Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Sunday, October 17, 2021

Endlich wieder gemeinsam im Freien toben

Seit Jahren ist die zweiwöchige Werkstatt für Kinder der deutschen Minderheit, die traditionell in Osterode stattfindet, ein fester Termin im Kalender der Organisationen der deutschen Minderheit in Ermland und Masuren. In diesem Jahr fand sie vom 24. Juli bis zum 6. August statt und bot 18 Kindern ein reichhaltiges Programm, Spaß und Begegnungen mit Altersgenossen.

 

Es ist wieder Sommer, es sind wieder Ferien, die Kinder haben das Schuljahr hinter sich und sehnen sich nach gemeinsamen Erlebnissen. Doch im letzten Jahr machte ihnen Corona einen Strich durch die Rechnung. Um so wichtiger war für die Kinder aus den Vereinen der deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Ermland und Masuren, dass in diesem Jahr die Sommerferienwerkstatt für sie stattfinden konnte. Organisator Henryk Hoch, der Vorsitzende des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, atmete tief durch, als die Veranstaltung feststand: „Noch vor zwei Monaten war nicht endgültig sicher, ob es klappt. Dann gab es grünes Licht. Wir sind dem polnischen Innenministerium und dem deutschen Generalkonsulat in Danzig sehr dankbar für ihre finanzielle Unterstützung.“

 

Dichtes Programm…

Es hatte sich einiges an Energie bei den Kindern zwischen 9 und 13 Jahren aufgestaut, die an der Werkstatt teilnahmen. Die Leiterin der Werkstatt, Renata Ciszewska vom deutschen Verein „Herder“ in Mohrungen, hat da viel Erfahrung: „Sie waren so lange eingesperrt und saßen vor den Computern, sie müssen jetzt einfach viel gemeinsam an der frischen Luft sein.“ Daher gab es ein vielfältiges, dichtes Programm mit zahlreichen Elementen im Freien wie Spielplatz und Strand, mit dem Besuch einer Rollschuhbahn, einer Fahrt nach Danzig mit Stadtspaziergang und Aufenthalt am Meer oder eine Fahrt mit der Eisenbahn nach Alt Finken.

„Viele Kinder hier kennen keine Züge mehr, weil es in den Orten keine Bahnstrecken mehr gibt“, schmunzelt Henryk Hoch, betont aber, dass es auch ruhige Abschnitte im Programm gab: „In der ersten Woche war intensiver Deutschunterricht angesagt. Um die Konzentration zu verbessern, gaben die Kinder auch ihre Handys ab – und haben sie nicht einmal vermisst.“ Handarbeiten wie Découpage, Origami und Bilderrahmen gehören traditionell ebenso zum Programm der Werkstatt wie die Wahlen zu Miss und Mister der Werkstatt oder ein Talentwettbewerb.

 

…lebendig und heiter

Dass dabei manchmal gehörig Leben in der Bude war, kann Betreuerin Monika Pietrzak aus Osterode bestätigen: „Die Kinder kamen aus verschiedenen Orten und Familien und lernten sich neu kennen. Es ist normal, dass es Konflikte gab, doch das ging auch schnell vorbei. Laut war es aber etwa beim Training zum Talentwettbewerb immer noch“. Auch, als sieben Kinder gleichzeitig von ihren Plänen dazu berichteten. Oliver aus Neidenburg hatte sich zwar Origami, also etwas Stilles vorgenommen, aber sein Ortskollege Tomek wollte Fußball zeigen und die fünf Mädchen wollten singen. Marysia aus Maldeuten etwa hatte sich „Fiołkowe pole“ vorgenommen, Amelia aus Allenstein „Adios”.

Obwohl sie im Alltag eher Polnisch sprechen oder singen, war der Deutschunterricht sehr wichtig. „Wir haben gelernt, uns vorzustellen, von Tieren, Essen und der Familie zu reden“, gab Marysia einen Überblick. Amelia hingegen blieb ein Geräusch aus Danzig in Erinnerung. „Da waren wir am Strand und der Sand hat richtig gequietscht“, sagte sie. „Ich war anfangs nervös, habe aber schnell eine Freundin gefunden“, fügte sie noch hinzu und zeigte auf Kornelia aus Elbing, die neben ihr saß und die Aussage mit heftigem Kopfnicken bestätigte.

Sich kennenlernen, etwas gemeinsam machen, etwas lernen und das Ganze mit viel Spaß – die Ziele sind erreicht, denn alle sieben Kinder – auch Ola und Marcelina aus Bartenstein – wollen im nächsten Jahr gerne wiederkommen und sich wiedersehen. Auch Betreuerin Monika Pietrzak kann sich das vorstellen: „Es ist manchmal sehr anstrengend, aber es macht Spaß. Und wenn die Kinder abends und am Ende der Freizeit sagen, dass es toll war und sie viel Freude hatten, dann ist das eine wunderbare Belohnung.“

 

Uwe Hahnkamp

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