Sie war eine der bedeutendsten Sopranistinnen des 20. Jahrhunderts. Zeit ihres Lebens stand sie in 39 Rollen, in 37 verschiedenen Opern an fast 800 Abenden auf der Bühne. Sie war Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper und wurde mit den höchsten Auszeichnungen der Republik Österreich geehrt. Nun ist Hilde Zadek im Alter von 101 Jahren gestorben.

 

Der Intendant des Wiener Musikvereins, Dr. Thomas Angyan, ehrt am 12. April 2015 Hilde Zadek, die Namensgeberin für den „Zadek-Gesangswettbewerb“.
Foto: Franz Johann Morgenbesser

 

 

Wie die Wiener Staatsoper bekanntgab, starb am 21. Februar in Karlsruhe die deutsch-österreichische Sopranistin Hilde Zadek. „Mit ihr hat uns nun eine weitere Staatsopernikone des 20. Jahrhunderts verlassen, eine bedeutende Künstlerin, (…) eine legendäre Pädagogin, die Generationen prägte“, sagte der Direktor der Wiener Staatsoper Dominique Meyer.

Hilde Zadek kam am 15. Dezember 1917 als Tochter eines jüdischen Kaufmanns in Bromberg (Bydgoszcz) in der damals preußischen Provinz Posen zur Welt. Ihre Kindheit und Jugendzeit verlebte Hilde Zadek in Stettin und ließ sich zunächst in Berlin als Kinderkrankenschwester ausbilden. 1935 musste sie Deutschland wegen der nationalsozialistischen Verfolgung verlassen und wanderte nach Palästina aus. Am Konservatorium in Jerusalem absolvierte sie eine Musik- und Gesangsausbildung, die sie mit Auszeichnung abschloss. Bei einem Stipendiatenaufenthalt 1945 in Zürich wurde auf Hilde Zadek der Direktor der Wiener Staatsoper Franz Salmhofer aufmerksam. An der Wiener Staatsoper hatte Hilde Zadek am 3. Februar 1947 als „Aida“ in der gleichnamigen Oper von Giuseppe Verdi ihr Debüt. Ihren großen Durchbruch feierte sie 1951 mit Gian Carlo Menottis „Konsul“ und über Nacht wird sie „die Zadek“ und wenig später die österreichische Kammersängerin schlechthin. Zwischen 1947 und 1971 sang Hilde Zadek in 39 Rollen in 37 verschiedenen Opern und hatte an der Mailänder Scala, an der New Yorker Met, am Opernhaus Covent Garden in London, im Moskau und in vielen anderen Städten ihre Auftritte mit einem Repertoire von 60 Partien.

1971 verabschiedete sich Hilde Zadek von der Bühne, war als Gesangslehrerin tätig und leitete u.a. bis 1978 die Gesangsabteilung am Konservatorium der Stadt Wien. Ihr Credo hieß: „Singen bedeutet, einfach sich öffnen.“ Aus Zadeks Schule gingen zahlreiche Opern- und Konzertsängerinnen und -sänger hervor. Der „Internationale Hilde-Zadek-Gesangswettbewerb“, der nach ihr benannt wurde, findet alle zwei Jahre statt – durchgeführt in Zusammenarbeit mit der „Hildegard Zadek Stiftung“, die hochbegabte Sängerinnen und Sänger fördert, und der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

 

Johannes Rasim