Mit Norbert Rasch, Mitglied des Oppelner Landtages (Sejmik), sprach Johann Engel.

 

Norbert Rasch
Foto: privat

 

Seit wann sind Sie Mitglied des Oppelner Landtages im Auftrag der deutschen Minderheit?

Zum Mitglied des Oppelner Landtages wurde ich 2005 nach dem Tod von Horst Konietzko und nachdem Ryszard Galla zum Sejmabgeordneten gewählt wurde und seine Tätigkeit im Parlament in Warschau aufnahm. Damit ergaben sich zwei Vakanzen und man musste weitere Personen von der Liste auswählen die nachrückten. Das geschah dann auch und so kam ich in den Sejmik. In der nächsten Legislaturperiode leitete ich dann bereits die Revisionskommission und in den nachfolgenden zwei Legislaturperioden war ich und bin bis heute Vorsitzender des Ausschusses für Zusammenarbeit mit dem Ausland und Förderung der Region.

 

2005 bis 2018, das ist eine recht lange Zeit – 13 Jahre. Es war eine glückliche Dreizehn, in der vieles realisiert werden konnte.

Ja, ich denke schon. Ich bin halt jemand, der gern im Team arbeitet und wenn nötig auch Kompromisse eingeht. Dadurch habe ich beispielsweise einen Anteil am Ausbau der Infrastruktur rund um das Oppelner Kraftwerk und die Ringstraße um Czarnowanz. Und ich freue mich, dass es mir in dieser Zeit mit gelungen ist, einen Flugplatzbau in Groß Stein zu blockieren. Er war eine Idee, die ich nie verwirklicht sehen wollte! Ich war von Anfang an dagegen und optierte zugleich dafür, die Schnellbahn bis nach Breslau und Kattowitz weiterzuentwickeln. Apropos Bahn, ich weiß, dass die Woiwodschaft Schlesien mittlerweile stark in die Bahnstrecke zum Flughafen investiert und das völlig zurecht, denn das sollte durchaus eine Priorität sein.

 

Eine Priorität für Sie sind auch Bäume, und zwar wegen der permanenten Abholzung in der Region Oppeln.

Ja, und ich schreibe deswegen auch ständig Interpellationen. Leider gehen Bäume nach wie vor unter, einer nach dem anderen, und dabei gibt es keine Neuanpflanzungen! Das führt dazu, dass die Region zusehends hässlich, grau und trist wird, dabei war sie bis vor kurzem noch eindeutig grün. Es ist sehr bedauerlich, dass jemand keine Lust hat zu denken oder aber es vermeiden will, sich künftig um diese Bäume zu kümmern, denn man muss sie ja u.a. stutzen und das bedeutet Arbeit und Kosten. Die Abholzung und fehlende Anpflanzungen haben auch zur Folge, dass die Woiwodschaft Oppeln immer mehr durch hübsche – baumlose – Verkehrswege geprägt ist, was ich sehr bedaure. Nicht gerade glücklich bin ich auch darüber, was mit Moschen passiert ist. Zwar hat man aus dem Schloss selbst die therapeutischen Leistungen für nervenkranke Menschen „herausgeholt” und das ist auch gut so, aber man hat es nur ein Stück weiter verlegt, praktisch hinter ein paar Bäume anstatt z.B. nach Derschau oder Bad Ziegenhals. Das Thema hat mich übrigens mit dem damals als Marschall der Woiwodschaft Oppeln fungierenden Józef Sebesta zerstritten.

 

Apropos Konflikte, Sie erinnern sich sicher, welch großes Aufsehen um Norbert Rasch Ihr Brief zum Thema Polnische Aufstände erregte. Das war ebenfalls in Ihrer Zeit als Sejmik-Mitglied.

