rückkehr zur deutschen Sprache“. Insgesamt gab es diesem Projekt gegenüber auch zu wenig Offenheit. Viel Platz und Zeit wurde der Stärkung der eigenen, separaten Identität gewidmet, aber der Bau von Brücken zur gegenseitigen Verständigung erfordert das Schaffen von Möglichkeiten, diese Brücken von beiden Seiten zu betreten. Alle nationalen Minderheiten sollten beim Bau einer offenen, pluralistischen Gesellschaft mitwirken. Eine Öffnung der deutschen Minderheit nach beiden Seiten ist also unerlässlich.

 

Blick in die Zukunft. 

 

Und die Zukunft? Derzeit findet ein Generationenwechsel statt. Viel hängt jetzt von der zweiten und dritten Generation ab. Hoffnungsvoll beobachten wir einige Initiativen lokaler und landesweiter Vereine. Nicht alle kann man hier nennen, aber besondere Aufmerksamkeit verdienen sicherlich

– die Gesellschaft Anima und das Masurische Wandertheater, 

– das gemeinsame Projekt der evangelisch-augsburgischen Gemeinde in Sorquitten und des Vereins „Freunde Masurens“, nämlich „die Sorquitter Gespräche“, 

– der „Masurische Tag“, dessen Hauptorganisator die Diözese Masuren war (Oktober 2020) 

– und die Buch-Editionsreihe „Moja Biblioteka Mazurska“ (dt. „Meine masurische Bibliothek“) des Verlags Retman. 

Es besteht also Hoffnung, dass die Vergangenheit Ermland und Masurens nicht dem Vergessen anheimfällt. 

Dieses Land mit seiner Geschichte und seinem reichen kulturellen Erbe hat es verdient. Für die vielen und zahlreichen Pläne, die wir tatsächlich realisieren konnten, gilt es zu danken. Unser Dank gilt hier vor allem dem Außenministerium sowie dem Ministerium des Inneren, für Bau und Heimat der Bundesrepublik Deutschland, dem Ministerium für Inneres und Verwaltung in Warschau, der Selbstverwaltung der Woiwodschaft Ermland-Masuren sowie einzelnen Sponsoren. 

Im eigenen Namen und dem aller Mitglieder der Masurischen Gesellschaft danke ich außerdem für die erfolgreiche Zusammenarbeit in den letzten 30 Jahren: dem Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, dem Departement für nationale und ethnische Minderheiten des Ministeriums für Inneres und Verwaltung in Warschau, dem Departement für Kultur und Wissenschaft des Marschallamtes in Allenstein, dem Verband der deutschen Gesellschaften in Oppeln, der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens in Oppeln, dem Bischof der Diözese Masuren und den Pastoren der evangelisch-augsburgischen Gemeinden in Sensburg, Sorquitten, Rastenburg, Allenstein und Lötzen, der Woiwodschaftsbibliothek in Allenstein, der Stadtbibliothek in Sensburg, den Direktoren der Grundschulen in Kruttinnen und Peitschendorf, dem Masurischen Landschaftspark in Kruttinnen, der Gesellschaft „Freunde Masurens“, den Gesellschaften der deutsche Minderheiten in Allenstein und Sensburg, den Eigentümern der Hotels „Panoramic-Oscar“ in Sensburg und „Habenda“ in Kruttinnen. 

Herzlichen Dank an alle wie auch an alle anderen hier nicht genannten Helfer, die uns in den letzten 30 Jahren unterstützt haben. 

 

 

PS: Die Chronik der Masurischen Gesellschaft in polnischer und deutscher Version erscheint demnächst  auf unserer Internetseite: www.stowarzyszeniemazurskie.pl/de.

 

Barbara Willan

Neugründung des Danziger DFKs – „Willkommen an Bord!“

 

 

Krzysztof Joachimowicz ist 42 Jahre alt, Historiker und arbeitet im Museum von Danzig. Seit dem 9. Oktober ist er der neue Vorsitzende der Danziger Deutschen Minderheit. Der  Danziger DFK wurde neu gegründet, weil es in der Vergangenheit zu Streit und Unstimmigkeiten im Bund der Deutschen Minderheit in Danzig gekommen war.

