Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, December 10, 2022

Europa ist gemeinsame Verantwortung

Prof. Krzysztof Ruchniewcz, Botschafter Rolf Nikel, VdG-Vorsitzender Bernard Gaida und Hartmut Koschyk, deutscher Regierungsbeauftragter für nationale Minderheiten Foto: A. Durecka
Prof. Krzysztof Ruchniewcz, Botschafter Rolf Nikel, VdG-Vorsitzender Bernard Gaida und Hartmut Koschyk, deutscher Regierungsbeauftragter für nationale Minderheiten
Foto: A. Durecka

Zu einem Gespräch über 25 Jahre der guten deutsch-polnischen Nachbarschaft hatte am vergangenen Samstag der Verband deutscher Gesellschaften (VdG) eingeladen, der in diesem Jahr auch selbst ein Vierteljahrhundert seiner Gründung feiert. Wie die Diskussionsteilnehmer einvernehmlich betonten, sind die deutsch-polnischen Beziehungen nie zuvor in der Geschichte so gut gewesen.

 

Teilnehmer der Debatte waren der deutsche Botschafter in Warschau Rolf Nikel, Hartmut Koschyk, Beauftragter der deutschen Bundesregierung für nationale Minderheiten, und Prof. Krzysztof Ruchniewicz, Leiter des Breslauer Willy-Brandt-Zentrums für Deutschland- und Europastudien. Als Moderator fungierte Bernard Gaida, des VdG in Polen.

 

Eine Erfolgsgeschichte

 

Die Diskussionsteilnehmer erinnerten sich u.a. daran, wo sie selbst zu der Zeit waren, als über das Sein oder Nichtsein des vor 25 Jahren unterzeichneten deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags entschieden wurde, sowie an die Begleitumstände jenes Ereignisses. Der jetzige deutsche Botschafter in Polen Rolf Nikel war damals im Kanzleramt tätig und dabei persönlich an der Erarbeitung des Vertrags beteiligt. „Keiner von uns wagte damals zu vermuten, dass sich das deutsch-polnische Verhältnis in eine so positive Richtung entwickeln würden, dass diese 25 Jahre eine Erfolgsgeschichte werden würden und dass heute unsere Beziehungen so gut wie noch nie zuvor sein würden“, sagte der Botschafter. Bei der Unterzeichnung des Vertrags war auch der heutige Minderheitenbeauftragte der deutschen Regierung Hartmut Koschyk zugegen. „Es gab damals viele, die diesem Vertrag, aber auch der Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen skeptisch gegenüberstanden. Inzwischen dürften viele von ihnen ihre Einstellung geändert haben  und wissen nun auch zu schätzen, was wir gemeinsam erreichen konnten“, sagte Koschyk. Dies sei allerdings, so erinnerte Prof. Krzysztof Ruchniewicz, keine Selbstverständlichkeit. „Das deutsch-polnische Verhältnis bleibt immer eine Herausforderung für unsere beiden Länder, eine Aufgabe. Wir lernen stets voneinander und lernen einander kennen. Sehr wichtig ist deshalb der Jugendaustausch zwischen Polen und Deutschland, Beziehungen zwischen Schulen und der Aufbau von Partnerschaften auf lokaler Ebene“, unterstrich Ruchniewicz. Der gegenseitige persönliche Kontakt sei die beste Waffe gegen negative Propaganda, das beste Werkzeug gegen negative polnische und deutsche Klischees. „Wichtig ist dabei, den Nachbarn auf differenzierte Weise zu zeigen. Dies ist eine Aufgabe für die Medien, für Multiplikatoren“, sagte der Leiter des Willy-Brandt-Zentrums.

 

Nur Mut

 

Nicht zu überschätzen, ist auch die Rolle der deutschen Minderheit als Brücke zwischen Polen und Deutschland. „Die Tatsache, dass wir in Polen heute nicht mit einem Problem der deutschen Minderheit, sondern mit einer deutschen Minderheit zu tun haben, ist ebenfalls dem Nachbarschaftsvertrag zu verdanken“, sagte Krzysztof Ruchniewicz. Es bedurfte vor 25 Jahren, so betont er, einer gehörigen Portion Mutes aufseiten Polens und der deutschen Minderheit, um dieses Thema im Vertrag zu verankern. Dieser Mut darf nach Ansicht des Botschafters Rolf Nikel auch heute nicht fehlen. „Die polnische Rolle bei der Gestaltung Europas ist ungemein wichtig. Zwar sind Polen und Deutschland nicht immer gleicher Meinung, doch lassen sich unser beiden Ländern von denselben Werten leiten und diese sind es, die uns führen sollten, wir tragen eine gemeinsame Verantwortung für Europa“, unterstricht der Botschafter.

 

Mitorganisiert wurde die Debatte vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit.

 

Anna Durecka

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