Foto2: Waldemar Świerczek und Ehefrau Katarzyna Foto: privat.

Foto2: Waldemar Świerczek und Ehefrau Katarzyna Foto: privat.

Was ist das Rezept für eine gelungene Liebe? Das wollten wir von denjenigen wissen, die in den Strukturen der deutschen Minderheit engagiert sind. Denn gerade bei ihnen kommt die Familie manchmal zu kurz, was die Beziehung auf eine harte Probe stellen kann. Spitzenpolitiker und DFK-Vorsitzende verraten uns, wer der Partner an ihrer Seite ist und wie sie gemeinsam die Herausforderungen des Alltags meistern.

 

Henryk Hoch (Vorsitzender des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren und Stadtratsvorsitzender in Osterode) und Ehefrau Renata: Vorwürfe wegen der Minderheit hat er vom Hals

 

Bevor meine Frau und ich angefangen haben – wie man heute sagt – miteinander zu „gehen”, kannten wir uns schon lange. Das liegt wohl an der Ortschaft selbst: Osterode ist ja eine kleine Stadt, da kennt jeder jeden. Renata und ich begegneten uns immer wieder auf der Straße, wir trafen uns bei verschiedenen Anlässen, da kam es vom anfänglichen „guten Tag” schließlich soweit, dass wir nun schon zehn Jahre miteinander verheiratet sind. Ich denke, in einer Beziehung ist beiderseitiges Verständnis besonders wichtig, so dass es nicht zum Streit kommt. Gemeinsame Interessen und Ruhe sind das Rezept für eine gute Liebe. Vorwürfe wegen der deutschen Minderheit oder der Politik habe ich bei meiner Frau sozusagen vom Hals. Ich fahre nicht nur immer wieder nach Oppeln zu VdG-Sitzungen und arbeite im Stadtrat, sondern ich bin auch noch Reiseleiter und bin manchmal fast gar nicht zuhause, aber meine Frau ist verständnisvoll und das ist das Entscheidende.

 

Waldemar Świerczek (Ratiborer Kreisvorsitzender der SKGD in der Woiwodschaft Schlesien) und Ehefrau Katarzyna: Zusammen zuhause, zusammen in der Minderheit

 

Meine Frau und ich sind bereits 23 Jahre miteinander verheiratet. Kennengelernt haben wir uns in der Kirche bei einer Zusammenkunft unserer Kirchengemeinde. Am Anfang ging es recht schüchtern zu, bloß kurze Blicke, aber sobald wir ins Gespräch kamen, ging alles unglaublich schnell und wir wussten: Das ist es. Nur ein Jahr später ließen wir uns trauen. Das Rezept für eine gute Liebe ist vor allem, dass man viel Zeit miteinander verbringt, mal gemeinsam verreist oder ein Restaurant besucht, und auch für einen Blumenstrauß gibt es eine Menge Punkte. Was meine Aktivität bei der Minderheit angeht, so gehöre ich wohl zu den Glückspilzen, denn Kasia beklagt sich nicht nur überhaupt nicht, sondern im Gegenteil: Sie besucht die Veranstaltungen immer wieder zusammen mit mir und ich muss sagen, uns Beiden gefällt das sehr gut.

 

Ryszard Galla (Sejm-Abgeordneter der deutschen Minderheit) und Ehefrau Zdzisława: Eine Scheidung ist kein Thema

 

Unsere Bekanntschaft gibt es bereits – so kann man sagen – seit dem Sandkasten. Wir kannten uns seit der Kindheit und da wurde in den Jugendjahren irgendwie immer so ein bisschen miteinander geflirtet, aber so im Ernst hat es auf der Hochzeit meines Vetters angefangen, wo wir uns zusammen amüsierten. Ich war damals 21, jetzt sind wir schon 36 Jahre miteinander verheiratet und ich kann wohl inzwischen schmunzelnd sagen, dass eine Scheidung für uns kein Thema mehr ist. Die Zeit, die ich der Minderheit und der Politik widme, wirkt sich nicht negativ auf unsere Beziehung aus, und ich habe sogar den Eindruck, dass meine Frau nach all den Jahren womöglich sogar engagierter ist als ich. Wie man in einer Beziehung Probleme vermeidet, ist etwas schwierig zu sagen, denn es gibt, wie man so sagt, verschiedene Arzneien für verschiedene Krankheiten. Ich denke, es ist wichtig, dass die Charaktere sich gegenseitig ergänzen und dass bei Unstimmigkeiten immer die Vernunft obsiegt. Ein guter Kompromiss ist grundlegend im Leben, also auch in einer Beziehung.

 

Foto1: Zuzanna und Andrzej Kasiura mit Familie Foto: privat.

