Im Innenhof (des ehemaligen Kaufmannsheims) finden sich noch wunderschöne deutsche Jugendstilinschriften.
Foto: Ruben Gallé

Am vergangenen Wochenende veranstaltete die Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft (DSKG) in Breslau ein weiteres Fotoprojekt zu deutschen Spuren in der Odermetropole. Etwa 20 Personen kamen Samstags zum Vortrag des Fotografen Michał Jakubowicz und konnten ihr neu erworbenes Wissen dann Sonntags auf drei Spaziergängen auf Praxistauglichkeit prüfen.

Nachdem im vergangenen Jahr bereits eine Karte zu einigen deutschen Spuren erstellt wurde, versucht man sich dieses Jahr bei der DSKG Breslau an Postkarten. Um möglichst schöne Motive zu erhalten und damit auch verbliebene deutsche Inschriften zu dokumentieren, wurde dank Förderung des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) das Projekt „Breslau na ścianach Wrocławia“ gestartet. Samstags wurden die Teilnehmer in einem kurzen Seminar durch den Breslauer Fotografen Michał Jakubowicz darin geschult, wie Bildkomposition funktioniert, welche Perspektiven man wählen kann und wie man Alltägliches in Szene setzt.

Ausgestattet mit diesem Fachwissen konnten die Spurensucher dann am Sonntag einen von drei Spaziergängen wählen. Startpunkte waren der Bahnhof Nadodrze, das Aleksander-Fredro-Denkmal auf dem Breslauer Ring und an der Michaeliskirche Elbing (pl. Kościół św. Michała Archanioła we Wrocławiu). Die kleinen Gruppen spazierten dann einige Stunden durch die Stadt und fotografierten zahlreiche deutsche Inschriften und hörten von den Stadtführern spannende Details zur deutschen Geschichte der Stadt.

Auch Maciej Wlazło, der die beliebte Facebook-Seite „Beard of Breslau“ (facebook.com/wroclawskabroda/) betreibt war wieder mit von der Partie und präsentierte deutsche Spuren in der Odertorvorstadt. Seine Aktivitäten und Projekte wie „Breslau na ścianach Wrocławia” erfreuen sich zunehmend großer Beliebtheit bei den Breslauern – ob Deutsche oder Polen.

Mich interessiert die spannende Geschichte der Stadt, die immer noch so deutlich spürbar ist und die wir nicht wirklich entdecken, wenn wir nur hektisch durch die Stadt laufen. Für mich war es spannend, dass wir an vielen Orten einfach anhalten konnten, wo die deutsche Geschichte der Stadt dann doch noch sichtbar ist“, sagt Projektteilnehmer Tomasz Kuc.

Im Anschluss sollen die Fotos nun ausgewertet werden und die besten vier Motive als Postkarten erscheinen. Zudem ist geplant eine kleine Ausstellung mit den gesammelten deutschen Spuren zu zeigen.

Adam Kuzniec, Mitglied der DSKG und Mitorganisator des Projekts meint: „Ein solches Projekt ist eine gute Idee und sollte immer mal wieder wiederholt werden, denn in Breslau findet man nach wie vor zahlreiche deutsche Spuren und es lohnt sich diese bei gemeinsamen Spaziergängen in netter Gesellschaft zu erkunden.“

Projekte mit Bezug zur Geschichte Breslaus wird es sicher auch in Zukunft bei der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft geben. Spannend ist vor allem, wie in Zukunft mit deutschen Spuren umgegangen wird, die im Rahmen einer Renovierung auftauchen, oder mit sichtbaren deutschen Spuren, die drohen im Rahmen einer Renovierung unterzugehen.

Ruben Gallé, ifa-Kulturmanager in der DSKG Breslau