Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

Tuesday, December 7, 2021

Feuer des Südens und Kälte des Nordens

In diesem Jahr war der Himmel dem 11. Festival europäischer Nationen „Unter einem gemeinsamen Himmel“ sehr wohlgesonnen, daher war das Allensteiner Amphitheater im Zentrum der Altstadt während der gesamten Dauer der Auftritte nahezu voll besetzt. Ganz und gar nach dem Wunsch der Veranstalter.

 

Ermland-Masuren ist die vielfältigste Woiwodschaft Polens in Bezug auf Nationalität und Kultur. Das Festival „Unter einem gemeinsamen Himmel“ ist eine Präsentation der künstlerischen Leistungen der dort lebenden nationalen Minderheiten. Die Feste finden alle zwei Jahre statt, dieses Jahr am ersten Sonntag im September.
„Wir haben deutsche Vereine in jeder Kreisstadt unserer Region, von Elbing bis Lyck. Wir sind insgesamt 5.000 Menschen. In vielen dieser Städte gibt es Chöre, Gesangsgruppen und Tanzgruppen. Bei diesem Festival ist der Eintritt frei. Da es in Allenstein im Amphitheater der Altstadt stattfindet, wo sonntags viele Menschen vorbeikommen, haben viele von ihnen die Gelegenheit, unsere künstlerischen Leistungen zu sehen und zu hören. Vieles davon ist ostpreußische Folklore. Die Darbietungen sind also auch eine Präsentation des kulturellen Erbes, das wir von unseren Vorfahren übernommen haben“, erklärt Henryk Hoch, Vorsitzender des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren.

 

Die Volkstanzgruppe „Saga“ zeigte eine Ballettsuite.

Auf die Menschen zugehen

Bis 2016 wurden die Festivals in Konzertsälen veranstaltet, sodass das Publikum in der Regel aus den Künstlern selbst und ihren Familienangehörigen bestand. Dies trug nicht dazu bei, das Wissen über Minderheiten und ihre künstlerischen Leistungen zu verbreiten. „Die nationalen Minderheiten in unserer Region waren an gemeinsamen Auftritten interessiert, weil sie sich dadurch gegenseitig kennenlernten. Wir wollen unsere Errungenschaften nach außen zeigen und nicht nur für uns selbst in Gemeinschaftsräumen, wie es zu kommunistischen Zeiten der Fall war“, fügt Stefan Migus, Vorsitzender des Allensteiner Verbandes der Ukrainer in Polen, hinzu.

Was haben also Einwohner und Besucher von Allenstein am Sonntag, den 5. September, auf der Bühne gesehen? Die deutsche Minderheit war durch den Chor der Neidenburger Gesellschaft der deutschen Minderheit, den Chor „Ermland“ aus Heilsberg, die Gesangs- und Tanzgruppe „Junge Tannen“ aus Osterode und die Tanzgruppe „Saga“ vertreten. Letztere tanzte neben ostpreußischen Volkstänzen auch eine Ballettsuite zur Melodie von „Federkleid“ der deutschen Musikgruppe „Faun“. Mit deren oft vom Mittelalter inspirierten Musik ist das eine ganz andere Qualität im Repertoire der Tanzgruppe.

 

Die Volkstanzgruppe „Saga“ zeigte eine Ballettsuite.

 

Und was zeigten die Ukrainer?

Feuer! Die Ukrainer sind ein Volk des heißen Südens, auch wenn sie seit 1947 infolge von Zwangsumsiedlungen in Ostpreußen leben. Die ostpreußische Folklore mit ihren Farben, Melodien und Rhythmen ist die Folklore des Nordens. Ukrainische Lieder, auch wenn sie langsam beginnen, enden schnell. Die Tänze hingegen sind eine Demonstration von Ballett- und Stunt-Kunststücken. Dazu changierende Kostüme der jungen Darsteller. Kein Wunder, dass das Publikum ihnen heftig applaudierte. Ein häufiges Motiv der ukrainischen Lieder war patriotisch. Die Ukrainer vergessen keinen Augenblick, dass im Osten ihres Landes ein Feuer lodert, angefacht von Russland, das auch ihre Krim weggenommen hat.

Kindergesangsgruppe „Susiriatschko“ aus Allenstein. Die jungen Ukrainer haben gezeigt, dass sie Talent haben und es auch gut zu „verkaufen“ wissen.

Wen haben wir gesehen? Die Kindergesangsgruppe „Susiriatschko“ aus Allenstein und das ukrainische Volkstanzensemble „Dumka“ aus Landsberg (Ostpreußen). Leider war in diesem Jahr nicht die Roma-Minderheit vertreten. Das angekündigte Ensemble „Hitano“ trat wegen der Erkrankung eines Musikers nicht auf.
Der Star des Festivals war die Konzertbrigade des Orchesters der Militärakademie aus Odessa (Ukraine). Es sind in jeder Hinsicht Profis. Sie präsentierten sowohl volkstümliche als auch patriotische Lieder, ukrainischer und anderer Nationen sowie Pop-Hits. Dem Publikum gefiel ihre Darbietung so gut, dass sie drei Zugaben machten und junge Leute dabei vor der Bühne tanzten.

Der Erfolg des Festivals lässt sich daran ablesen, dass das Amphitheater fast die ganze Zeit über voll besetzt war. Das freut auch die Veranstalter, d. h. den Allensteiner Verband der Ukrainer in Polen und den Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, sehr. Finanziert wurde das Festival durch das Ministerium für Inneres und Verwaltung, das Marschallamt der Woiwodschaft Ermland-Masuren, das Städtische Kulturzentrum in Allenstein und das Zentrum für Bildung und Kulturinitiativen in Allenstein.

Text und Fotos: Lech Kryszałowicz

Show More