Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, December 6, 2021

Ein sommerlicher Ausflug in die Vergangenheit

 

Auf die „Spuren des Lebens im ehemaligen Ostpreußen“ lockte am 19. September der Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, VdGEM.
20 Jugendliche aus der Region waren dabei. Der spätsommerliche Tagesausflug führte die Gruppe nach Hohenstein mit seinem Freilichtmuseum und nach Osterode.

 

Freilichtmuseum Hohenstein – die Gruppe vor der Kirche

 

 

Wer an der Grenze wohnt, ist lange unterwegs. Diese Erfahrung machten einige junge Mitglieder der deutschen Gesellschaften in Bartenstein und Landsberg, nahe der Grenze zum Königsberger Gebiet. Ein Kleinbus sammelte sie und weitere Jugendliche aus Allenstein und Osterode ein und brachte sie nach Hohenstein, wo sie mehr über ihre Wurzeln erfahren wollten. Begleitet wurden sie auf ihrer Suche von Henryk Hoch, dem Vorsitzenden des VdGEM sowie von Wiesław Küchmeister aus der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Tannen“ in Osterode.

 

 

Der erste Nobelpreisträger für Medizin, ein Löwe und 100-jährige Bauernhäuser

In Hohenstein erwartete alle Teilnehmer ein dicht gedrängtes Programm: Den Anfang machte die frühere Burg, die später und bis heute eine Schule ist und die seinerzeit auch der Medizin-Nobelpreisträger Emil Behring besuchte. Danach wurde das alte Pfarrhaus, das einst Christoph Mrongovius beherbergte, besichtigt. Und schließlich auch der renovierte Wasserturm mit seiner Aussichtsplattform. Niko Prusinowksi aus Osterode war begeistert: „Wir hatten einen sehr guten Überblick über die Stadt und das Umland, vor allem bei diesem sonnigen Wetter.“ Auch das Rathaus, das nach der Beschädigung im Ersten Weltkrieg 1923 wiederaufgebaut wurde, beeindruckte die Teilnehmer, so etwa Paweł Urbański aus Bartenstein: „Bei uns gibt es nur noch Grundmauern, das ist schade. Besonders aber hat mir der Löwe davor gefallen.“ Dieses Raubtier aus einem Granitblock stand früher auf einem Ehrenmal nahe des Tannenbergdenkmals und wurde 1993 auf dem Hohensteiner Marktplatz wieder aufgestellt.

 

Zweiter Haltepunkt war das einst in Königsberg entstandene Freilichtmuseum mit seiner Ansammlung von Bauernhäusern. Mateusz Bamburak aus Bartenstein war als einer der wenigen schon einmal hier gewesen: „Das war früher, mit der Familie. Es ist sehr interessant, die damalige Lebensweise zu sehen, vor allem die Kutschen und Schlitten.“ Niko Prusinowski war von der Schule begeistert: „Man spürt sogar noch die Atmosphäre, wie streng das damals im Vergleich zu heute war.“ Amelia Czaban aus Allenstein hatte mehr ein Auge auf die Gerätschaften geworfen: „Ich interessiere mich für Geschichte, wie unsere Großeltern lebten vor über 100 Jahren und wie der Haushalt, aber auch die Ställe, damals aussahen.“
Der Ausflug endete in Osterode, wo die jungen Menschen noch den Brunnen der Europäischen Einheit (der frühere Dreikaiserbrunnen) und das Deutsche Haus, den Sitz der dortigen deutschen Minderheit, kennenlernten.

 

Freilichtmuseum Hohenstein – die Gruppe vor der Kirche

Die organisatorische Leitung des Ausflugs, der vom deutschen Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, dem VdGEM und dem Verband der deutschen sozialkulturellen Gesellschaften in Polen gefördert wurde, lag kompetent in den Händen der Büroleiterin des VdGEM, Marta Mularczyk.

 

Text und Foto: Uwe Hahnkamp

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