Timm Ulrichs erhält den mit 12.000 Euro dotierten Käthe-Kollwitz-Preis 2020. Im Jahr seines 80. Geburtstags wird der in Berlin geborene Künstler für sein Lebenswerk gewürdigt, das für nachfolgende Künstlergenerationen bis heute Fundgrube und Inspirationsquelle ist. Die Preisverleihung und Eröffnung der Ausstellung findet am 23. Januar im Akademie-Gebäude am Hanseatenweg statt.

 

Timm Ulrichs
Foto: Bernd Schwabe in Hannover

 

Der Käthe-Kollwitz-Preis der Akademie der Künste in Berlin wird seit 1960 jährlich an bildende Künstler vergeben. Preisträger der letzten Jahre waren u.a. Hito Steyerl (2019), Adrian Piper (2018), Katharina Sieverding (2017), Edmund Kuppel (2016) und Bernard Frize (2015). Anlässlich des 60jährigen Jubiläums der Vergabe des Käthe-Kollwitz-Preises veröffentlicht die Akademie der Künste im März 2020 eine Übersicht aller Preisträger seit 1960 mit weiterführendem Material unter www.adk.de

Die Jury, bestehend aus den Akademie-Mitgliedern Ute Eskildsen, Wulf Herzogenrath und Gregor Schneider, hebt besonders hervor, dass „Timm Ulrichs fernab der Kunstzentren unermüdlich als Autodidakt seine Enzyklopädie der Ideen erfunden hat. Als selbsternannter ‚Total-Künstler’ arbeitet er in unterschiedlichsten Genres. Dabei verfolgt er mit seinem Ideenreichtum kein durchgehendes Konzept, sondern sucht Originalität in jeder einzelnen Idee. Die schiere Masse und Vielfältigkeit dieser unterschiedlichsten Einfälle sucht ihresgleichen.“ Die Jury freut sich, dass mit der Vergabe des Käthe-Kollwitz-Preis 2020 an Timm Ulrichs dessen Ideenreichtum eine längst überfällige Würdigung erfährt.

Timm Ulrichs studierte nach dem Abitur Architektur an der Technischen Hochschule in Hannover. Danach unterrichtete er als (Gast-) Professor u.a. an der Kunstakademie in Münster und an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. 1959 gründete Ulrichs die „Werbezentrale für Totalkunst, Banalismus und Extemporismus“ in Hannover, die zur Verbreitung, Entwicklung und Produktion von Totalkunst dienen sollte und erklärte sich 1961 selbst zum „ersten lebenden Kunstwerk“. Es folgten 1966 eine öffentliche „Selbstausstellung“ in Frankfurt am Main, 1969 die Gründung einer „Kunstpraxis (Sprechstunden nach Vereinbarung)“ und 1970 die erste Totalkunst-Retrospektive in Krefeld. 1977 war er mit seiner radikalen Position Teilnehmer der Documenta 6 in Kassel. Sein Œuvre umfasst konzeptuelles Arbeiten, Objektkunst, Environments, Performances, Aktionen, Multimediales und konkrete Poesie.

 

Die Namensgeberin des Preises Käthe Kollwitz wurde am 8. Juli 1867 in Königsberg (heute Kaliningrad) geboren und war Grafikerin, Malerin und Bildhauerin. Sie zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Mit ihren oft ernsten, teilweise erschreckend realistischen Lithografien, Radierungen, Kupferstichen, Holzschnitten und Plastiken, die auf persönlichen Lebensumständen und Erfahrungen basieren, entwickelte sie einen eigenständigen, Einflüsse von Expressionismus und Realismus integrierenden Kunststil. Käthe Kollwitz starb am 22. April 1945 in Moritzburg nahe Dresden.

AdK/ru