Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, January 17, 2022

Er lag uns schwer im Magen – Brandts Ostpolitik und die Deutschen in Polen

1980
Album Willy Brandt
Bundeskanzler 1969 – 1974 Quelle: Bundesarchiv_B_145_Bild-F057884-0009, Reinck

 

Die Ostpolitik Willy Brandts und der am 7. Dezember 1970 mit Polen geschlossene Vertrag war ein wichtiger Schritt zur Normalisierung der zwischenstaatlichen Verhältnisse. Für die in Polen lebenden Deutschen war dies allerdings kein Grund zum Feiern.

 

 

Willy Brandts Politik der Grenzanerkennung ( Lesen Sie dazu mehr HIER) stieß auf einen entschiedenen Widerstand der Vertriebenenverbände in Deutschland, die an der bisherigen Politik festhielten, über die Grenze müsse eine Friedenskonferenz entscheiden. Und auch in Polen wurde der Warschauer Vertrag nicht nur mit Wohlwollen gesehen. Die nicht anerkannte deutsche Minderheit sah in diesem Schritt der Bundesrepublik einen Dolchstoß. „Es war für uns wie ein Erdbeben, denn bis dahin hatte man noch zumindest eine kleine Hoffnung gehabt, dass die Grenzen sich wieder ändern würden. Der Vertrag zeigte aber, dass es so nicht werden würde“, erinnert sich Richard Urban, damals ein 36jähriger Familienvater, später einer der Mitbegründer der Organisation der Deutschen in der Oppelner Region.

 

Die Unterzeichnung habe zu einer Panik unter den Deutschstämmigen geführt, die zu Tausenden angefangen haben wieder Ausreiseanträge zu stellen. „Es war wie eine Lawine und die polnischen Behörden waren nicht darauf gefasst gewesen, denn Anträge stellten auf einmal auch die Menschen, die bis dahin nicht an eine Ausreise gedacht haben“, sagt Richard Urban, der selbst in dieser Zeit einige Male bei den Behörden vorgesprochen hat, jedes Mal aber eine Absage erhielt.

 

Um der Lage Herr zu werden und die Zahl der Ausreiseanträge zu verringern, wurden in den Gemeinden Komitees gegründet, in denen die lokale Politprominenz saß. Ziel war es, die Menschen dazu zu bringen, ihre Anträge zurück zu nehmen. Das hat auch in einigen Fällen geklappt. „Es hat aber Jahre gedauert, bis sich die Lage beruhigte. Willy Brandt hat uns deswegen sehr lange schwer im Magen gelegen, weil wir uns von ihm verkauft fühlten. Und die SPD hat in unseren Augen Vertrauen verloren“, erinnert sich Richard Urban an die damaligen Gefühle.

 

Rudolf Urban

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