Am 14. Juli gab es in Steinort (Sztynort) am nördlichen Ende der Masurischen Seenplatte ein besonderes Richtfest. Die Erbbegräbniskapelle für die Familie von Lehndorff, bis 1945 die Besitzer des Gutes Steinort, aus dem Jahr 1855 erhielt zur Sicherung des Gebäudes ein neues, vorerst provisorisches Dach.

Erbbegräbniskapelle der Familie Lehndorff, Steinort, Richtfest
Foto: Uwe Hahnkamp

 

 

In Steinort war die Familie von Lehndorff seit dem 16. Jahrhundert ansässig. Letzter Besitzer aus der Familie war Graf Heinrich von Lehndorff, der am Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler beteiligt war und dafür mit dem Leben bezahlte. Zum Gut der Familie gehörte auch eine Halbinsel zwischen Steinort- und Labansee, auf der die Begräbniskapelle der Familie und ein Friedhof angelegt wurden.

Während Schloss Steinort nach 1945 als LPG genutzt wurde, blieb die Kapelle unbeachtet und wurde geplündert. Erhaltenswert ist sie dennoch, so Professor Wolfram Jäger, der als Ingenieur die Polnisch-Deutsche Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz berät, die Schloss und Kapelle unter ihrer Obhut hat: „Der achteckige Bau mit seiner Kuppel entstand nach Plänen von Friedrich August Stüler (1800-1865), einem damals maßgebenden Berliner Architekten.“ Die Wände sind bis heute stabil; erst vor wenigen Jahren drang wegen fehlender Dachdeckung Wasser ein und richtete erste Schäden an. Eine Nachnutzung ist also sehr gut möglich.

 

 

Erhalt, regionale Einbindung und Nachnutzung

Wie groß der Schaden am Dach war, zeigte sich bei Beginn der Arbeiten. Paul Neumann, Zimmermann von der Gesellschaft Freie Vogtländer Deutschlands und Polier bei der Notsicherung, schilderte die Situation: „Am Anfang sollte vor Ort gearbeitet werden. Der Zustand einiger Balken war aber so schlecht, dass wir entschieden, den Dachstuhl komplett abzubauen, seine etwa 140 Einzelteile auszubessern oder zu ersetzen und ihn danach neu zu errichten.“ Am 14. Juli konnte nun Wojciech Wrzecionkowski, der Vorsitzende der Stiftung, nach dem Richtspruch der Zimmerleute den letzten Nagel einschlagen.

Ohne die Hilfe regionaler Bauunternehmen und der Gemeinde Angerburg, auf deren Gebiet Steinort liegt, hätten die Arbeiten nicht durchgeführt werden können. Vizebürgermeister Andrzej Lachowicz kündigte beim Richtfest auch an, dass im Sommer Rodungsarbeiten geplant sind, um den Friedhof um die Kapelle herum freizulegen. Diese lokalen Einbindungen sind auch wichtig für die Zukunft der Gebäude.

„Die Kapelle ließe sich etwa als Seglerkapelle nutzen. Wir haben das frühere Kreuz deshalb wieder auf dem Dach angebracht“, erklärte Professor Jäger. Für Schloss Steinort ist die Lage problematischer. Zwar ist das Gebäude von oben und unten baulich gesichert, es eignet sich aber nicht als Objekt für eine private Investition. „Um eine Nutzung etwa als Hotel zu ermöglichen, müsste man im Inneren einiges unwiederbringlich zerstören“, so Professor Jäger, „und das wollen weder die Stiftung noch die Familie Lehndorff.“ Über das Nutzungskonzept des Schlosses wird also weiter zu diskutieren sein.

 

 

Uwe Hahnkamp

 

 

Finanziert wurde die Notsicherung durch Gelder aus einer privaten Spendensammlung von Professor Wolfram Jäger, Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, und Spenden der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz sowie privater Spender. Die Lehndorff-Gesellschaft Steinort e.V. ermöglichte die Anbringung des Kreuzes an der alten Stelle.

 

Sollten Sie mit Ihrer Spende die Arbeiten an Schloss Steinort unterstützen wollen, so bittet die Stiftung um Spenden auf folgendes Konto:
TU Dresden, Commerzbank AG Dresden
IBAN: DE52 8504 0000 0800 4004 00, SWIFT: COBADEFF850
Verwendungszweck: F-005303-539-000-1150301 – Prof. Jäger