Krzysztof Joachimowicz will sich nun wieder voll auf die eigentliche Arbeit des Danziger DFKs konzentrieren. Für ihn geht es dabei vor allem „um die Erhaltung der deutschen Kultur und deutschen Sprache“. Die Sprache sei der zentrale Punkt im Selbstverständnis der deutschen Minderheit und müsse gefördert und bewahrt werden. Das Bild vom Indianerreservat treffe durchaus zu, wenn es um die deutsche Kultur in Danzig gehe.

Zwei Dinge sind Joachimowicz jetzt besonders wichtig. Zum einen geht es ihm um die Generation der Zeitzeugen, die heute noch leben: Deren Wissen und Erfahrung sei ein reicher Schatz, den es zu bergen gelte, solange das noch möglich sei. Zum anderen geht es Joachimowicz um die Jugend. Denn das Wissen und die Erfahrung der Alten müsse an die jungen Menschen weitergegeben und lebendig gehalten werden. Ohne diesen Brückenschlag der Generationen lande das alte Wissen nur im Museum.

Bisher gibt es nur ca. 30 Mitglieder in der Danziger Deutschen Minderheit. Aber Krzysztof Joachimowicz sieht angesichts vieler tausender Deutschstämmiger in Danzig ein großes Potenzial. Vor allem jetzt, wo die formalen Fragen gelöst seien und ein Ort gefunden werden könne, der auch für die älteren Mitglieder adäquat ist.

Der Verband deutscher Gesellschaften, dem die Danziger Deutsche Minderheit bei der letzten Verbandsratssitzung auf dem St. Annaberg beigetreten ist, freut sich auf die Zusammenarbeit. Der VdG-Vorsitzende Bernhard Gaida begrüßte die „neuen“ Danziger mit den Worten: „Willkommen an Bord!“

ls

Ostróda: Konkurs piosenki niemieckiej – „Większy dystans, mniejszy stres“

 

 

 

W tegorocznym konkursie piosenki niemieckiej, którego organizatorem jest Stowarzyszenie Mniejszości Niemieckiej „Jodły”, uczestniczyło około 40 osób. To mniej niż w poprzednich latach, kiedy to przez scenę na ostródzkim zamku przewijało się ponad 100 uczestników.  Ważniejsze jednak niż liczba uczestników jest to, że się w ogóle odbył, bo przez pandemię wiele imprez kulturalnych w tym roku przepadło. Uczestnicy tym razem nie musieli się stawić w Ostródzie osobiście, zostali zobowiązani do dostarczenia sporządzonych przez siebie filmów z wykonaniem jednego utworu niemieckiego.

– Poziom filmów był bardzo zróżnicowany: od zrobionych telefonem komórkowym po wykonane profesjonalną aparaturą nagraniową. Tak samo było i z poziomem wykonawczym. Był bardzo zróżnicowany – mówi Anna Czajkowska, organizatorka konkursu.

Większość uczestników startowała w konkursie pierwszy raz, ale znaleźli się w nim także stali bywalcy, jak np. Monika Krzenzek ze stowarzyszenia w Szczytnie oraz Lea Gładkowska z Olsztyna – debiutantka i laureatka w ubiegłym roku. Najczęściej piosenkarze rekrutowali się ze szkół podstawowych, w których nauczany jest język niemiecki jako mniejszości narodowej, czyli z Napiwody, Rogóża w gm. Kozłowo, Glotowa, Mrągowa, Gronowa Górnego oraz ze stowarzyszeń niemieckich w Szczytnie, Ostródzie, Lidzbarku Warmińskim i Olsztynie. Najwięcej osób zgłosiła szkoła w Glotowie – aż dziewięć. Repertuar wykonawców był bardzo zróżnicowany: od klasyki: „Sag mir, wo die Blumen sind” z repertuaru Marleny Dietrich, przez „Allelujah” z repertuaru Leonarda Cohena, po dziecięce „Ein Lama in Jokohama”.

