Die Fotografien von Alfred Böhmer sind noch bis zum Jahresende zu sehen

Über Alfred Böhmer gibt es sogar im Internet fast gar keine Informationen. Der Oppelner Fotograf gehört zu den vergessen Gestalten Schlesiens, obwohl seine Arbeiten einen großen künstlerischen Wert haben. Jetzt erinnert ein neues Buch an ihn und seine Fotografien sind in seiner nun polnischen Heimatstadt zu sehen.

 

Unter den Liebhabern der Oppelner Geschichte – unter anderem Romuald Kulik – ist Alfred Böhmer als „Hauptmann“ bekannt. Tatsächlich war der Oppelner ein Angehöriger des preußischen Militärs. In Oppeln war er als Soldat 11 Jahre stationiert und wurde dann nach Lyck (Ełk) in Ostpreußen versetzt. Genau in diesen zwei Städten entdeckte Böhmer seine Faszination, wenn es um die Kunst des „Bildermachens“ geht. In Zeiten, wo man die Fotografie erst begann zu entdecken, zeigte Böhmer eine besondere Sensibilität – er machte Aufnahmen sowohl von Landschaften wie auch Porträts, in denen man eine besondere, melancholische Atmosphäre fühlt. Ganz besonders prägnant ist sein Foto von Oppeln, auf dem man eine neblige Landschaft und im Hintergrund den Piastenturm sieht. Nachdem er seine Bilder angefangen hat zu veröffentlichen, wurde er zu einer der bekanntesten Gestalten der fotografischen Welt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, gewann einige Preise und Fotos von ihm wurden in Publikationen veröffentlicht.

 

200 Jahre alte Fotos

 

Nachdem eine dieser Publikationen in die Hände des Geschichtsliebhabers Boguslaw Szybowski fiel, hat er sich entschlossen der Gestalt Böhmers auf den Grund zu gehen und ein eigenes Buch über diesen herauszugeben. Am 16. Oktober wurde dieses Buch in der Oppelner Woiwodschaftsbibliothek präsentiert. Dazu eröffnete man gleichzeitig auch die Ausstellung „Alfred Böhmer – Der vergessene Photograph aus Oppeln“. Noch bis Jahresende kann man in deren Rahmen die schönsten Fotos von Böhmer in Großformat sehen. Was besonders für einen Besuch spricht: Selten kann man in einer Ausstellung fast 200 Jahre alte Fotografien sehen, welche die ehemaligen deutschen Ostgebiete zeigen. Dabei handelt es sich nicht nur um Oppeln, sondern auch um den anderen Stationierungssorte von Alfred Böhmer wie z.B.Lyck.

 

Er wählte den Freitod

 

Das große Talent von Alfred Böhmer endete jedoch kläglich. Die künstlerische Sensibilität des Mannes ist offenbar kein Zufall, denn Böhmer wird eine homosexuelle Orientierung nachgesagt. Dies sei – wie Boguslaw Szybowski meint – ein Grund warum er in Lyck den Freitod während eines Sturmes wählte. Schuld daran war höchstwahrscheinlich der geistige Druck von seinen Kameraden des preußischen Militärs.

 

Łukasz Biły