Das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit startete 2009 mit dem Projekt „Archiv der erzählten Geschichte“. Dieses Geschichtsprojekt fand einmal im Jahr statt. Nun wurde das Projekt um die „Entdeckerclubs der lokalen Geschichte“ erweitert. So wird die lokale Geschichte das ganze Jahr nicht aus Büchern gelernt, sondern bei Gesprächen mit Zeitzeugen und anderen Initiativen.

 

Bei der Stadtrallye in Kreuzburg mussten die Teilnehmer verschiedene Aufgaben lösen.
Foto: M. Leibig

 

 

Das Interesse an der lokalen Geschichte wächst ständig. Für das Projekt „Archiv der erzählten Geschichte”, bei dem Jugendliche mit Zeitzeugen Interviews durchführen und diese dann auf der Internetseite www.e-historie.pl veröffentlichen, meldeten sich in den letzten Jahren zwei Mal so viele Teilnehmer, als vorgesehen war. Somit wurden die „Entdeckerclubs der lokalen Geschichte” ins Leben gerufen. Diese Clubs bestehen aus Jugendlichen, die die Geschichte ihrer Heimat erkunden. So einen gründete auch die Deutschlehrerin Elżbieta Wydra in der Grundschule Nr. 2 in Kreuzburg (Kluczbork) „Die Kinder langweilen sich, wenn sie Geschichte aus den Büchern lernen sollen, also arbeiten wir mit Geschichte etwas anders“, so die Betreuerin des Clubs.

 

 

Geschichte macht Spaß

Die Schüler nehmen an Zeitzeugengesprächen und Treffen zur Geschichte teil und machen bei Journalistenworkshops mit. Bei all den Initiativen, bekommt der „Entdeckerclub der lokalen Geschichte“ Unterstützung vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit. Ein wichtiger Aspekt in der Tätigkeit des Clubs ist es, die eigene Stadt kennenzulernen. „Ich habe mit dieser Stadtrallye angefangen. Die Schüler bekamen damals von mir ein Set von alten Bildern von Kreuzburg und die Aufgabe war, diese Bilder irgendwie mit den Gebäuden zu identifizieren, ein Selfie damit machen, und dann auch die Passanten befragen, ob sie wissen, was da früher war“, sagt Elżbieta Wydra, und fügt stolz hinzu: „Sie sagten mir, dass Geschichtelernen auf diese Art Spaß macht.”

Der „Entdeckerclub der lokalen Geschichte“ aus Kreuzburg nahm an einer Schulung teil, wo sie gelernt haben, wie man selbst eine Stadtrally macht. Nun haben sie selbst eine Stadtrally auf die Beine gestellt. Die Devise war hier: Es muss für andere Jugendliche spannend sein. Geschichte der Stadt, Legenden, Architektur, Religion und Persönlichkeiten, das alles wurde von den Entdeckern der lokalen Geschichte für die Mitglieder des „Entdeckerclubs der lokalen Geschichte“ aus Noldau (Domaszowice) und Schüler aus Kreuzburg vorbereitet. Aus den einfachsten Mitteln wurden Rätsel und Puzzel vorbereitet. Das Handy durfte nicht fehlen, denn es mussten Fotos gemacht werden, auch Institutionen, wie die Evangelische Kirche oder das Regionalmuseum in Kreuzburg wurden zur Zusammenarbeit eingeladen. Die Teilnehmer der Rallye erwartete nicht nur das Entdecken der Geschichte und der Gebrauch der deutschen Sprache, sie mussten auch sportliche Leistungen zeigen.

 

Das wird wachsen

„Die ersten Schussfolgerungen, die ich ziehen kann, sind, dass meine Schüler mehr Interesse am Gespräch mit den Großeltern haben. Zweitens, möchten sie gerne weiter mitmachen, auch wenn sie bald die Schule abschließen werden. Und das mache ich sehr gerne, das zeigt mir, dass ich ihnen etwas „verkauft“ habe, was dann wachsen wird. Sie verstehen, was lokale Geschichte heißt“, freut sich Elżbieta Wydra.

Manuela Leibig