Wer über Glatz (Kłodzko) ins Heuscheuer- oder Aldergebirge fährt, kommt an Rückers (Szczytna) vorbei und sieht über der Stadt die Burg Waldstein. Wenige halten jedoch an, um die Gegend näher kennenzulernen.

 

Vom Aussichtspunkt ist ein wunderschönes Panorama der Stadt Rückers sowie des Heuscheuergebirges und Habelschwerdter Gebirges zu sehen. Foto: Łukasz Malkusz

 

 

Wir machen die Stadt diesmal zu unserem Reiseziel, der Ort lädt aber auch zu kurzen Spaziergängen ein, wenn man auf der Durchfahrt ist. Rückers ist leicht mit der Bahn oder mit dem Auto von Glatz zu erreichen. Parkmöglichkeiten gibt es hier genug, um einen Platz muss man sich keine Sorgen machen.

 

Eine junge Stadt mit alten Bauten

Jahrelang war es ein bescheidenes Dorf, das in der Region keine bedeutende Rolle spielte. 1973 wurde es mit 6 anderen Dörfern zusammengeschlossen und hat die Stadtrechte erhalten. Trotzdem sind im Ort einige interessante Gebäude zu sehen. Darunter befindet sich vor allem die barocke Johanneskirche aus den Jahren 1721-1723 mit barockem Pfarrhaus aus dem Jahr 1740. An der Wolności-Straβe befindet sich ein barockes und teilweise klassizistisches Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert. Bei der Brücke über den Steinbach steht eine Nepomuk-Figur von 1711. Die interessanteste Sehenswürdigkeit steht jedoch etwas über der Stadt und ist das Ziel unserer kurzen Wanderung.

Wo immer wir auch parken, müssen wir nach dem gelben Wanderweg Ausschau halten, der unter anderem am Bahnhof vorbeiführt. An unser Ziel führt er uns in wenigen Minuten steil nach oben. Es ist ein kurzer Anstieg, aber man klettert fast 100 Meter hoch. Eine Alternative ist der langsame Aufstieg über die Zamkowa-Straβe, der den Spaziergang jedoch von 25 auf 45 Minuten verlängert.

 

Die jüngste Burg der Glatzer Grafschaft

Der 589 Meter hohe Steinberg ist der südlichste Gipfel des Heuscheeurgebirges. Oft wird er automatisch als Teil der Habelschwerdter Gebirges eingeordnet, da ihn ja vom Heuscheuergebirge die Landesstraße 8 trennt. Relevant ist hier jedoch das Holenthal, durch das die Reinerzer Weistritz fließt, und damit die Grenze zwischen den beiden Gebirgsketten bildet.

Bereits 1790 wurde hier auf Befehl des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. ein kleines Fort gebaut, das durch Major von Rauch entworfen wurde. In Friedenszeiten stationierte hier nur ein Dutzend Soldaten, und 1807 war es ganz unbesetzt, als es die Franzosen einnahmen. Die Soldaten Napoleons zerstörten die leere Festung. In den 30ern des 19. Jahrhunderts beschloss der damalige Eigentümer von Rückers, hier eine neugotische Residenz zu bauen. Die Burg Waldstein wurde durch Karl Schinkl entworfen, und in den Jahren 1831-1837 gebaut. In den kommenden Jahrzehnten gehörte es den Familien Bittner, Nostitz und Klein, bis es 1929 durch die Missionare der Heiligen Familie gekauft wurde. Die Kongregation richtete hier die Missionarsschule „Regina pacis“ ein, es wurde auch ein Kalvarienweg gebaut.
Nach 1945 wurde das Schloss nationalisiert. Heute befindet sich im Gebäude ein Pflegeheim, die Burg ist also nicht zu besichtigen. Einen Blick kann man nur in die Schlosskapelle werfen, die heute als Kirche der Muttergottes Königin des Friedens dient. Im Innern befindet sich Ausstattung aus dem Jahre 1893. Sehenswert ist vor allem der Aussichtspunkt, der sich auf einem Felsen, nicht weit von der Burg befindet. Von da ist ein wunderschönes Panorama der Stadt Rückers, sowie des Heuscheuer- und Habelschwerdter Gebirges zu sehen.

 

Łukasz Malkusz