Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, January 22, 2022

Einzigartiger Schatz konserviert

 

Die über 600 Jahre alte evangelisch-augsburgische Kirche in Passenheim konnte in den letzten Jahren schrittweise renoviert werden. 2019 ging es um die Innenausstattung der Kirche, um einen Schatz von besonderem Wert. Nämlich um die historischen Tafeln zum Anzeigen der Nummern der Lieder im Gottesdienst. Mit Pastor Witold Twardzik, Propst der Gemeinde Passenheim, sprach Uwe Hahnkamp.

 

Pfarrer Witold Twardzik mit einem Fragment der Tafel.
Foto: Uwe Hahnkamp

 

Herr Pastor, was macht die Liedertafeln besonders?

Liedertafeln sind ein charakteristisches Element der Innenausstattung evangelischer Kirchen. Es gibt dennoch nicht viele dieser Tafeln in der hiesigen Region. In unserer Kirche in Passenheim haben sich 11 alte, historische, mit der Geschichte der Stadt verbundene Tafeln oder ihre Elemente vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten.

Sie entstanden zum einen in einer kleinen handwerklichen Werkstatt direkt in der Stadt Passenheim, sind aber zum anderen in ihrer einfachen Form ein Beispiel für die authentische Ausstattung einer Kirche. Einzigartig sind sie auch dadurch, dass beinahe alle von den Passenheimer Handwerkszünften gestiftet wurden und somit eine Spur der Geschichte der Stadt in der Kirche hinterlassen. Viele dieser Tafeln waren übermalt, auf vielen davon konnte man die Namen der Stifter nicht mehr lesen, doch dank der Arbeiten der Konservatoren und der Forschung in historischen Dokumenten wissen wir, wer diese Tafeln in welchem Jahrhundert gestiftet hat.

 

Wie alt ist das älteste Element einer Liedertafel?

Das älteste Element aus dem 17. Jahrhundert ist datiert vom Jahr 1607 und stammt von einer Tafel im manieristischen Stil. Dazu gibt es keine Angabe eines Stifters, sie ist nur deswegen von Bedeutung, weil sie den Tatareneinfall von 1657 und den großen Brand der Stadt Passenheim 1750 überstanden hat. Die meisten anderen Stücke stammen aus dem 18. Jahrhundert oder vom Beginn des 19. Jahrhunderts, nachdem die letzten Brandschäden an der Kirche behoben worden waren.

 

Welche Zünfte haben denn Tafeln für die Nummern der Lieder gestiftet?

Wir haben hier zum Beispiel kleinere Elemente mit den Zunftsymbolen der Kürschner und der Schmiede. Die Schmiede waren mit dem Entwurf ihrer Tafel im Jahr 1777 anscheinend nicht zufrieden. Auf der Rückseite des Fragments sieht man die Skizzen der Idee des Künstlers, die Vorderseite mit der endgültigen Version und der Aufschrift „Soli deo gloria“ –„Gott allein die Ehr“ zeigt bereits die Jahreszahl 1778. Vollständig sind drei Tafeln erhalten, unter anderem die von der durch einen Michael Osalinus repräsentierten Zunft der Tischler, eine 1796 gestiftete, relativ einfache Tafel.

 

Welches sind denn die wichtigsten Tafeln?

Die eine, gestiftet 1805, erhält ihre Bedeutung durch die Wichtigkeit der Zunft. Die größte der Zünfte in Passenheim war die der Schneider. Die Namen der vier Stifter waren schwer zu lesen. Dank der Unterlagen in den Archiven und der Hilfe von Freunden aus Deutschland haben wir die Namen Michael Goray (das war der Zunftmeister), J. Loma, Andreas Rafallsky und Jakob Gernsa entziffert. Anlass für die Stiftung war das Jubiläum des 50-jährigen Bestehens der im Jahr 175 gegründeten Gilde.

Das wertvollste Stück, reich geschmückt und vergoldet, wurde 1788 vom Losbäcker Johann Jakob Szepanek gestiftet. Ein Losbäcker ist ein Bäcker für feine Backwaren, heute würde man vermutlich Konditor dazu sagen. Johann Jakob Szepanek stammte aus Passenheim, wanderte aber nach Königsberg aus, wo sein Geschäft anscheinend so gut florierte, dass er der Kirche, in der er getauft und konfirmiert wurde, diese Tafel stiften konnte. Die Tafel trägt eine Aufschrift „Vor der Predigt“ und darunter viel Platz für die Nummern der Lieder, aber so viele Lieder wurden sicher nicht vor der Predigt gesungen.

 

 

Kurz nach dem Jubiläum der Schneider kamen die napoleonischen Kriege. Im Februar 1807 war Napoleon sogar im Passenheimer Pfarrhaus einquartiert. 1868 gab es einen großer Brand, später die Weltkriege. Sieht man diese Schicksale auch an den Liedertafeln?

Ja, eine kleine Einzelheit haben wir und die Konservatoren an der vergoldeten Tafel bewusst so gelassen. Auf ihr ist nämlich ein Einschussloch erhalten, wo während eines Feuergefechts eine Kugel eingeschlagen hat. Wann, das wissen wir nicht, aber ähnlich, wie die Einwohner Passenheims sowohl ruhige, als auch schwierige Jahre erlebt haben, ging es ebenso unserer Kirche. Es ist daher kein Wunder, dass es noch eine relativ schmucklose Tafel gibt, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gestiftet wurde, als Dank dafür, dass endlich Frieden eingekehrt ist.

 

 

Zuletzt gab es umfangreiche Konservierungsarbeiten an den Kirchen Ihrer Gemeinde. Im Jahr 2019 war wenig zu sehen. Welches Projekt haben Sie realisiert?

 

Dank der Unterstützung des Ministeriums für Kultur und Kunst, des Nationalen Instituts für Museumswesen und den Schutz von Sammlungen konnten wir das Projekt „Edle, bezaubernde, natürliche Klänge retten – Konservierung der Sammlung von Harmonien und Tafeln für die Nummern von Liedern“ durchführen.

 

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