In Polen hat es sich bereits bewährt und nun ziehen auch die Deutschen aus Russland nach. Im Projekt „Dialekte“ versuchen Sprachwissenschaftler die verschiedenen deutschen Mundarten in Russland in einem Katalog zu erfassen. Dies hilft sie nicht nur zu popularisieren, sondern auch vor dem Vergessen zu retten.

 

 

Nicht nur die Dialekte, sondern auch die Geschichte wird durch das Projekt bewahrt.
Foto: Rusdeutsch.

 

Das Projekt „Andere Sprachen“ wurde in Polen von Dr. Tomasz Wicherkiewicz Dialekte sollen gerettet werden koordiniert. Der Wissenschaftler aus Posen hat in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Minderheit in Polen eine Internetseite gestartet, auf der Audio- und Videoaufnahmen von Menschen zu finden sind, die in Polen einen besonders seltenen Dialekt sprechen. Viele von den Dialekten bezogen sich auf die deutsche Sprache. So konnte man unter anderem deutsche Dialekte ans Tageslicht bringen, die heute gar nicht mehr wahrgenommen werden. Ein Beispiel ist etwa das Alzner-Deutsche, ein deutscher Dialekt, der heute nur noch von einzelnen Personen in der Region von Bilitz-Biala (Bielsko-Biała) gesprochen wird.

 

Während es in Polen etwas still um dieses Projekt geworden ist, nimmt seine Entsprechung in Russland erst richtig Fahrt auf, mit dem Ziel, die Kultur und Sprache der Russlanddeutschen zu popularisieren sowie Platz für weitere Forschungen zu schaffen, deshalb wurde dort die Initiative „Dialekte“ gestartet. Dieses Projekt wurde von Sprachwissenschaftlern initiiert, jedoch verbindet es in gemeinsamer Arbeit auch Kulturwissenschaftler, Historiker sowie Menschen von außerhalb der Hochschulen. Ähnlich wie in Polen, konzentriert sich das Projekt auf einen Online-Auftritt, auf dem Beiträge publiziert werden, die Dialekte und ihre Nutzer präsentieren. Wichtig sind dabei Studenten, die im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Forschung Feldarbeit leisten. Zeitzeugen werden dabei besucht und interviewt. Ein bedeutendes Nebenprodukt: Hier werden nicht nur Dialekte, sondern auch Geschichten weitergegeben. Oft ist es die wichtigste Motivierung, nicht den Dialekt selber, sondern die Erinnerung an Freunde und Familie am Leben zu erhalten.

 

Die Internetseite selber beinhaltet im Moment schon einige Beiträge, ist aber vorerst nur auf Russisch zugänglich. Die Wissenschaftler sind sich bewusst, dass es mit dem Projekt noch viel Luft nach oben gibt. Da Russland ein erheblich größeres Land mit vielen Regionen ist, ist dementsprechend auch der Sprachumfang sehr hoch. Deswegen appellieren die Verantwortlichen um weitere Signale verschiedener deutscher Dialekte, die noch nicht ins Verzeichnis miteinbezogen wurden. Informationen darüber können auf dialekty.rnd@gmail.com eingesendet werden.

Mehr dazu unter https://rusdeutsch.eu/Nachrichten/4374?fbclid=IwAR0zCc7ZTGbs7d17cKLnJIYFgsztU5F-ePbKVDPgDsGzzjj3ZOFlV0nMtTM

und die russische Seite ist https://www.tomdeutsche.ru/dialects/

 

Łukasz Biły