Die „Breslauer Madonna“, 1510, Erzdiözesanmuseum Breslau

Mit dem Jahresende geht auch das Jubiläumsjahr der Reformation zuneige. Zum Abschluss des Reformationsgedenkens wurde Anfang November von der evangelisch-augsburgischen Gemeinde in Kattowitz-Schoppinitz eine Laser-Show präsentiert. In tausend Bildern mit Musik von Bach, Mendelssohn-Bartholdy oder Kilar wurde die Geschichte der Reformation in Schlesien von den Anfängen bis heute gezeigt.

 

Museen im polnischen und deutschen Schlesien greifen noch einmal das Thema „500 Jahre Protestantismus“ auf. Die Schau über 500 Jahre evangelischen Lebens in Schlesien tourt durch Deutschland und Polen. Die in deutscher und polnischer Sprache verfasste Wanderausstellung „Kirchfahrer, Buschprediger, betende Kinder“ war bereits an 18 Orten in ganz Schlesien, aber auch in der Universität Warschau und beim Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover zu sehen. Derzeit wird sie bis zum 5. Januar im Sächsischen Landtag in Dresden gezeigt, zusammen mit Beiträgen sächsischer Museen zum Reformationsjubiläum. Diese gemeinsame Präsentation unter dem Titel „500 Jahre Reformation. Sachsen – Oberlausitz – Schlesien“ wurde von der Sächsischen Landessstelle für Museumswesen koordiniert.

 

Schlesisches Museum zu Kattowitz

 

„Durch Hoffnung alles erreichen… Das Kulturerbe der Reformation in Schlesien” – so heißt eine Ausstellung die derzeit im Schlesischen Museum zu Kattowitz gezeigt wird. Der Fokus dieser Ausstellung liegt auf der Evangelisch-Augsburgischen Kirche. Die Präsentation zeigt, dass die religiöse Bewegung Hand in Hand mit Aktivitäten im Bereich Bildung und Wohltätigkeit ging und großen Einfluss auf die Architektur oder die Verbreitung des gedruckten Wortes ausübte. Das Augenmerk der Ausstellung in Kattowitz ist die Religion als geistige Erneuerung und ihr Einfluss auf andere Lebenszweige, wie die Schaffung einer sozialen Gesellschaft, die Traditionspflege, Entwicklung der nationalen Sprachen in der Liturgie, Förderung der Bildung und Kultur. Der Titel der Präsentation wurde dem Luther-Zitat entnommen: „Alles, was in der Welt erreicht wurde, wurde aus Hoffnung getan“.
„Es gäbe einen Großteil des materiellen Kulturerbes wie Architektur, Musik, Kunst oder des geistigen Erbes nicht ohne des Schaffens der Lutheraner in Oberschlesien“ sagte Henryk Mercik (Bewegung für die Autonomie Schlesiens), Vorstandsmitglied der Woiwodschaft Schlesien, am Eröffnungstag. „Die Ausstellung zeigt das Reformationserbe. Ein Erbe bedeutet mehr als nur Geschichte, materielle Kultur oder Erinnerung. Es erzählt von der Vergangenheit, die sich in der Gegenwart spiegelt. Sie findet sich in der Landschaft, der lebendigen Tradition und dem Alltag wieder. Für einen Teil der Schlesier ist dieses Erbe etwas heimisches, sie erkennen darin sich selbst“, so Museumsdirektorin Alicja Knast. Bei der Ausstellungseröffnung war auch der Kattowitzer Bischof der Evangelisch-Augsburgischen Kirche, Dr. Marian Niemiec anwesend. „Man darf nicht vergessen, dass Lutheraner wie Hubert von Tiele-Winckler, Friedrich Grundmann und Richard Holtze Kattowitz gegründet haben! Sie waren auch Stifter der Auferstehungskirche – des ersten sakralen Baus der Stadt“, so Dr. Niemiec.

 

Die Ausstellung kann noch bis April 2018 im Schlesischen Museum zu Kattowitz gesehen werden. Am 19. Dezember wird im Rahmen eines Familientages um 16:00 Uhr Erzählungen über evangelische Weihnachtstraditionen in Oberschlesien vorgelesen.
Die „Breslauer Madonna“

 

Das Nationalmuseum zu Breslau bringt sich zum Abschluss des Reformationsjubiläums mit einer Sonderausstellung unter dem Titel „Cranach in Mode“ ein. Bis Ende Dezember wird der Einfluss der Werke aus der Werkstatt Lucas Cranachs auf die Verbreitung der lutherischen Lehre in Schlesien im Fokus der Präsentation stehen. Gezeigt werden museumseigene Exponate wie Radierungen zu Luthers Bibelübersetzung, Grafiken und Skizze für Epitaphe. Aus Beständen der Universitätsbibliothek zu Breslau wurden Handschriften und Erstdrucke u. a. von der Luther-Bibel, Hauspostillen schlesischer Pastoren und Porträts wichtiger Breslauer Bürger zusammengestellt.

 

Das Breslauer Diözesanmuseum stellte für die Sonderausstellung das berühmte Gemälde der „Madonna unter den Tannen“ von Lucas Cranach dem Älteren von 1510 zur Verfügung. Cranach soll das Bild als Auftragsarbeit für den Breslauer Dom geschaffen haben. Das Gemälde wurde lange Zeit im Breslauer Dom verwahrt und wird daher auch als die „Breslauer Madonna“ bezeichnet. Noch während des Zweiten Weltkrieges wurde das Bild zuerst in das Schloss Heinrichau (Henryków), der ehemaligen Zisterzienserabtei, und später nach Hirschberg (Jelenia Góra) gebracht. Es kehrte aber 1945 ins Erzbischöfliche Museum zurück, wo der Geistliche Siegfried Zimmer das während der „Wanderschaft“ gesprungene Holzgemälde reparierte. Heimlich wurde dabei eine Kopie angefertigt, so konnte das Original das nun polnische Schlesien verlassen. Auf unbekannte Weise kam es dann in den Besitz der Schweizer Katholischen Kirche und wurde 2012 dem Breslauer Dom zurückgegeben.

Die Ausstellung im Nationalmuseum zeigt daneben eine Dokumentation von Werken, die nicht bis in die heutige Zeit überdauerten, bis Kriegsende jedoch zu den Beständen der Breslauer Sammlungen gehörten.

Klaudia Kandzia