Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, December 6, 2022

Elisabeth Grabowski. Die Märchentante aus Oppeln

 

Gäbe es eine oberschlesische Version des berühmten Romans „Little Women“, dann wäre die Schriftstellerin Elisabeth Grabowski die kluge, ambitionierte Jo gewesen. Wie Jo hatte Elisabeth drei begabte Schwestern: die Malerin Hedwig, dann Gertrud, ebenfalls Schriftstellerin und Martha, deren Leidenschaft die Musik war. Das Leben der Schwestern, vor allem aber das von Elisabeth Grabowski, ist ein perfektes Filmdrehbuch.

 

Elisabeth Grabowski
Grafik: Krzysztof Stręcioch

Elisabeth wurde am 13. Juni 1864 in Ratibor geboren. Ihre Mutter stirbt, als die Mädchen noch klein sind. Die Erziehung übernimmt der Vater, ein Kaufmann, später Bahnangestellter, der oft auf Reisen und ein begeisterter Kunstliebhaber ist. Doch dann stirbt auch er an Typhus. Die Schwestern sind nun auf sich allein gestellt. Elisabeth arbeitet eine Zeit lang als Erzieherin in Ungarn. Mit dem Schreiben beginnt sie in Berlin. Dann kehrt sie nach Oberschlesien zurück. 1915 zieht sie nach Oppeln, wo sie mit ihren zwei Schwestern Gertrud und Hedwig in der Sternstraße 21 (heute ul. Reymonta) wohnt. Elisabeth bereist Schlesien, sie ist eine leidenschaftliche Heimatkundlerin und interessiert sich für oberschlesische Folklore, lange bevor dies zur Mode wird. Sie sammelt Sagen, Volksgeschichten, dokumentiert Bräuche, Traditionen und beschreibt Volkstrachten. Mit dem Erzählen von Geschichten gewinnt sie das Vertrauen der Menschen in den Dörfern. Als „Märchentante“ wird sie auf dem Land bekannt. Sie ist Autorin von 17 Büchern, unter anderem von „Haldenkindern“, „Karolas Leid und Liebe“, „Der weiße Adler“.

 

Unverheiratet und kinderlos stirbt Elisabeth Grabowski am 11. Februar 1929 in Oppeln. Nachdem ihre Jugendliebe bei einem Grubenunglück starb, hat sie nie geheiratet. Sie wird auf dem Friedhof in der heutigen Wrocławska-Straße beigesetzt. Auf ihrem Grabstein, den es heute nicht mehr gibt, steht: „Alles für die Heimat“.

Anna Durecka

 

 

Die Veröffentlichung „Superhelden_innen Schlesiens“ wurde vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit herausgegeben und aus Mitteln des Goethe-Instituts Krakau finanziert. Man kann sie kostenlos unter www.haus.pl runterladen.

 

 

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