Der Weiberberg gehört zu den bekanntesten und schönsten Gipfeln Polens und ist für jeden Bergwanderer ein Pflichtziel. Auch an seinen Hängen, an der Grenze der Woiwodschaft Kleinpolen und der Slowakischen Republik, sind Spuren deutscher Geschichte zu finden.

 

 

Der Gipfel des Weibergebrges, oft auch als Königin der Beskiden bezeichnet, ist nicht leicht zu erreichen, die Mühe lohnt sich aber auf jeden Fall. Foto: Łukasz Malkusz

 

Der kürzeste Weg auf die Bergspitze beginnt auf dem Lipowska Pass, wo sich ein großer Parkplatz an der Landesstraße befindet. Von hier sind es zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden bis nach oben, wohin uns der rote Wanderweg führt. Gleich am Anfang betreten wir das Gebiet des Weiberberger Nationalparks. Obwohl wir bereits auf einer Höhe von über 1000 Meter sind, sind noch über 700 Meter vor uns. Die Wanderung kann man in zwei fast gleichlange Teile aufteilen. Der erste ist ein steiler Anstieg durch die friedlichen Wälder des Parks. Man gewinnt so schnell an Höhe, dass der Wanderweg einer kilometerlangen Treppe ähnelt. Der Aufstieg zerrt an den Kräften, dafür kann man kaum falsch abbiegen – die roten Zeichen führen schnurstracks bis ans Ziel.

 

 

Steiler Anstieg

 

Die Umgebung ändert sich rapid auf etwa 1400 Metern. Wir verlassen den Wald und sind von Bergkiefern umgeben, die dann durch Heidflähen ersetzt wird. Ab 1600 Metern haben wir dann statt Gras überwiegend Felsen unter den Füßen. Der Weg verlangt Ausdauer, im Sommer sind aber keine Fähigkeiten und keine spezielle Ausstattung nötig.

Die Wanderung zum Gipfel des Weiberbergs ist zwar nicht die schwerste in unserer Ausflugsreihe, trotzdem aber nicht für jeden zu empfehlen. Leider gibt es hier auch keine Alternative, wie zum Beispiel auf dem Altvater, Hochschar oder Rauhkogel. In den Nationalpark führen kein Straßen, es wurde auch kein Skilift gebaut.

 

Von der Bergspitze bieten sich wunderschöne Ausblicke tief in die Slowakei hinein. Foto: Łukasz Malkusz

 

Wunderschöne Aussicht mit deutschen Hintergrund

 

Die Mühe lohnt sich aber auf jeden Fall, denn bei gutem Wetter sind die Ausblicke die schönsten in den Beskiden. Höher als auf den 1725 Meter hohen Gipfel geht es in Polen nur im Tatra-Gebirge. Diese Gebirgskette ist auch das interessanteste, was man von hier bei guter Sicht erblicken kann. Außerdem sind hunderte von Gipfel der Saybuscher Beskiden, der Schlesischen Beskiden und anderer Gebirgsketten zu sehen, sowie weite Teile der Slowakei, Tschechiens und Polens, darunter auch Bielitz-Biala und Krakau.

 

Heute befindet sich die einzige Berghütte der Gegend am Nordhang des Weiberberges, über 550 Meter tiefer als der Gipfel. Das war nicht immer der Fall. Im Jahre 1905 wurde nicht weit von der Spitze das Schlesinger-Schutzhaus erbaut. Das Gebäude wurde von Wilhelm Schlesinger entworfen, der Mitglied des Beskidenvereins war. Bis 1938 war diese deutsche Touristenorganisation Eigentümer der Berghütte, betrieben wurde sie dabei von einer internationalen Gruppe von Angestellten, unter der Deutsche, Polen und Ungarn waren. Leider verbrannte die Hütte im Jahre 1949, 30 Jahre später wurden die Reste ihrer Mauern niedergerissen. Heute sind nur noch Reste der Fundamente zu erkennen.

 

Łukasz Malkusz