Die Aussicht vom Rahkogel
Foto: Łukasz Malkusz

Ausruhen kann man sich in der Berghütte „Auf dem Rauhkogel”.
Foto: Łukasz Malkusz

Er ist der höchste Berg der schlesischen Beskiden und dabei mit dem massiven Fernsehturm ein sehr charakteristischer Gipfel. Mit der Geschichte der Deutschen in Polen wird der Rauhkogel jedoch kaum identifiziert. Völlig zu unrecht – seine Spitze war in der Vorkriegszeit mit Abstand die schönste Begegnungsstätte der deutschen Minderheit in der Zweiten Polnischen Republik.

Wer diesen Berg als den populärsten in der Woiwodschaft Schlesien einstuft, wird gewiss nicht weit von der Wahrheit liegen. Der 1257 Meter hohe Gipfel ist ein ausgezeichneter Aussichtspunkt, der gleich aus fünf Richtungen zu erreichen ist.

Aufstieg aus Schirk

Am einfachsten ist er von Schirk (Szczyrk) aus zu besteigen. Aus dem bekannten Ferienort führen gleich zwei Routen – der blaue und der grüne Wanderweg schnurstracks nach Oben. Wer sich entscheidet, den Rauhkogel von hieraus zu besteigen, muss sich mit Geduld wappnen, es wird auch kein leichter Spaziergang, denn man muss sich auf eine anstrengende Wanderung vorbereiten, bei der man einen Höhenunterschied von circa 700 Metern bezwingt, mit Teilweise steilen Anstiegen. Das Bezwingen dieser Strecke dauert zweieinhalb bis drei Stunden. Es gibt aber auch eine Alternative. Wer seine Kräfte schonen will, kann einen Skilift nutzen. Der befördert uns bequem bis ganz nach Oben. Aufpassen muss man nur, wenn man Höhenangst hat, denn manchmal schwebt man dabei schon ziemlich hoch über der Erde.

Wenn man Oben ankommt, weiß man aber gleich, dass es die Mühe (oder das Geld) wert war. Ausruhen kann man sich in der Berghütte „Auf dem Rauhkogel”. Eine Ecke für sich findet man hier aber am besten in der Woche, an Wochenenden kommen nämlich tausende Touristen vorbei. Dieses Gebäude wird heute vor allem mit der Polnischen Touristischen Gesellschaft assoziiert, die es seit über 65 Jahren führt. Die Geschichte der Berghütte kann aber überraschen.

Begegnungsstätte

Sie wurde 1933 gebaut, bereits als der Rauhkogel in den Grenzen Polens war. Der einzige Vorkriegseigentümer hieß Rudolf Urbanke und war ein Beskidendeutscher. Ein Jahrzehnt lang war es ein Ort, wo zwar jeder Wanderer willkommen war, wo sich aber vor allem Mitglieder der deutschen Minderheit aus der Region trafen. Vielleicht war das nicht eine offizielle oder besonders große Begegnungsstätte, aber auf jeden Fall die mit den besten Ausblicken.

Bevor man sich nun wieder auf den Weg nach Unten macht, sollte man diesen Ausblick genießen. Der ist nämlich bei gutem Wetter einfach atemraubend. Man sieht nicht nur die Gipfel der Schlesischen Beskiden. Wenn man nach Westen blickt, ist problemlos der Kahlberg in den Schlesisch-Mährischen Beskiden zu erkennen und etwas weiter sogar der Altvater im Altvatergebirge. Im Südosten erhebt sich dafür sehr dominant der Weiberberg in den Saybuscher Beskiden und weiter die majestätische Hohe Tatra. Die Städte in den Tälern sind gewachsen, manche Dörfer geschrumpft oder sogar verschwunden. Wer aber zu den Bergspitzen hinaufblickt, sieht genau dieselben Bilder, die die Deutschen in Polen vor langen Jahrzehnten genau an diesem Fleck genossen haben.

Łukasz Malkusz