Horst Lachmann schlug im Rückenschwimmen hinter einem Japaner zwei Russen und einen Amerikaner
Foto: privat

15.000 Teilnehmer aus aller Welt reisten Mitte August nach Budapest zur Seniorenweltmeisterschaft im Schwimmen. Unter ihnen auch der 85-jährige Horst Lachmann, ein Niederschlesier aus Sprottau (Sprotawa). Zurück kam er als Vizeweltmeister.

 

Sein Alter sieht man Horst Lachmann überhaupt nicht an. Kerzengerade kommt er auf mich zu, seine gelb getönte Sport-Sonnenbrille und sein offenes, freundliches Lächeln verraten einen nicht nur sportlich aktiven, engagierten Menschen.

 

„Es war einfach überwältigend auf dem Podest in Budapest zu stehen. Mein Ziel war die Teilnahme an der Weltmeisterschaft und dann kam dieser Erfolg!“, schwärmt der Wassersportler, der erst wieder seit einem Jahr sein Schwimmtraining aufgenommen hat. „Ich bin technisch in den einzelnen Leistungen noch gut drauf und durch ehemalige Freunde aus Leipzig habe ich mich entschieden wieder an Wettkämpen teilzunehmen“, so Lachmann, der schon mit zehn und zwölf Jahren an Wettkämpfen in Sprottau, Sagan (Żagań) und Breslau teilgenommen und gut abgeschnitten hat. „Wir hatten in Sprottau ein schönes Sportbad. Dort habe ich schwimmen gelernt. Nach der Vertreibung landete ich in der Senftenberger Ecke, in der Lausitz. Dort habe ich neben Schwimmen auch bei Wasserball-Meisterschaften mitgemacht“, erinnert sich Lachmann. Später schwamm er in Potsdam, Halle und Leipzig, wo er acht Jahre lang in der Deutschen Schule für Körperkultur Wasserball und Schwimmen trainierte.

 

Kontakt zur Heimat nie abgebrochen

 

„Am Schwimmen ist ganz toll, dass man sich im Wasser wohlfühlt. Besonders jetzt in meinem 85. Lebensjahr, da habe ich auch schon mal Rückenprobleme und im Wasser fühle ich mich leichter“, erklärt Lachmann, der jetzt im Erzgebirge lebt und zum Wassersporttraining 30 km weit bis nach Freiberg fahren muss. „Dort habe ich mich vorbereitet, war bei internationalen Wettkämpfen in Goslar, Dresden und Magdeburg dabei. Mit einer Mixstaffel haben wir dreimal den deutschen Meister gemacht, und im Einzelnen habe ich zweimal Bronze-Medaillen im Freistil und in Brustschwimmen geholt“, freut sich der Schlesier, der sich nebenher durch Alpinabfahrt, Skilanglauf und Radsport fit hält. „Ich bin ganz gut drauf, habe auch Triathlon gemacht und war kürzlich mit drei Sportlern aus Sachsen als Trainer in Hawaii beim Ironman dabei. So hält man sich fit“. Und das muss er auch, denn Horst Lachmann wird gebraucht. Seit 22 Jahren organisiert er in Holzau die „Sprottauer Heimattreffen“. In diesem Jahr kamen 120 Landsleute im Erzgebirge zusammen. Auch wenn die Organisation der Treffen viel Arbeit macht, Horst Lachmann will es weiter tun: „Weil alle gerne wieder kommen und jeder erzählt von Zuhause, von der Kindheit und der Zeit, wo man noch in der alten Heimat war.“

 

Horst Lachmann schwelgt jedoch nicht nur in Erinnerungen. Zusammen mit der Familie bereiste er das Riesengebirge, besuchte mehrmals das Kulturfestival der deutschen Volksgruppe in Breslau. „Und ich bin gestern erst wieder aus Sprottau zurück. Ich besuche die Heimat regelmäßig, aber diesmal konnte ich wieder in dem Parkbad schwimmen, wo ich es einst gelernt habe. Es war unbegreiflich schön und ich bin glücklich und zufrieden, dass ich das noch erleben kann“.

 

Klaudia Kandzia