– Odkryciem tegorocznego konkursu jest Aleksandra Hoppe, uczennica klasy 8. szkoły podstawowej w Glotowie, podopieczna nauczycielki Moniki Pytlarczyk. Aleksandra startowała w konkurencji dziecięcej. Śpiewała piosenkę pt. „Lieblingsmensch” Namiki, również młodej niemieckiej piosenkarki. Uczyniła to na tak wysokim poziomie, że pobiła wszystkich uczestników konkursu. Dziewczyna ma wielki talent – zapewnia Anna Czajkowska.

Czy zdalna forma konkursu się sprawdziła? – Trudno mi jednoznacznie to ocenić. Nauczyciele mówili, że śpiewanie do kamery to dla dzieci mniejszy stres, że mogły poprawić, gdy coś im nie wyszło. Z drugiej strony jednak – nie było konkursowej atmosfery, emocji, braw i aplauzu, co też przecież jest bardzo ważne.

Czternasty konkurs piosenki niemieckiej zorganizowało Stowarzyszenie Mniejszości Niemieckiej w Ostródzie, a sfinansowało Ministerstwo Spraw Wewnętrznych i Administracji oraz Konsulat Generalny Republiki Federalnej Niemiec w Gdańsku i stowarzyszenie „Jodły”. Nagrody – bony zakupowe do Empiku oraz słodycze – uczestnicy oraz nauczyciele otrzymali pocztą.

 

Lech Kryszałowicz

Schlesien Journal 10.11.2020

 

 

Diesmal im Schlesienjournal: 

 

Das Schlesienseminar feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum. Grund für eine kleine Reise in die Vergangenheit:

Wie kam es zu überhaupt zur Gründung des Seminars? Wie sahen die Anfänge aus? Wie haben sich die Themen im Laufe der Zeit verändert?

 

 

 

Außerdem: “Ihre Mütter, unsere Väter.” Der Autor Piotr Pytlakowski stellt uns sein neues Buch vor.

Darin geht es um das tragische Schicksal der Deutschen im Nachkriegspolen.

 

 

 

Und dann gibt es noch eine neue Ausstellung im Museum des Oppelner Schlesien zu besuchen.
Bei der Ausstellung “Die Geheimnisse der Schlesischen Spitze.” dreht sich alles um kunstfertige Stoffe aus Schlesien.

 

Woche im DFK

 

Nach wie vor sucht Glatz noch immer Schülerinnen und Schüler, die sich für Lyrik begeistern. Bis zum 30. November ist hier ein Wettbewerb ausgeschrieben.

In Kollanowitz können demnächst “Deutsche Sitten und Gebräuche in Schlesien” studiert werden. Zu dem Online-Kurs kann man sich jetzt noch anmelden.

Und in Stollarzowitz wird der Volkstrauertag am 15. November gemeinsam begangen. In der Kirche ist derzeit außerdem die Ausstellung “Hören Sie meinen stummen Schrei?” zu besichtigen. In der Ausstellung geht es um das Schicksal der Einwohner von Stollarzowitz und Górnik im Jahr 1945.

 

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Schlesien Journal 03.11.2020

 

 

 

Diesmal im Schlesien Journal:

 

Hallo DFK!

 

In unserer Reihe “Hallo DFK!” besuchen wir den emsigen DFK Kollanowitz. Vielen bekannt, weil er im Frühling immer eine große Fahrradtour organisiert. Aber die Kollanowitzer haben noch viel mehr auf Lager: Sie spielen Theater. Sie lernen in Kursen kochen wie Oma. Und sie schützen die Umwelt…

 

 

 

 

“Kein Jahr ohne Bild.”

 

Außerdem feiert die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien – die SKGD – ihren 30. Geburtstag. In 30 Jahren ist viel passiert – und immer wurde es festgehalten. Deshalb bringt die SKGD jetzt ein Fotoalbum heraus, das einen Überblick geben soll über die 30-jährige Geschichte ihrer Organisation.

 

 

 

 

“Als die Raben noch bunt waren”

 

Glänzende Kinderaugen, heiße Wangen und Schmetterlinge im Bauch. Das Kinder-Theaterfestival des Vereins Pro Liberis Silesia wagte trotz Corona den Auftritt. In abgespeckter Form wurde getanzt, gespielt und gejauchzt – auf den Brettern, die die Welt bedeuten.