Ja, man kann das schwerlich vergessen. Bei einer Sitzung habe ich mich damals übrigens bei denjenigen entschuldigt, die ich mit meinem Schreiben beleidigt hatte. Trotzdem haben mir die Menschen diesen Brief – und das ist mir sehr wichtig – nicht übelgenommen! Vermutlich weil wir als Deutsche Minderheit auf diese Weise gezeigt haben, dass wir in der Woiwodschaft Oppeln in Eintracht leben können, ohne irgendetwas unter den Teppich zu kehren. Und dabei zeigten wir auch, dass es zwei Optionen gibt, zwei Sichtweisen auf ein und dasselbe Thema. Das sehe ich im Rückblick auf meine 13 Jahre im Sejmik als einen Erfolg. Schade nur, dass es mich und meine Familie so viel Stress gekostet hat, aber auch so finde ich, dass es sich gelohnt hat.

 

Dennoch haben Sie dieses Jahr den Entschluss gefasst, nicht mehr zum Sejmik zu kandidieren. Was ist der Grund dafür? Weshalb wollen Sie nun nicht mehr Sejmik-Mitglied sein?

Meine Laufbahn im Sejmik begann vor 13 Jahren, als ich etwas über 30 Jahre alt war, und ich habe in dieser Zeit eine beträchtliche Erfahrung erworben. So war ich eine ganze Legislaturperiode als Fraktionschef der Deutschen Minderheit im Oppelner Sejmik tätig. Dadurch musste ich viel lernen, aber auch redlich arbeiten, um immer wieder einen Konsens zu erreichen und dabei auch viele Treffen zu initiieren. Unsere Koalitionspartner hatten nämlich keine Lust auf häufige gemeinsame Gespräche, aber ich war da eben anderer Meinung. Außerdem war ich dafür, viele Probleme auf den Koalitionstisch zu setzen, anstatt diese nur von der Position des Marschalls oder des Ratsvorsitzenden aus zu lösen. Diese Taktik kostete mich recht viel Energie und Kraft, denn immerhin war es die Deutsche Minderheit, die dabei stets die erste Geige spielen musste. Das war anstrengend und ist jetzt einer von zwei Gründen für meine Entscheidung, nicht mehr zum Oppelner Landtag zu kandidieren.

 

Und was ist der zweite Grund?
Wie man so sagt, die Katze lässt das Mausen nicht, und so habe ich mich jetzt um einem Platz im Stadtrat von Proskau beworben. Und zwar, ich möchte zum Vorsitzenden des Gemeinderates werden. Vieles hängt dabei allerdings von unserer Koalitionsfähigkeit ab, denn mittlerweile kandidieren ja verschiedene Kräfte, nicht nur die deutsche Minderheit.

 

Wer könnte Ihr Nachfolger im Rat des Oppelner Sejmik werden?

Derjenige, der genügend Vertrauen seitens der Wähler bekommt. Bei den vergangenen zwei Selbstverwaltungswahlen war ich jeweils auf Platz eins unserer Liste, jetzt wird der Oppelner SKGD-Vorsitzende Rafał Bartek die Nummer eins sein. Und ich finde, er ist ein sehr guter Kandidat, er ist arbeitsfreudig und ich würde mir deshalb sehr wünschen, dass ihm der Einzug in den Oppelner Sejmik gelingt. Ich bin umso mehr dafür, als es dort an fleißigen Menschen mangelt, die einen breiten Blick auf verschiedene Dinge haben und nicht nur darauf, dass mein Wähler von der einen oder anderen Straße einen hübschen Gehsteig oder eine neue Lampe haben möchte.

 

Welche anderen Kandidaten zum Oppelner Woiwodschaftstag neben Rafał Bartek sind es ihrer Meinung nach wert, gewählt zu werden?

Sehr viele! So zum Beispiel Hubert Kołodziej, ein Titan der Arbeit, der sich gern für die Woiwodschaft Oppeln einbringt, sei es im Kulturbereich oder im Bereich der Infrastruktur. Ich weiß, wovon ich spreche, denn vieles davon haben wir gemeinsam gemacht. In meiner Gemeinde wiederum kandidiert Aneta Lissy-Kluczny, zu der ich sehr halte, da ich weiß, dass sie es wert ist. Also vielleicht sie? Auf jeden Fall ist die Wahl groß!