Nur wenige Fotos zeugen davon, wie das Ehrenmal und Mausoleum aussahen

Es ist nur ein leeres Feld mit Gras und Bäumen bewachsen und doch stand an diesem Ort noch vor 70 Jahren ein monumentaler Bau: Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist das riesige Ehrenmal mit dem Mausoleum des Feldmarschalls Paul von Hindenburg verschwunden. Jetzt wollen polnische Wissenschaftler das Denkmal der Welt teilweise wiedergeben.

 

Zwar ist Hohenstein (Olsztynek) nur eine kleine Ortschaft mit knapp 8000 Bewohnern im heutigen Nordpolen. Doch wer noch 1944 30 Kilometer weiter gefahren wäre, hätte mitten in einem Feld einen atemberaubenden Anblick gehabt: Acht Türme, jeder mit einigen Stockwerken, die einen Platz umrunden, der einer antiken Arena ähnelt. Die Rede ist vom sogenannten Tannenberg-Nationaldenkmal mit dem Mausoleum des deutschen Feldmarschalls und späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg.

 

Die Sprengung

 

Trotz des gigantischen Ausmaßes des Ehrenmals und Mausoleums erteilte Adolf Hitler im Januar 1945 den Befehl, das Bauwerk zu sprengen, da die sowjetische Armee die Wehrmacht in das Innere des Deutschen Reiches trieb. Der endgültige Todesstoß für das Denkmal waren die Nachkriegsjahre, in denen die polnische Verwaltung die Überreste abbauen und beispielsweise nach Warschau zum Wiederaufbau der polnischen Hauptstadt abtransportieren ließ. 1953/53 wurden die letzten Reste endgültig beseitigt.Heute erinnern nur einzelne Mauerreste und das Fundament an das Bauwerk. Sonst ist das Gelände ein von der Natur „erobertes“, leeres Feld.

 

Ausgrabungen

 

Nun sollen archäologische Arbeiten und Ausgrabungen in Auftrag gegeben werden, um die Geheimnisse des Denkmals ans Tageslicht zu bringen. Denn unter dem Fundament sollen sich Räume befinden, die noch kein Wissenschaftler erforscht hat. Dafür stellt die Stadt  Hohenstein 100.000 Zloty zur Verfügung. „Dass wir diese Arbeiten durchführen, ist der Wunsch der Bürger von Hohenstein. Die haben dafür gestimmt, dass das Projekt finanziert wird. Man will, dass dieser Ort, der ein Teil der Geschichte der Stadt ist, in die Öffentlichkeit zurückkehrt“, sagt Piotr Nawacki von der Initiative. Das Ergebnis der Abstimmung war für die Stadtverwaltung eine Überraschung. Die Beamten von Hohenstein unterstrichen, dass auch andere Projekte wie der Bau von Bürgersteigen oder Spielplätzen eine Finanzierung angestrebt haben, gewonnen hat jedoch eine Initiative, die mit der Vergangenheit, noch dazu mit der deutschen, verbunden ist.

 

Zukunftspläne

 

Was passiert aber, nachdem die Arbeiten abgeschlossen sind? Darüber wird in Hohenstein noch diskutiert. Einige befürchten, dass eine zu große Belebung des Ortes als Sympathie für das nationalsozialistische Regime gedeutet werden könnte. Piotr Nawacki versichert jedoch, dass ein möglicher Gedenkort auch entsprechende Hintergrundinformationen beinhalten werde. Er könne sich einen interaktiven Geschichtspark gut vorstellen. Zu bemerken ist noch, dass die Särge Hindenburgs und seiner Frau vor der Sprengung nach Mitteldeutschland gebracht wurden und sich heute in der Elisabethkirche in Marburg (Hessen) befinden.

 

Łukasz Biły