Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

Sunday, August 14, 2022

Ein Brandenburger Polizist und seine Liebe zu Polen

„Mit Polen auf du und du“ ist ein neues Podcast-Format im Internet. Kopf der Sendung ist Christian Schmidt. Mit dem Potsdamer Polizisten sprach Marie Baumgarten.

 

Im Büro des Gesandten der Deutschen Botschaft, Knut Abraham und der Vorsitzende der GdpN-Sąsiedzi e.V. Christian Schmidt, nach einem Gesprächstermin.
Foto: privat

 

 

Herr Schmidt, Sie als Polizist in Potsdam – Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen deutscher und polnischer Polizei?

Ich bin nicht in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Polizei tätig, aber was ich wahrnehme ist, dass sie sehr gut läuft, zumindest in Brandenburg. Das Land konnte in der Grenzregion die Kriminalitätsrate senken.

 

Sie pflegen in Polen freundschaftliche Beziehungen. Einige sind auf beruflichem Wege entstanden, obwohl Sie nicht in der Grenzregiontätig sind. Wie kam das?

Mit einer Gruppe Cottbuser Polizisten habe ich viele Jahre lang über die „International Police Association“ Polen besucht, ich kenne fast jede Woiwodschaft. Wir haben uns sowohl die großen Polizeipräsidien als auch die kleinen Polizeidienststellen angeschaut und uns mit den Führungskräften unterhalten. Abends haben wir zusammen ein Bier getrunken. Daraus hat sich eine gute Bekanntschaft entwickelt, wir halten immer noch Kontakt.

 

Man kann durchaus sagen, dass Sie mit Polen eine Liebe verbindet. Sie findet Ausdruck in Ihrem Podcast „Mit Polen auf du und du“. Seit September 2019 sprechen Sie darin über die bunten Facetten des Landes an der Weichsel. Was erfahren wir Neues?

Wer kennt eigentlich den Koalitionsvertrag der aktuellen Landesregierung Brandenburgs? Ich habe ihn mir angeschaut und finde ihn dahin gehend interessant, als dass Polen sehr viel Platz darin einnimmt. So viel wie noch nie zuvor.

 

Woran liegt das?

Daran, dass beispielsweise die SPD Brandenburg einen starken Arbeitskreis „Polen“ hat, der viele Akteure aus diesem Bereich vereinigt und sich intensiv mit dem Thema Polen auseinandersetzt. Aber auch daran, dass parteiübergreifend die Beziehungen zu unserem größten Nachbarn bei den Parteien in Brandenburg mehr Anerkennung gefunden haben.

 

Ein anderes spannendes Podcast-Thema: Mit dem Kommunikationstrainer Erik Melchior spreche ich über interkulturelle Kompetenz im deutsch-polnischen Bereich. Was darf man machen, was nicht. Oder wie flirtet man in Deutschland und wie in Polen?

Wie flirtet man denn diesseits und jenseits der Oder?

Es ist gar nicht die Frage des „Wie“. Es geht vielmehr um die Bedeutung eines Flirts. In Deutschland zielt ein Flirt häufig auf „mehr“ ab. In Polen drückt man damit aus, dass man mit dem Gesprächspartner eine angenehme Zeit hat. Das kann schnell zu Missverständnissen führen, weil die Erwartungshaltung von Deutschen und Polen eine andere ist. Das ist die Kurzfassung. Alle, die mehr wissen wollen, lade ich ein, die Sendung zu hören.

 

Sie produzieren aber nicht nur den Podcast.

Das ist richtig. Viel Zeit widme ich meinem 2013 gegründeten Verein „Gesellschaft für Deutsch-Polnische Nachbarschaft – Sasiedzi.ev“. Einmal im Monat lade ich Gäste aus Kunst, Kultur, Bildung und Politik nach Potsdam ein, um über – natürlich – Polen zu sprechen. Mitschnitte davon sind auch in meinen Podcasts zu finden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen in Deutschland immer noch zu wenig über Polen wissen. Das möchte ich ändern.

 

Ihr Verein ist auch in den sozialen Netzwerken aktiv.

Jeden Morgen während des Frühstücks habe ich ein festes Ritual. Ich durchsuche die deutschen und polnischen Medien und poste interessante Artikel, in denen es sowohl um aktuelle als auch geschichtliche Themen geht, die Polen betreffen. Mir ist wichtig, viele Perspektiven zu zeigen und von einer einseitigen Berichterstattung, wie wir sie teilweise in den deutschen Medien erleben, wegzukommen.

 

Das kostet Zeit und ist mit nicht wenig Aufwand verbunden. Wer unterstützt Sie?

Der zeitliche Aufwand ist das Geringste. Um die Finanzen steht es schwierig. Da wir keinen polnischen Partner haben – denn die Idee des Vereins ist es, dass sich Polen und Deutsche in ihm vereinen – können viele Projekte nicht aus öffentlichen Geldern gefördert werden. Grundlage für Förderungen sind aber zumeist Partner auf deutscher und polnischer Seite. Das ist schade und wir suchen noch nach einer Lösung für dieses Problem.

 

Ein Erfolg war dennoch der „Polnische Abend“ in Potsdam, den Sie kürzlich veranstaltet haben.

Die Idee war, das Intellektuelle mit dem Spaß zu verbinden. Der Oppelner Schriftsteller Tadeusz Różycki hat aus seinem Buch gelesen, danach ging es weiter mit Musik und Tanz. Polnischer Disco-Polo, aber auch Deutschsprachiges für die Gäste aus Polen – damit der Austausch auch in die andere Richtung funktioniert. Dazu gab es polnisches Essen wie Barszcz, Bigos und Piroggen. Ein Besucher aus Polen hat uns ein großes Lob ausgesprochen. Er habe die besten Piroggen seines Lebens gegessen, selbst seine Oma habe keine besseren gemacht. Dafür haben wir unter anderem Unterstützung von der Stadt bekommen und dem „Opole Klub“.

 

Was macht der „Opole Klub“?

Er gehört zur Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft. Es gibt ihn meines Wissens schon sehr lange hier. Er pflegt die Städtepartnerschaft zwischen Potsdam und Oppeln. Seine Mitglieder besuchen häufig die Woiwodschaftshauptstadt, aber Oppelner sind auch regelmäßig beim Potsdamer Sternenmarkt, der jeden Dezember stattfindet.

 

Sie sind noch immer viel in Polen unterwegs. Vor Kurzem waren Sie Gast in einer Schule in einem Warschauer Vorort.

Zusammen mit der deutschen Botschaft habe ich über zivilgesellschaftliches Engagement gesprochen, ob man sich beispielsweise für „Fridays for Future“ engagieren sollte. Die Schüler waren sehr interessiert und wollten noch viel mehr erfahren. Zum Beispiel, ob sie als Polen auch bei der Polizei in Deutschland eine Arbeit bekommen können.

 

Und können Sie?

Wenn Sie sehr gut Deutsch sprechen, dann ist das natürlich möglich. Eine perfekte Motivation also, Deutsch zu lernen.

 

Was kann man sich in Deutschland – in jeglicher Hinsicht – von Polen abgucken?

Die polnische Gastfreundschaft ist viel gelobt, und das zu Recht. Als Fremder wird man mit großer Herzlichkeit aufgenommen. Das vermisse ich manchmal in Deutschland. Und es täte uns hier gut, es öfter einmal auf die polnische Art angehen zu lassen, nämlich: „Das wird schon!“

 

 

Das Audio-Format „Mit Polen auf du und du“ kann man im Internet hören unter Podcast.de. Mehr Informationen über den Verein gibt es auf https://gdpn-sasiedzi.org.

Show More