Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, September 27, 2022

Bittere Worte

Am Montag vergangener Woche (12.09.) veranstalteten das in Posen (Poznań) beheimatete Westinstitut (Instytut Zachodni) und das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) eine Konferenz mit dem Titel „50 Jahre diplomatische Beziehungen Deutschland-Polen 1972-2022: West goes East, East goes West – Betrachtungen zu Vergangenheit und Zukunft“. In dem Diskussionspanel mit Regierungsvertretern beider Länder wurden auch jene Themen nicht ausgespart, die das bilaterale Verhältnis derzeit belasten.

Wo Szymon Szynkowski vel Sęk auftaucht, ist Kritik an Deutschland nicht weit. Der Auftritt des polnischen Vizeministers für Auswärtige Angelegenheiten bei der kürzlichen deutsch-polnischen Konferenz in Posen bildet hier keine Ausnahme. In von ihm selbst angekündigten „bitteren Worten“ sprach der PiS-Außenpolitiker von „Turbulenzen“ und „Enttäuschungen“ in den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen, bemängelte die angeblich unzureichende Finanzierung des Polnischunterrichts an deutschen Schulen und thematisierte die aus Sicht der polnischen Regierung ungelöste Frage nach Reparationen für die von Deutschen während des Zweiten Weltkrieges in Polen verübten Verbrechen und angerichteten Schäden.

Nicht ohne eine – zugegebenermaßen nachvollziehbare und durchaus begründete – „Wir-haben-es-euch-immer-gesagt-Attitüde“ tadelte Szymon Szynkowski vel Sęk zudem die Fehleinschätzungen zahlreicher deutscher Politiker in Bezug auf die Bedrohung durch Russland und das weiterhin zögerliche Agieren der deutschen Regierung im Hinblick auf Waffenlieferungen an die kriegsgebeutelte Ukraine. Lediglich in einigen Nebensätzen ging er auch auf die positiven Entwicklungen in den deutsch-polnischen Beziehungen ein, zum Beispiel den bilateralen Handel oder den Jugendaustausch betreffend.

Szymon Szynkowski vel Sęk (links) und Anna Lührmann mit dem Panelmoderator Piotr Andrzejewski vom Westinstitut
Foto: Instytut Zachodni / Screenshot

Anna Lührmann, Staatsministerin für Europa und Klima im Auswärtigen Amt, vertrat die Perspektive der deutschen Regierung. Die Grünen-Politikerin hob das „tiefe Beziehungsgeflecht“ und den „intensiven Dialog“ zwischen Deutschland und Polen hervor. „Für diesen Dialog ist auch das gegenseitige Verständnis wichtig – und das umfasst auch die Sprachkenntnisse. Dafür setzt sich (…) die Bundesregierung auf Bundesebene ein“, sagte sie. So unterstütze man zum Beispiel das Kompetenz- und Koordinierungszentrum Polnisch im sächsischen Sankt Marienthal, das 2020 eingerichtet wurde, um die Strukturen des Polnischunterrichts in Deutschland zu verbessern. Zudem könne man seit 2005 eine Verdreifachung der Polnischlernenden verzeichnen. „Damit wir einander – im wahrsten Sinne des Wortes – noch besser verstehen, braucht es diese Sprachkompetenz auf beiden Seiten. Deshalb sehen wir die substanziellen Kürzungen der Mittel für den Deutschunterricht (in Polen, Anm. d. Red.) mit großer Sorge. Wir würden uns eine Trendumkehr hier sehr wünschen“, fügte Anna Lührmann im Diplomaten-Sprech hinzu.

Auch auf die jüngst wieder aufgeflammten Diskussionen um die Kriegsreparationen ging die Staatsministerin ein: „Die Bundesregierung misst der moralischen und (…) finanziellen Wiedergutmachung des vom NS-Regime verübten Unrechts eine besondere Priorität bei. Sie hat – und tut es noch immer – in höherem Umfang Wiedergutmachung für NS-Unrecht geleistet, auch für Menschen in Polen. Die Reparationsfrage hingegen ist seit fast 70 Jahren abgeschlossen. Polen hat schon vor langer Zeit (…) auf weitere Reparationen verzichtet und diesen Verzicht mehrfach bestätigt, zuletzt 2004. Wir sollten jetzt gemeinsam – im Bewusstsein dieser schweren Vergangenheit – den Blick in die Zukunft richten“, so Anna Lührmann.

Es bleibt nur zu hoffen, dass diese Zukunft ein wenig freier von Turbulenzen und Enttäuschungen sein wird.

Lucas Netter

Partner der Konferenz waren das Auswärtige Amt, das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Polen, die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit sowie die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Den vollständigen Austausch können Sie sich online auf dem YouTube-Kanal des Westinstituts ansehen:

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