Wie würde so ein Kalender wohl bei den Deutschen in Polen ankommen?

Die einen werden es mutig finden, die anderen eher peinlich, während einige sogar empört sein werden. Doch die Jugend der Deutschen Minderheit in Dänemark hat eines mit ihrer neuesten Idee sicherlich geschafft: Für Aufsehen gesorgt. Im Rahmen der Wahlkampagne, für die in Dänemark bevorstehenden Regionalwahlen, haben die sogenannten „Jungen Spitzen“ sich zu etwas entschieden, was noch keine Minderheit gewagt hat: Sie haben sich für einen Kalender ausgezogen.

 

Bei den Jungen Spitzen handelt es sich um die Jugendabteilung der Schleswigschen Partei – des politischen Armes der Deutschen Minderheit in Dänemark. Zwar kandidieren die Spitzen nicht als separate Gruppe, doch mit jugendlichen Initiativen unterstützen sie die Älteren beim Wahlkampf. Ziel ist es, die Anzahl der Sitze in den Räten der vier Gemeinden von Nordschleswig wenigstens aufrecht zu erhalten oder gar zu vergrößern. Neben verschiedenen Happenings haben sich die Jugendlichen nun zu einer besonders mutigen Initiative entschlossen: Eine Gruppe von Mitgliedern – sowohl jungen Frauen wie auch Männern – zog sich für einen Kalender für 2018 aus. Den einen oder anderen, den die Idee geradezu ins  Schwitzen versetzte, beruhigen die Teilnehmer des Projektes schon am Start: Der Kalender sei „kein Erotikalbum“, da man die komplette Nacktheit beispielsweise mit zweisprachigen Ortsschildern verschleiert. Man wolle den vielfältigen Charakter von Nordschleswig zum Ausdruck bringen, die Nackte Haut soll dabei nur die Aufmerksamkeit des Betrachters erregen.

 

Thore Naujeck, der Mitarbeiter beim Bund Deutscher Nordschleswiger ist und das Projekt betreut hat, zeigt sich selbstbewusst und steht zu der Idee der Spitzen: „Das ist mal was Neues, Innovatives und zeigt, dass die Jungen Spitzen auch mal an Grenzen gehen.“ Getreu der jugendlichen Art der Spitzen wurde der Kalender bei einer gemeinsamen Party vorgestellt, Freibier inklusive, um die Teilnahme zu belohnen. Doch wie ist die Idee des Kalenders überhaupt entstanden? Ironischer Weise bei der harten Arbeit. Während die einen bei Workshops über seriöse Wahlstrategien nachdenken, sind es die Spitzen spontan und mit Humor angegangen: „Es war ja eigentlich eine lustige Sache. Wir waren bei einem Arbeitswochenende und haben uns für den Wahlkampf vorbereitet und da ist uns die Idee gekommen: Wieso nicht etwas alternativ denken und einen schönen Nacktkalender machen?“, sagt Anna Fuglsang, die bei der Idee mitgewirkt hat. Die politischen Aussagen beschränken sich nach den Ideengebern nicht nur auf zweisprachige Ortsschilder, sondern auch auf Banner mit Stichworten, die jeweils die komplette Nacktheit ersetzen. Dazu wurden die Fotos im Sommer und an für die deutsch-dänischen Beziehungen historisch wichtigen Orten geschossen. Ein Beispiel ist etwa der Knivsberg, der für die deutsche Minderheit fast schon ein „Heiligtum“ ist.

 

Wie sich die mutige Initiative auf die Stimmenzahl für die Schleswigsche Partei auswirkt, erfahren wir Ende November. Die eine oder andere Führungspersönlichkeit der anderen deutschen Minderheiten in Europa, wird sich jedenfalls bei diesem Thema wohl mit roten Ohren die Frage stellen: Wie würde so etwas bei meinen Mitgliedern ankommen?

 

Łukasz Biły