Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, January 22, 2022

Ein Mann voller Elan und Energie – Zum Tod von Bruno Kosak

Bruno Kosak (1936 – 2019)
Foto: M. Baumgarten

 

Es gab wohl kein Amt, das Bruno Kosak nicht übernommen hat. Abgeordneter im polnischen Sejm war eines davon. Doch Erfüllung fand Kosak nicht bei der Arbeit in Warschau, sondern in seiner Heimat Schlesien, im Lubowitzer Eichendorff-Zentrum. Heute in der Nacht (5. November) ist Bruno Kosak im Alter von 83 Jahren gestorben.

 

Zu Hause – das war und blieb für Bruno Kosak immer Schlesien. Und untrennbar damit verbunden war auch der Dichter Joseph von Eichendorff sowie die Schlossruine in Lubowitz und das nahe gelegene Eichendorff-Begegnungszentrum. Als Chef des Eichendorff-Vereins gab es für Kosak, der am 16. Juni 1936 im unweit gelegenen Eichendorffmühl (Brzeźnica) geboren wurde, immer was zu tun. Aber nicht nur da hatte er sich engagiert. “Er hat viele Initiativen der deutschen Minderheit, viele Vereine unterstützt und ihre Arbeit mit seiner Energie und seinem Elan beflügelt”, erinnert sich Rafał Bartek, Vorsitzender der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien. So engagierte sich der ehemalige Sportlehrer und Schuldirektor aus Kandrzin-Cosel nicht nur in der SKGD selbst, in deren Vorständen er Mitglied und stellvertretender Vorsitzender gewesen ist sowie im Verband deutscher Gesellschaften. Sein Interesse galt u.a. auch dem Verein deutscher Hochschüler sowie der Deutschen Bildungsgesellschaft, deren Gründungsmitglied und später Vorsitzender er gewesen ist. In Cosel-Rogau gründete er außerdem eine Minderheitenschule mit, die seit dem Jahr 2015 Goethe-Schule heißt.

 

Dabei bedrückte ihn aber immer eines – der zunehmende Verlust der deutschen Sprache in den oberschlesischen Familien, der seiner Meinung nach auf ein Desinteresse als Resultat von mangelndem Nationalstolz zurück zu führen sei. Diesen hatte er nie verloren, auch wenn er nach 1945 nun nicht mehr Bruno Kosak, sondern Brunon Kozak heißen musste und die deutsche Sprache von da an öffentlich verpönt gewesen ist.

Im Jahr 2016 sendete das Schlesien Journal ein Protrait Bruno Kosaks zu dessen 80. Geburtstag:

 

 

 

So war es auch nur natürlich, dass sich Kosak Ende der 80er Jahre bei der Gründung der Organisation der deutschen Minderheit beteiligt hatte. “Er gehörte ebenfalls zu den Männern der ersten Stunde und war, was man nicht vergessen darf, Sejmabgeordneter der Minderheit in der ersten Legislaturperiode”, sagt Rafał Bartek. Zwischen 1998 und 2010 saß er dann im Oppelner Regionalparlament (Sejmik) für die deutsche Minderheit und machte sich dort einen Namen als Mann des Dialogs. “Bruno Kosak lernte ich im Jahr 2006 kennen, als ich zum ersten Mal in den Sejmik gewählt wurde. Er war damals seine dritte Amtsperiode und er wurde gerade zum Vorsitzenden des Ausschusses für die Auslandszusammenarbeit gewählt. Mir dagegen übertrugen die Räte die Leitung des Ausschusses für Regionalpolitik, Wirtschaft und Tourismus. Und da konnte ich auf die Hilfe von Bruno Kosak zählen, der mir half sich in den Wirren der Sejmikarbeit zurecht zu finden und mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Das wichtigste aber ist, er hat immer erst zugehört und war immer darauf eingestellt, die Meinung des anderen zu erfahren. Er war ein wirklicher Mann des Dialogs”, sagt Andrzej Buła, Marschall der Wowiodschaft Oppeln.

 

Auch in der Deutschen Minderheit war Bruno Kosak immer ein Mann, der den Dialog suchte, auch wenn er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hielt. “Das führte nicht selten zu kleineren oder größeren Streitigkeiten mit der jeweiligen Führung der Gesellschaft. Aber aus diesen Diskussionen sind oft neue Wege, neue Ideen entstanden. Ich muss also wirklich sagen, ohne Bruno Kosak und seinen unermüdlichen Einsatz stünde die Oppelner SKGD heute nicht da, wo sie ist”, sagt Rafał Bartek.

Im Jahr 2016 erhielt Bruno Kosal in Anerkennung seiner Leitungen das Bundesverdienstkreuz.

 

Rudolf Urban

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