Polen, Frankreich und Deutschland haben 1991 das „Weimarer Dreieck“ ins Leben gerufen, ein informelles Gesprächsformat, mit dem die Entwicklung Europas mitgestaltet werden sollte. Über die bis heute schwierige Zusammenarbeit sprach am 3. Mai der Politikwissenschaftler Stephen Bastos bei den deutsch-polnischen Gesprächen in Potsdam.

Am am 3. Mai war der Politikwissenschaftler Stephen Bastos (rechts) Gast bei den deutsch-polnischen Gesprächen in Potsdam. Hier mit Moderator Christian Schmidt (links).
Quelle: Christian Schmidt

 

Der frühere deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher entwickelte mit dem Umbruch in Polen und Ostdeutschland eine Gesprächsrunde zwischen Polen, Deutschland und Frankreich – Das Weimarer Dreieck. Er wollte die bewährte deutsch-französische Zusammenarbeit auf Polen ausdehnen. Die Kernidee bestand darin, mit regelmäßigen Treffen die zukünftige Entwicklung Europas zu gestalten und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern zu verbessern. „Das polnisch-deutsch-französische Gesprächsformat hat wenig formellen Rückhalt, bietet jedoch viele Chancen der Verständigung“, ist Stephen Bastos von der Stiftung Genshagen überzeugt. Tatsächlich aber werden diese zu wenig genutzt, bedauert er, denn die Zusammenarbeit ist bis heute schwierig.

 

 

Wiederbelebung?

 

Von regelmäßigen Treffen sind die Länder weit entfernt. Zuletzt sind die Außenminister von Polen, Frankreich und Deutschland im August 2016 zusammengekommen. Kurz zuvor äußerte der polnische Außenminister Witold Waszczykowski gegenüber der liberalen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ sogar, er halte das Format für erschöpft. Ganz andere Töne am 16. März 2018 in Warschau. Bei seinem Antrittsbesuch sprach sich der neue deutsche Außenminister Heiko Maas zusammen mit seinem polnischen Amtskollegen Jacek Czaputowicz für eine Wiederbelebung des Weimarer Dreiecks aus. Maas ergänzte, das Weimarer Dreieck sei ein gutes Mittel, um zu zeigen, dass die Reform der EU nicht nur ein deutsch-französisches Vorhaben sei, sondern dass sie auch im Gespräch mit den Partnern in Mittel- und Osteuropa entwickelt werde. Nur drei Tage später bekannte sich dann auch Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Ihrem Antrittsbesuch in Warschau zum Weimarer Dreieck.

 

 

Dach der Völker

 

Wie sich die  Zukunft des Formats schließlich gestaltet, hänge wesentlich von der Entwicklung Europas ab, darüber waren sich Referent und Publikum in einer anschließenden Diskussionsrunde einig. Viele sehen ein künftiges Europa als ein gemeinsames Dach der Völker, unter dem Nationalstaaten keine Rolle mehr spielen. Ein gemeinsames Dach für Polen, Deutschland und Frankreich ist das Weimarer Dreieck schon heute. Stephen Bastos wünscht sich, dass dieses Potenzial viel mehr ausgeschöpft werde.

Die deutsch-polnischen Gespräche in Potsdam, bei denen das Weimarer Dreieck diesmal Thema war, sind eine Initiative der Gesellschaft für deutsch-polnische Nachbarschaft – Sąsiedzi, die ihren Sitz in Potsdam hat, jedoch auch in Posen und Breslau präsent ist.

 

 

 

Christian Schmidt, mb

 

 

Die Stiftung Genshagen hat sich dem deutsch-französisch-polnischen Verhältnis verschrieben. Sie organisiert Veranstaltungen in Polen, Deutschland und Frankreich und steht als Ratgeber auch den Regierungen zur Verfügung. Ziel der Stiftung ist es, Europa in seiner kulturellen Vielfalt, politischen Handlungsfähigkeit, sozialen Kohärenz und wirtschaftlichen Dynamik zu stärken. Dem Kuratorium der Stiftung gehören auch Vertreter der polnischen und französischen Außenministerien an.