Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, August 9, 2022

Burg, Heilanstalt, Kinderheim

Das Schloss Plagwitz, das sich im heutigen Stadtgebiet von Löwenberg in Schlesien befindet, gilt als eine der bedeutendsten Renaissanceresidenzen Schlesiens. Im 16. Jahrhundert war es die größte Burg in Schlesien.


Anfang gab es in Plagwitz gleich zwei Herrensitze, auf jedem Flussufer eines. Den ersten ließ wahrscheinlich Ritter von Talkenberg bauen, der das Amt des Burggrafen bekleidete. Als 1327 Seilfried und Nickel von Raussendorf Plagwitz als Lehen erhielten, entstand ein weiteres Herrenhaus. Das ältere Gebäude wurde allerdings nach dem Hochwasser von 1815 vollkommen zerstört. Ab 1501 gehörte Plagwitz Christoph von Talkenberg. Es waren seine Erben, die zwischen 1550 und 1563 das heutige Renaissanceschloss gebaut haben. Das Projekt bereitete wahrscheinlich der italienische Architekt Franz Parr zusammen mit seiner Haynauer Werkstatt vor. Im 16. Jahrhundert war Schloss Plagwitz die größte Burg in Schlesien.

 

Seit 1992 befindet sich das Schloss im Privatbesitz. Eigentümer ist die Löwenberger Baptistengemeinde.
Foto: Strumyczek/Wikipedia

Nachdem die letzte Vertreterin des Adelsgeschlechts von Talkenberg, Magdalene, Casper von Schaffgotsch geheiratet hat, gelangte das Schloss in den Besitz der Schaffgotsch. Zu Schaffgotschs Zeiten wurde das Schloss umgebaut. Otto von Hochberg, weiterer Besitzer des Schlosses, errichtete dann 1720 im Herrenhaus noch eine Bibliothek mit einer Gemäldesammlung. Im Jahr 1813 wurde das Schloss von napoleonischen Soldaten verwüstet. Der letzte private Besitzer des Schlosses war bis 1824 Graf August von Nostitz-Rieneck. Danach fiel das Gebäude an den preußischen Staat, der dort 1828 die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Plagwitz am Bober errichten ließ. Ein Jahr später entstand hier eine Irrenanstalt, die 1864 aufgelöst wurde.

Ein interessantes Kapitel seiner Geschichte hatte das Schloss in der Zeit zwischen 1952 und 1959. Es wurde dort damals ein Kinderheim für über 1000 koreanische Kinder eingerichtet. Diese reisten aus Korea an, wo ein Bürgerkrieg herrschte.

Seit 1992 befindet sich das Schloss im Privatbesitz. Eigentümer ist die Löwenberger Baptistengemeinde, die das Schloss nach und nach renoviert. Und die Besitzer bleiben dem Charakter des Schlosses treu: Auf Schloss Plagwitz werden Entzugs- und Rehaseminare angeboten.

Anna Durecka

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