Die Pflege der deutschen Sprache und Kultur ist in Polen per Verfassung und durch Gesetze geschützt. Darum gibt es in Schlesien zum Beispiel auch die zweisprachigen Ortstafeln. Doch nicht alle Minderheiten haben die gleichen Rechte. Deshalb fordert die europäische Bürgerinitiative Minority Safepack jetzt einheitliche Standards für Minderheiten in Europa und zwar nationale, ethnische und sprachliche Minderheiten. Aber wie genau können die Minderheiten in Polen von der Initiative profitieren? Drei Beispiele aus Schlesien.

 

 

Im Sitz der Sozialkulturellen Gesellschaft der Deutschen in Oppeln (SKGD) reicht Mirek Lazar gerade neue Unterschriftenlisten ein. Der Zülzer DFK-Chef ist sichtlich stolz. Über 1000 Menschen konnte er bisher überzeugen, die europäische Bürgerinitiative Minority Safepack zu unterstützen.

 

„In meinem DFK habe ich die Unterschriften alleine gesammelt. Ich bin von Haus zu Haus gegangen und habe um Unterschriften gebeten”, berichtet Lazar. Das sei zwar manchmal etwas unangenehm, räumt er ein, doch anders ginge es nicht, wenn man Erfolge sehen wolle. Und es hat sich gelohnt.

 

In der gesamten Oppelner Woiwodschaft hat bisher kein Deutscher Freundschfatskreis (DFK) mehr Unterschriften gesammelt als der Zülzer. „Wir haben bis jetzt 1200 Unterschriften. Wir möchten aber insgesamt 1660 einreichen. Ich hoffe, wir schaffen das.“

 

 

Instrument zum Klagen

Über so viel Einsatz freut sich Joanna Hassa von der Sozialkulturellen Gesellschaft der Deutschen in Oppeln. Vier dicke Aktenordner breitet sie auf ihrem Schreibtisch aus. „Bisher sind über 7000 Unterschriften bei uns eingegangen“, sagt die SKGD-Pressesprecherin. Sie appelliert noch einmal an alle DFK-Mitglieder, die Bürgerinitiative „Minority Safepack“ zu unterstützen und erinnert an die Verschiebung von Ortsgrenzen im vergangenen Jahr und den damit verbundenen Wegfall von deutschen Ortsschildern in der Oppelner Woiwodschaft.

 

Obwohl mit der Vergrößerung der Stadt Oppeln Minderheitenrechte verletzt wurden, blieb der Rechtsbruch ohne Konsequenzen für die Stadt. „Und deshalb ist die Initiative für uns so wichtig, damit wir Instrumente auf der europäischen Ebene haben, um Klage stellen zu können“, so Hassa.

 

Das trifft auch auf den aktuellen Vorfall in den polnischen Medien zu. Der öffentlich rechtliche Fernsehsender TVP Opole hat die deutsch-polnische Minderheitensendung „Schlesien Journal“ aus dem Programm genommen, weil formale Auflagen nicht erfüllt worden seien. Mit gesamteuropäischen Standards könnte man gegen diese Maßnahme gerichtlich vorgehen.

 

 

 

Kulturerbe wahren

 

In Breslau leben nur zwei Mitglieder der Karaimer-Gemeinde. Eine von ihnen ist Mariola Abkowicz. Foto: Marie Baumgarten

 

Die Petition ist aber nicht nur für die deutsche Minderheit wichtig. Auch Mariola Abkowicz hat sie unterzeichnet. Sie gehört der kleinsten Minderheit in Polen an, den aus der Türkei stammenden Karaimern.

 

Als Vorsitzende des Verbandes der polnischen Karaimer hat Abkowicz ein kleines Büro in Breslau, welches der Sitz der ethnischen und religiösen Gruppe ist. In der niederschlesischen Hauptstadt zählt sie gerade einmal zwei Mitglieder: Das sind Mariola Abkowicz und ihre Mutter. Eine problematische Situation, vor allem in Hinsicht auf die Wahrung des Nationalerbes, findet Abkowicz. Doch die Petition könnte helfen.

 

Es wäre gut, wenn die Rechte der karaimischen Gemeinschaft im positiven Sinne vereinheitlicht wären. In Polen gibt es zirka 100 Karaimer, in Litauen 250, ein paar hundert in der Ukraine. Überall sind es nur wenige Menschen. Wir alleine sind nicht im Stande für den Respekt, der unserem Erbe gebührt, zu kämpfen.“

 

Das Kulturerbe wahren ist auch für Alexander Gleichgewicht von der Breslauer jüdischen Gemeinde ein wichtiges Anliegen. Gerade wird in Breslau die Synagoge erneuert. Die 350-Mitglieder starke Gemeinde darf sich bald über eine neue Migwa freuen, das traditionelle jüdische Taufbecken. Und in dem kleinen Café um die Ecke bekommt man sogar jetzt schon koschere Leckerein.

 

Die jüdische Gemeinde in Breslau hat in der weltoffenen Metropole alles, was sie braucht. Foto: Marie Baumgarten

 

In der weltoffenen Metropole Breslau fehlt es an nichts. „Wir haben alles, was zum Leben in der jüdischen Gemeinschaft benötigt wird. Es gibt eine koschere Mensa, einen Seniorenklub, einen Jugendklub, religiöse Tätigkeit, einen Rabbi aus Israel, Andachten und gemeinsame Feiern der jüdischen Feste“, berichtet Alexander Gleichgewicht.

 

Doch er weiß, so gut wie die Breslauer Juden haben es nicht alle. Er hofft, dass die europäische Bürgerinitiative für die jüdischen Gemeinden in Polen und außerhalb ähnlich attraktive Möglichkeiten zur Pflege ihrer Kultur und Religion schaffen wird.

 

 

 

Nur wenig bis gar nicht bekannt

Von der Petition profitieren aber nicht nur die Minderheiten in Polen, sondern auch die polnische Minderheiten in Litauen. Damit die Petition in Kraft treten kann, müssen eine Million Menschen sie unterschreiben. Ob das klappt?

 

Vertreter der deutschen und kaschubischen Minderheit haben am 14. Februar im polnischen Senat in Warschau auf einer Pressekonferenz für die Initiative geworben. Das war langst überfällig, denn wie eine nicht repräsentative Umfrage auf den Straßen von Breslau zeigt, ist die Bürgerinitiative unter den Menschen nur wenig bis gar nicht bekannt.

 

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Nachdem die Befragten über den Inhalt aufgeklärt wurden, haben fast alle ihren Zuspruch bekundet. Ob sich der am Ende auch in konkreten Zahlen niederschlägt, wird sich am 3. April herausstellen, dann endet die First für die Petition. Bis dahin will die deutsche Minderheit noch einmal kräftig die Werbetrommel rühren. Am 21.02.2018 um 16:00 soll auf dem Oppelner Ring und am 26.02.2018 um 14:00 auf dem Ring in Breslau mit einem Flashmob auf die Initiative aufmerksam gemacht werden.

 

 

Auch Sie können die Petition unterstützen auch. Sie können entweder Die Petition im DFK unterzeichnen oder im Internet unter www.minoritysafepack.eu.

 

 

Marie Baumgarten

 

Über dieses Thema berichtet auch “Schlesien Journal”