Eurotower in Frankfurt. Foto: Florian K./Wikipedia

Eurotower in Frankfurt. Foto: Florian K./Wikipedia

Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main – oberster Währungshüter des Euro – ist bereit, das Aufkaufen von Vermögenswerten zur Stimulierung der Eurowirtschaft weiter zu verlängern. EZB-Chef Mario Draghi sagte dazu, man wolle alles Notwendige tun, um so schnell wie möglich die Inflationsdynamik zu erhöhen.

 

Sollte somit das EZB-Direktorium in seiner für den 3. Dezember geplanten Sitzung erneut Gefahren ausmachen, werde es entsprechende Maßnahmen ergreifen und alle im Rahmen seiner Befugnisse verfügbaren Register ziehen. Dennoch warnte Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank und Mitglied des EZB-Direktoriums, auf einer Pressekonferenz vergangene Woche in Frankfurt am Main vor einer weiteren Überflutung der Märkte mit frischem Geld.

 

Ineffizienter Eingriff

 

Jens Weidmann sagt: „Je länger das Nachdrucken von Geld dauert, desto geringer wird der Effekt sein und es werden dabei die Gefahren und Nebenwirkungen zunehmen. Nicht vergessen werden dürfe auch, dass die Regierenden sich in der Regel schnell an niedrige Zinssätze gewöhnen, was wiederum jegliche Reformen bremse. Zu bedenken sei zudem, dass die eingeleiteten Maßnahmen ihre Zeit brauchen, um eine Wirkung zu entfalten.“ Zur Erinnerung: Im März dieses Jahres startete die Europäische Zentralbank ein Programm der so genannten Quantitativen Lockerung (engl. Quantitative Easing, kurz: QE). Dabei werden jeden Monat Wertpapiere für 60 Millionen Euro aufgekauft und der Markt so mit Frischgeld überflutet, um die Wirtschaft des Eurolandes zu stimulieren. Ursprünglich wollte man das Programm im September 2016 beenden, doch der EZB-Präsident Mario Draghi erwägt derzeit eine Verlängerung. Zudem denkt das EZB-Direktorium daran, das Strafzinsniveau für Bankeinlagen bei der Europäischen Zentralbank neu festzusetzen.

 

Befürchtungen nehmen zu

 

Derzeit zahlen Geschäftsbanken für eine Zentralbankeinlage zum Tagesabschluss jeweils 0,2 Prozent Zinsen. Ökonomen erwarten daher eine Erhöhung der Strafzinsen durch die EZB. Laut Analysten gefährden dauerhaft niedrige Preise die Konjunktur, denn dadurch verschieben Hersteller und Verbraucher ihre Investitionspläne auf später. Im Oktober dieses Jahres lag die Inflation in der Eurozone nach Angaben des Eurostat (Statistisches Amt der Europäischen Union) über dem Vorjahresniveau und das mittelfristige Ziel der Europäischen Zentralbank ist ein stabiles Preisniveau bei einem Anstieg der Inflation auf zwei Prozent. Für den aktuellen Preisverfall seien die niedrigen Ölpreise ursächlich und zudem kurbelten sinkende Preise die Konjunktur an, dies im Gegensatz zu einem Tief, das der Vorbote einer Deflation sei, betonte Jens Weidmann. Mario Draghi wiederum wies darauf hin, dass die sogenannte Basisdeflation viel zu denken gebe. Diese bedeute übrigens Inflation abzüglich der Preise für Energie, Lebensmittel, Getränke und Tabakerzeugnisse. Ihr niedriges Niveau sei deshalb besorgniserregend.

 

Johann Engel