Welche Rolle spielt Geschichtspolitik in verschiedenen Staaten, darunter Deutschland und Polen? Wie zeigt sich Geschichtspolitik im Alltag? Wissenschaftler aus Krakau, Warschau und Kattowitz diskutierten darüber in der Oppelner Stadtbibliothek.

 

Wissenschaftler aus Krakau, Warschau und Kattowitz diskutierten in Oppeln über deutsch-polnische Geschichtspolitik.
Foto: Marie Baumgarten

 

 

Professor Klaus Ziemer, Historiker an der Warschauer Universität, unterstrich, dass Geschichtspolitik vor allem in den deutsch- polnischen Beziehungen sehr lebendig ist.
„Als ich Student war, gab es diesen Begriff nicht. Heute wird über Geschichtspolitik sowohl in Polen als auch in Deutschland laut diskutiert und er entfacht so manchen Konflikt. Die Gesellschaft erinnert immer wieder mit Jubiläen an verschiedene geschichtliche Ereignisse. Das Geschichtsbewusstsein wird auch von Medien, durch Politiker und in den Familien geschaffen. Polnische und deutsche Familien erlebten den Zweiten Weltkrieg unterschiedlich. Deshalb haben wir in der Gesellschaft solche Unterschiede der Geschichtsbetrachtung“, so Ziemer.

 

 

Die Friedrich-Ebert-Stiftung brachte unter der Redaktion von Prof. Klaus Ziemer und Joanna Andrychowicz-Skrzeba die Publikation „Jenseits der Jubiläen. Geschichtspolitik im deutsch-polnischen Alltag“ heraus. Geschichtspolitik werde von jedem Land und jeder Institution betreiben, unterstreicht Dr. Maria Kobielska von der Jagiellonen Universität Krakau.

„Wenn wir ein Mal unsere eigene Erinnerung an die Geschichte betrachten  oder uns an Geschichtsschulbücher erinnern, stellen wir fest, dass es keine neutrale  Geschichtsbetrachtung gibt. Die Gesellschaft formt eine bestimmtes Bild der Vergangenheit  für ihre Bürger und Nachbarn zu Gunsten ihrer Innen- und Außenpolitik.“

 

Zu der Debatte über Geschichtspolitik lud das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit ein.

 

Karin Niemiec

Es gibt keine neutrale  Geschichtsbetrachtung. Jede Gesellschaft formt ein bestimmtes Bild der Vergangenheit für ihre Bürger.