Einen guten Eindruck hinterlässt auch die über 500 Jahre alte, mehrmals umgebaute und renovierte Dorfkirche
Foto: Łukasz Malkusz

Vom Schloss selber ist nur noch eine Ruine geblieben.
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Kaum eine Gebirgslandschaft in Europa ist wohl so geheimnisvoll, wie die Sudeten. Jede noch so kleine, Bergkette verbirgt eine Geschichte, die zufällige Wanderer nicht einmal erahnen könnten. Nicht anders ist es, wenn man den Ort Kunzendorf (poln. Trzebina) im östlichen Teil des Oppagebirges besucht.

 

Gleich am Anfang eine Warnung: Wer atemberaubende Ausblicke sucht und an jeder Ecke die Gelegenheit haben will Andenken zu kaufen, sollte nicht in diese Gegend kommen. Auf den Lindenberg führt keine markierte Wanderroute und die am nächsten gelegene Berghütte ist stundenweit entfernt. Im Kunzendorfer Wald, der die Hänge des Lindenberger Massives bedeckt, sind vor allen Ruhe und Erinnerungen an längst vergangene Zeiten zu finden.

Nach Kunzendorf kommt man am einfachsten auf der Landestrasse 41. Das Dorf selber ist kein besonders bekannter Ort. Es wird deutlich von dem nahe gelegenen Neustadt (Prudnik) sowie Leuber (Lubrza) überschattet, wo heute die meisten Einwohner arbeiten und lernen. So war es aber nicht immer.

 

Schatten glorreicher Geschichte

Die Jahrhundertelang sehr langsam vorschreitende Geschichte des Dorfes beschleunigte plötzlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Als Belohnung für das bezwingen Napoleons bekam der preußische Feldmarschall Gebhard von Blücher Kunzendorf samt dem Kunzendorfer Wald. Zwar blieb einer der bekanntesten Befehlshaber seiner Zeit nicht lange Herr des hiesigen Schlosses aus dem 17. Jahrhundert, er soll aber in dieser Gegend sehr gerne gejagt haben. Nach seinem Tod wurden die Güter von der Familie Hübner gekauft.

In den nächsten Jahrzehnten blühte das Dorf auf. Die neuen Eigentümer sind beim Graben eines Brunnens auf eine Mineralquelle gestoßen. Weitere Entdeckungen dieser Art folgten. Es wurde eine Badeanstalt eröffnet, das Schloss wurde umgebaut, es entstand ein Kurpark. Kunzendorf selber war kurz davor ein Kurort zu werden. Alles wurde durch die Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu Nichte gemacht.

 

Erinnerungen an vergangene Zeiten

Von den Zeiten der Familie Hübner ist heute nicht mehr viel übrig. Im Dorfzentrum befindet sich immer noch der Park, vom Schloss selber ist aber nur noch eine Ruine geblieben. Im guten Zustand sind lediglich ein Tor und ein Speicher, in dem heute eine Heimatstube eingerichtet ist, die man Sonntagnachmittag besuchen kann. Einen guten Eindruck hinterlässt auch die über 500 Jahre alte, mehrmals umgebaute und renovierte Dorfkirche, die sich über der Schlossruine, auf einen kleinen Hügel befindet.

Der Kirchenparkplatz ist der beste Ausgangspunkt für einen Ausflug auf den Lindenberg. Wenn gerade kein Gottesdienst abgehalten wird, ist hier immer Platz. Von hier aus muss man sich nicht beeilen, und kann erstmal die nahen Denkmäler betrachten. Der Weg zum Gipfel ist auf keinen Fall anstrengend und dauert bei bequemen Tempo um die 45 Minuten.

 

Łukasz Malkusz