Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, December 3, 2021

Erinnerungsorte pflegen

Vor Allerheiligen haben Mitglieder der deutschen Minderheit in der ganzen Region verlassene Friedhöfe und Grabstellen gesäubert. In Slawentzitz und Reinschdorf (beide im Kreis Kandrzin Cosel) wurden auch alte Grabsteine erneuert.

 

Guttentag

 

Jugendliche aus Guttentag beii der Säuberung
Foto: A. Polanski

 

Für die junge Generation ist der November eine wichtige Zeit des Erinnerns und des Nachdenkens, so auch für die Gruppe „Jugend Aktiv“ aus Guttentag, die beim örtlichen DFK tätig ist. Am 14. Oktober entschieden sich die Jugendlichen, Erinnerungsorte in der Kleinstadt für die bevorstehende Zeit aufzufrischen.

In Guttentag wird an mehreren Orten an die Verstorbenen erinnert. Es handelt sich dabei um mehrere Denkmäler und die Kapelle am St.-Valentin-Friedhof. Sie sind vor allem denen gewidmet, die während der beiden Weltkriege umkamen, aber auch den Einheimischen, die zu Opfern wurden.

„Wir erinnern hier an verschiedene Menschen, ob Soldaten oder einfache Einwohner. Wie man ganz gut sieht, sind es nicht nur Deutsche, an die gedacht wird, sondern auch Polen, Juden und Protestanten, die hier gemeinsam in Frieden lebten. Durch die Initiative sollen die Jugendlichen sehen, wie multikulturell die Bewohner Guttentags waren“, so Mattheus Czellnik, Vorsitzender von „Jugend Aktiv“. Er sieht, dass die Aktion Früchte trägt: „Letztes Jahr waren wir mit fünf Personen am Start. Dieses Jahr waren wir schon zu acht. Obwohl wir zur Schule gehen, studieren und arbeiten, war es uns wichtig, sich Zeit zu nehmen und so den Verstobenen die Ehre zu erweisen.“

Die Gruppe führte auch Ordnungsarbeiten an Gräbern verstorbener Soldaten in Kotzuren und Rzendowitz durch. Die Jugendlichen haben die Denkmäler gesäubert, Laub gerecht und Kerzen angezündet. Die Aktion regte die Jugendlichen untereinander zu Gesprächen über die Vergangenheit an. Die Initiative fand schon das dritte Jahr in Folge statt.

 

Finkenstein

 

Kinder halfen beim Säubern der Gräber in Finkenstein.
Foto: Marie Baumgarten

 

Ein abgelegenes Waldstück in Finkenstein (Brzezie) nahe dem oberschlesischen Groß Döbern. Nach Kräften wird hier geputzt, geharkt und gebuddelt. Der Grund: Genau hier befindet sich – kaum mehr erkennbar – ein alter deutscher Friedhof. Kurz vor Allerheiligen soll er herausgeputzt werden.

Natürlich, in neuem Glanz erstrahlen wird er nicht, ein zerfallenes Stück Land bleibt ein zerfallenes Stück Land. Es ist der gute Wille, der zählt.

„Dieser Platz ist sehr wichtig für uns, denn hier sind diejenigen Menschen begraben, die unsere Heimat aufgebaut haben“, erklärt Gabriela Kampa und entschuldigt sich noch im selben Atemzug für ihr Deutsch, das sie von zu Hause mitbekommen habe. Ihrer Skepsis entgegen ein sehr solides, wie jeder Muttersprachler sogleich bescheinigen könnte. Die Lehrerin für Kunst und Religion unterstützt die gemeinsame Initiative der Jugend der Deutschen Minderheit und des Groß Döbener Lizeums seit gut acht Jahren – und ist noch immer mit dem Herzen dabei.

Sogar ein paar echte Schätze finden einige der Groß Döberner Schüler heute, darunter eine zerbrochene Emailleplatte, weiß mit Goldrand, die Wörter „Gott“ und „Großmutter“ sind zu erkennen. In den letzten Jahren sind so viele Fundstücke ans Licht gekommen, dass sogar ein Grab in Gänze wiederaufgebaut werden konnte.

Helmut Starosta ist seit 20 Jahren dabei. Der Groß Döberner Förster erklärt der Schülergruppe, was es mit dem rund drei bis vier Meter hohen Holzkreuz auf sich hat, das den Wegesrand säumt. Im Jahr 2007 ist es errichtet worden, begleitet durch eine ökumenische Andacht. „Ökumenisch deshalb, weil es heute in der Region zwar in der Mehrzahl Katholiken gibt, die Menschen aber, die hier die letzte Ruhe gefunden haben, waren Protestanten.“

Der Friedhof entstand, als im 18. Jahrhundert Preußenkönig Friedrich der Große die ersten Menschen in der zuvor brach gelegenen Region angesiedelt hat. Seitdem hat sich eines nicht verändert, stellt Helmut Starosta fest: „Die Preußen sind hierhergekommen, weil sie einen Platz zum Leben und Wirtschaften hatten. Noch immer kommen Menschen in das kleine Groß Döbern, um hier ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das hiesige Kraftwerk ist ein großer Arbeitgeber.“ Für Helmut Starosta ist es deshalb ein Anliegen, dass auch die Zugezogenen die Geschichte ihrer neuen Heimat kennen lernen.

Gabriela Kampa hofft, dass öffentlichkeitswirksame Berichte vielleicht die Nachkommen jener, die hier bestattet worden sind, erreichen. Es werden heute noch etwa vierzig Gräber auf dem seit Ende des Zweiten Weltkrieges zerfallenden Friedhofs vermutet.

 

Slawentzitz, Reinschdorf, Chronstau, Neustadt

 

Die Familie Wünsche war einmal Besitzer des Gutes und der Brauerei in Reinschdorf.
Foto: Tomasz Hubert Kandziora/facebook.com
Eines der restaurierten Gräber in Slawentzitz
Foto: Deutche Minderheit/facebook.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf den Friedhöfen beider Ortschaften wurden mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Konsulates in Oppeln historische Grabsteine erneuert. In Reinschdorf handelt es sich dabei um sechs Grabplatten der Familie Wünsche, der einstigen Guts- und Brauereibesitzer des Ortes. In Slawentzitz sind es die Gräber des 1886 verstorbenen Pfarrers Amand Dronia und des 1883 verstorbenen Hans Egon von Eichstedt.

 

In Chronstau wurde das Denkmal für die Kriegsopfer gesäubert,
Foto: BJDM Chronstau

 

Auch in Chronstau haben Jugendliche der deutschen Minderheit vor Allerheiligen eine Putzaktion auf dem dortigen Friedhof, und vor allem beim dortigen Denkmal für die Kriegsopfer gestartet. Und in Neustadt wurde an Allerheiligen selbst vor dem Kommunalfriedhof Geld gesammelt, wovon sowohl das Grab von Filip Robota, eines polnischen Lehrers und Kämpfers für das Polentum, als auch den Vrkriegsbürgermeisters der Stadt Paul Lange restauriert werden soll.

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