Im Reichenberger Gebirge, dass die historische Grenze zwischen der Grafschaft Glatz und Schlesien bildet, finden wir so manche Gipfel, die über 1000 Meter hoch sind. Die besten Aussichten in dieser Gebirgskette bietet jedoch eine Spitze, die deutlich niedriger ist.

 

Der Heidelberg bietet interessante Ausblicke, unter anderem auf das Massiv des Glatzer Schneeberges.
Foto: Łukasz Malkusz

 

Für den Anfang unserer Wanderung haben wir diesmal gleich zwei Vorschläge. Beide sind eine wenige Minuten lange Autofahrt von Bad Landeck (Lądek-Zdrój) entfernt. Es handelt sich um den Landecker Pass und den Rosenkranzpass. Bei beiden erwartet uns ein steiler, etwa einstündiger Aufstieg nach oben.

 

Vergessene Gegend bei Landeck

Der erste ist etwas einfacher zu erreichen und bietet bessere Parkmöglichkeiten, der zweite ist etwas für diejenigen, die mehr Ruhe und Stille suchen. Beide befinden sich auch in einer Gegend, die Jahrhundertelang eine ruhige, abgelegene Ecke an der Grenze Schlesiens bildete. Das war bis zum Ende des 18. und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Fall.
Beide Ausgangspunkte haben auch eine interessante Geschichte. Der Landecker Pass wurde zum ersten Mal 1766 benutzt, als der preußische König Friedrich II hier entlang zwei Divisionen führte. Der Rosenkranzpass wurde hingegen 1790 durch Johann Wolfgang von Goethe besucht, der von Reichenstein (Złoty Stok) nach Landeck reiste. Egal welchen wir nun als Startplatz auswählen, es geht etwa 300 Meter nach oben. Die Mühe lohnt sich jedoch auf jeden Fall.

 

Der 25 Meter hohe Aussichtsturm wurde im Jahre 2006 gebaut
Foto: Łukasz Malkusz

Deutsche Geschichte auf 900 Metern

Der Gipfel des Heidelbergs war bereits im 18. Jahrhundert unter Touristen bekannt. Der erste hölzerne Aussichtsturm wurde hier im Jahre 1870 durch den deutschen Glatzer Gebirgsverein erbaut. Dieser übernahm in den Dreißigern von der Försterei aus Landeck auch eine Berghütte, die später „Belvedere“ genannt wurde. Die ganze Region war unter Wanderern sehr populär, Unterkunft konnte man auch in zahlreichen Bauernhöfen finden. Aktiv war hier jedoch auch der Mährisch-Schlesische-Sudeten-Gebirgsverein aus Freiwaldau (Jesenik). Seine Mitglieder errichteten hier 1929 die Heidelkoppenbaude, die bis 1941 in Betrieb war. Ihr erster Leiter war der pensionierte Lehrer Rudolf Moche. Mehrmaliger Gast der Berghütte war der deutsche Schriftsteller Paul Keller.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Heidelberg vergessen. Die Gegend wurde sehr selten besucht, was unter anderem Mitglieder der polnischen und tschechischen Opposition nutzten, um sich hier zu treffen. Im Jahre 2006 wurde ein neuer, 25 Meter hoher Aussichtsturm gebaut. Er bietet eine wunderschöne Panoramasicht der Sudeten, vom Riesengebirge im Westen bis zum Oppagebirge im Osten. Nachts kann man von hier Lichter vieler schlesischen Städte sehen, unter anderem die von Breslau. Der Turm ist Tag und Nacht geöffnet und da der Weg auf den Gipfel relativ kurz ist, bildet er einen idealen Aussichtspunkt für Sonnenauf- und -untergänge.

 

 

Łukasz Malkusz