Foto1: Zuzanna und Andrzej Kasiura mit Familie Foto: privat.

Zuzanna Donath-Kasiura (Vorstandsmitglied bei der SKGD im Oppelner Schlesien) und Ehemann Andrzej (Bürgermeister von Krappitz): Das Wichtigste ist, miteinander zu reden

 

Wie ich meinen Mann kennen gelernt habe? Es war auf einer Party meiner Freundin, die unsere gemeinsame Bekannt war. Andrzej hatte mir sofort gefallen, aber bis zur Heirat dauerte es noch eine Weile, und zwar 3,5 Jahre. Seither sind schon 22 Jahre verflossen. Natürlich ist die Zeit für die Familie etwas knapp, denn ich bin in der Minderheit aktiv und er verwaltet ja die gesamte Gemeinde Krappitz. Das ist aber wohl doch nur eine Frage des Zeitmanagements. Wenn man Kinder hat, muss man sowohl füreinander, als auch für sie Zeit finden. Grundlegend in einer Beziehung ist es vor allem, dass man miteinander redet. Beiderseitiges Verständnis und Vertrauen sowie positive Kommunikation ist wohl der beste Ratschlag, den man zwei verliebten Menschen geben kann.

 

 

 

Martin Lippa (SKGD-Vorsitzender in der Woiwodschaft Schlesien) und Ehefrau Jadwiga: Eine Liebe auf den zweiten Blick

 

Ich lernte meine Frau noch in der Oberschule kennen und man kann sagen, es war eine Liebe auf den zweiten Blick, denn erst ein Jahr nach Beginn unserer Bekanntschaft wurden wir ein Paar. Jetzt sind wir bereits seit 26 Jahren miteinander verheiratet. Ich gebe ehrlich zu, dass meine Frau sich manchmal schon wegen meiner Tätigkeit bei der Minderheit beschwert, insbesondere wenn es um Familienfeste geht und ich gerade bei Wochenendprojekten mitmachen muss. Zum Glück sind unsere Kinder bereits erwachsen, da fällt es mir jetzt leichter, das alles unter einen Hut zu bringen. Die Grundlage einer gelungenen Beziehung ist beiderseitige Unterstützung, Verständnis sowie die Fähigkeit, Kompromisse zu finden und sich gegenseitig entgegenzukommen.

 

 

Teresa Jasik, 42, (Vorsitzende des DFK Pietna) und ihr Mann Gerard, 50:

 

Wir haben uns in der Disco kennengelernt, das war 1990. Sie spielten Modern Talking und Gerard hat mich zum Tanz aufgefordert. Zwei Jahren danach kam der Heiratsantrag und kurz darauf unsere beiden Töchter. Aber bevor es soweit war, musste er mich noch einige Male zum Tanz bitten. „Ich habe so lange auf dich gewartet“, hat er mir gesagt, als er mir den Antrag machte. Das war so romantisch!

 

Bis heute bin ich überglücklich, dass ich meinen Mann habe. Dass wir gemeinsam im DFK tätig sind, verbindet uns. Doch das Wichtigste ist: Alles läuft so gut zwischen uns, weil mein Mann ein wirklich guter Mensch ist.

 

Foto: Gerard und Dorota Wons aus Zembowitz

Foto: Gerard und Dorota Wons aus Zembowitz

Gerard Wons, 62, (Gemeindevorsitzender Zembowitz) mit Frau Dorota, 62

 

Die Geschichte zwischen meiner Frau und mir begann im Lyzeum. Wir gingen in die selbe Klasse und haben jeden Tag gemeinsam auf den Schulbus gewartet. Fast zehn Jahre später kam die Hochzeit, doch bevor es soweit war, haben sich unsere Wege erst einmal getrennt – Dorota ging nach Oppeln, ich nach Posen. Der Zufall hat uns in Zembowitz wieder zusammengeführt. Dorota hat dort an der Schule als Polnischlehrerin angefangen, und ich kam zu dieser Zeit aus Posen zurück. Nach der Wende war ich in der gleichen Schule einer der ersten Deutschlehrer – wir waren also beruflich eng verbunden. Wir teilen aber auch privat viele Interessen, ganz oben steht für uns die Heimatgeschichte, deshalb sind wir beide in unserem DFK aktiv und auch bei Seniorenprogrammen. Für das gemeinsame Glück sind gemeinsame Interessen eine gute Voraussetzung. Genauso wichtig ist, den Partner zu verstehen, zu respektieren und nicht aufeinander eifersüchtig zu sein. Unser jüngster Sohn wird demnächst heiraten. Ich wünsche ihm, dass ihm das alles gelingt!