J. Rieden & W. Knippel, Schloss in Slawientschütz (Sławięcice) um 1849 Foto: mnwr.art.pl

J. Rieden & W. Knippel, Schloss in Slawientschütz (Sławięcice) um 1849
Foto: mnwr.art.pl

Der schlesische Tourismus in vergangenen Jahrhunderten ist Thema einer Breslauer Ausstellung. Das Nationalmuseum zeigt bis zum 31. Januar 2016 Grafiken schlesischer Ortschaften.

 

„Es ist eine virtuelle Wanderung zu historischen Orten, die wir mit den Augen von Künstlern zeigen, die vom 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts schufen. Dank ihrer Schaffenskraft können wir heute eine vergangene Welt entdecken, die oft sehr verändert oder fast vergessen scheint“, erklärt Museumsdirektor Piotr Oszczanowski der Presse im Vorfeld der Ausstellungseröffnung.

 

400 Grafiken und Skizzen zeigen wie Schlesien einst aussah, wohin man reiste und was zu den beliebtesten Reisezielen zählte, aber auch wie sich die Touristen von damals kleideten und was sie auf einer Wanderung unbedingt mit dabei haben mussten. Neuzeitliche Veduten, also wirklichkeitsgetreue Darstellungen von Landschaften oder Stadtmotiven, zeigen die Vielfalt des Schlesischen Barocks. Künstler der Romantik zeichneten dagegen die Natur und ihre Schönheit besonders gerne. Museumsdirektor Oszczanowski legt den Besuchern besonders die Arbeiten von Künstlern aus der Region Schmiedeberg im Riesengebirge (Kowary) ans Herz.

 

Schlesienliebhaber finden hier Veduten von Liegnitz, Ratibor, Oberglogau, Patschkau, Grotkau, dem Riesengebirge, dem Hirschberger Tal der Schlösser, aber auch Ansichten von oberschlesischen Industrieanlagen, die auf Bestellung der Industriemagnaten geschaffen wurden. Künstler, wie der Kamenzer Zeichner Friedrich Bernhard Werner (1690-1776), der an die 1.750 Ortschaften besuchte, hinterließen einen unschätzbaren Fundus an schlesischer Ansichten. „Die Ausstellung zeigt neben dem künstlerischen Aspekt der Zeichnungen und Grafiken auch, wie Beständig die Schönheit der Natur im Gegensatz zu der Vergänglichkeit menschlicher Schöpfung ist“, so Ewa Halawa, Kuratorin der Ausstellung. Diese trägt den polnischen Titel „Kody pamięci“, also Erinnerungskode.

 

Parallel und quasi als zu Ergänzung der Ausstellung startete ebenfalls am 8. November eine Präsentation von Reisesouvenirs u.a. aus schlesischen Manufakturen, die ebenfalls bis zum 31. Januar im Nationalmuseum zu sehen sind. Becher, Teller u. ä. brachte man gerne von Studienreisen mit. Diese waren Anfang des 19. Jahrhunderts besonders modern und dienten der regionalen Identitätspflege.

 

Klaudia Kandzia