Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Wednesday, December 1, 2021

Dafür ist man Schornsteinfeger (+Audio)

 

 

Ein richtiger Schornsteinfeger, wie Kai Smieszek aus Särichen in der Niederschlesischen Oberlausitz, weiß um seine Aura als Glücksbote. Dieser Nimbus strahle heute nicht mehr so hell wie einst, aber gerade zum Jahreswechsel sei er stolz auf diese Tradition!

 

In seiner Freizeit züchtet Kai Smieszek Gänse. Seine Lieblingsgans hat das Weihnachtsfest überlebt.
Fotos: tsk

 

Schornsteinfeger Kai Smieszek weiß, wieso sein Berufsstand von alters her als Glücksbringer verstanden wird. „Das geht auf das Mittelalter zurück. In der Enge der Haus an Haus gebauten Städte hat der Schornsteinfeger Glück gebracht, indem er die Schornsteine vom Ruß befreite. So konnte kein Rußbrand entstehen, der sich in der Enge der Bebauung oft zu einem Stadtbrand ausweiten konnte. Wenn man den Ruß nicht abkehrt, entzündet sich dieser von allein. War der Schornsteinfeger bei einem, hatte man das Glück, erst einmal Ruhe zu haben!“, weiß Smieszek zu berichten.

 

 

 

 

Auf die Frage, ob er daran glaubt, auch heute noch als Glücksbote fungieren zu können – immerhin werden Schornsteinfeger oft auch zu Hochzeiten gerufen – sagt er schmunzelnd, wie aus der Pistole geschossen: „Na, jeden Tag! Dafür ist man ja schließlich Schornsteinfeger, dass man das Glück auch weitergibt.“ Dabei würden einen heute überwiegend ältere Zeitgenossen als Glücksboten betrachten. „Das liegt wohl daran, dass – als sie Kind waren – der Schornsteinfeger noch häufiger zu ihnen kam. Bei den heutigen modernen Feuerstätten werden manche Häuser nur ein- oder zweimal im Jahr begangen, wohingegen früher vier bis acht Mal im Jahr üblich war“, sagt der Schornsteinfeger mit oberschlesischen Wurzeln.

 

Mit der Novellierung des Schornsteinfegerhandwerkes sei jedoch das Nebenerwerbsverbot aufgehoben worden. „Wir können nun auch andere Tätigkeiten anbieten, wie z. B. den Verkauf oder die Erneuerung von Schornsteinen oder die Prüfung von Lüftungsanlagen. Es geht auch immer mehr in Richtung Bauberatung.“
Als Glück verstehe er auch, dass sein Handwerk wohl sicher durch die Krise komme. „Dadurch, dass der Brandschutz über den gesundheitlichen Belangen steht, haben wir keine Probleme. Es gibt Kunden, die abgesagt haben, weil sie selbst betroffen sind, aber dann kommen wir eben ein, zwei Wochen später.“

 

tsk/ kan

 

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