Es ist ein Erfolg für die deutsche Minderheit in der Region Kattowitz, aber auch allgemein. Wie das Wochenblatt vor einiger Zeit berichtete, entstand im Kattowitzer Kreis des DFK Schlesien die Idee, eine Straße in Königshütte nach dem deutschen Nobelpreisträger Kurt Alder zu benennen. Nun wird die polnische Verwaltung die Idee verwirklichen.

 

Kurt Adler.
Quelle: Wikimedia Commons

 

Die Idee, eine Straße nach Kurt Alder zu benennen, geht auf das polnische Gesetz gegen kommunistische Benennungen in der Öffentlichkeit zurück. Dieses Gesetz, das vor einigen Monaten in Kraft getreten ist, besagt, dass jegliche Straßen in Polen, die nach negativen kommunistischen Personen oder Ereignissen einst benannt wurden, den Namen wechseln sollen. Eine davon war die Hanka Sawicka Straße in Königshütte (Chorzów).

 

 

Konkurrenz von Eichendorff

Als ein neuer Schirmherr für die Straße gewählt werden sollte, übergab die Kattowitzer Deutsche Minderheit ein Schreiben an Stadtpräsident Andrzej Kotala: „Wir haben zwei Persönlichkeiten vorgeschlagen, einerseits Eichendorff andererseits Kurt Alder“, sagt Eugeniusz Nagel, Chef der Kattowitzer Deutschen. Schnell machte jedoch der Stadtrat von Königshütte der Minderheit einen Strich durch die Rechnung und benannte die Straße nach dem polnischen Dichter Cyprian Kamil Norwid, der zwar ein bedeutender Schriftsteller war, jedoch hatte er wenig Bindung an Schlesien, von Königshütte gar zu schweigen. Eugeniusz Nagel ist – wie er sagt – zwar kein Fan von Eichendorff, doch man sei „enttäuscht“ gewesen, dass sich der Stadtrat nicht entschlossen hat, Kurt Alder zu wählen. Alder ist nämlich nicht nur Nobelpreisträger, sondern auch in Königshütte geboren. Auch die ersten 20 Jahre seines Lebens verbrachte der Chemiker dort.

 

 

Zweite Ehrung für Alder

Trotz der ersten Niederlage bei der Verwirklichung ihrer Idee, versicherte die Deutsche Minderheit „nicht aufgeben zu wollen“ und sich weiter um eine Straße für Kurt Alder zu bemühen. Da die Entfernung kommunistischer Benennungen noch nicht abgeschlossen ist, bot sich eine weitere Gelegenheit bei der Neubenennung der ehemaligen Józef Maroń Straße an. Den Vorschlag der Deutschen Minderheit hat der Stadtpräsident von Königshütte wohl nicht vergessen, denn dieses Mal schlug er Kurt Alder als neuen Schirmherrn dieser Straße vor. Da die letztendliche Entscheidung über den Namen beim schlesischen Woiwoden liegt, wurde ein Entsprechender Antrag an Jaroslaw Wieczorek gestellt, der die neue Benennung ohne zu zögern genehmigte. Gemeinsam mit der neuen Alder Straße werden auch zwölf andere Straßen umbenannt, die früher eine kommunistische Bedeutung hatten. Für Kurt Alder wird es schon die zweite Ehrung im öffentlichen Raum Polens. 2014 wurde nach ihm ein Gebäude im Oberschlesischen Industriepark benannt. Heute ist das Gebäude Sitz einiger Unternehmen und einer der wichtigsten Wirtschaftspunkte Oberschlesiens. Weitere Objekte im Park wurden ebenfalls nach bedeutenden deutschen Oberschlesiern benannt. Ein Gebäude trägt den Namen von Konrad Bloch, ein anderes von Otto Stern.

Kurt Alders wichtigste Ehrung war der Nobelpreis für Chemie für seine Entdeckungen und die Entwicklung der Dien-Synthese 1950.

 

 

Łukasz Biły