Geretteter Schatz

Der Historiker Roman Sękowski übergab am Montag besondere Dokumente dem Staatsarchiv in Oppeln. Es handelt sich um in gotischer Schrift handgeschriebene Kataloge, die Informationen über Oppeln aus dem Zeitraum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert beinhalten. Diese Dokumente wurden vom Archivar Alfred Steinert angefertigt. Steinert schrieb sehr viel über Oppeln, die meisten seiner Texte wurden in den regionalen Tageszeitungen publiziert.

Roman Sękowski hat einen Teil der deutschen Geschichte Oppelns gerettet. Foto: M. Leibig

Alfred Steinert wurde am 30. März 1879 geboren und war als letzter deutscher Archivar im Oppelner Archiv tätig. Ihm wurde die Anfertigung der Evidenz der Oppelner Archivmaterialien anvertraut. Die Ergebnisse seiner Arbeit sind unter anderem Kataloge, die nun wieder im Besitz des Oppelner Archivs sind. Die Dokumente waren in den 60er-Jahren schon fast auf dem Weg in die Papierfabrik nach Krappitz, denn das Archiv in Oppeln in der Zeit der Volksrepublik Polen hat diese Dokumente als Altpapier eingestuft.

 

Eine glückliche Wendung

Meine Tante Helena Lasończyk arbeitete im Archiv und hat in dem, was zur Altpapiersammlung abgelegt worden ist, einen Wert für die Deutschen und Schlesier aus der Region gesehen. Sie hat beschlossen, diese Dokumente zu retten“, sagt stolz der Geschichtsliebhaber Wojciech Witoń und fügt hinzu: „Sie hat die Dokumente Herrn Roman, der schon damals als Historiker bekannt war, übergeben. Es war eine gute Entscheidung, denn Herr Roman hat aus ihnen geschöpft, als er eigene Publikationen zur Geschichte geschrieben hat.“ Roman Sękowski erinnert sich genau, wie er zum Besitzer der Dokumente geworden ist: „Ich habe oft im Archiv in Oppeln mit Dokumenten gearbeitet und mir haben Mitarbeiter des Archivs gesagt, dass fürs Altpapier Kataloge der Stadt Oppeln abgegeben worden sind. Ich ging da hin und nahm sie mit. Zum Glück waren sie noch schön geordnet in den Ordnern drin, so habe ich die Ordner gerettet“. So kamen die Dokumente, unter anderem mit alphabetischer Auflistung der Bewohner von Oppeln, der Gebäude der Stadt und deren Eigentümer in den Besitz des Historikers und jahrelangen Direktors der Woiwodschaftsbibliothek Oppeln Roman Sękowski.

Nicht weniger spannend

Bei der offiziellen Übergabe der Dokumente sagte Sękowski, dass es damals üblich war, handgeschriebene Notizen von Archivaren, wie diese von Steinert, als wertlos anzusehen: „Somit wurden sehr viele solcher Dokumente aus Archiven zur Altpapiersammlung abgegeben“ bedauert er. Sękowski fügte hinzu, dass Steinert als Archivar nicht geschätzt wird. „Historiker arbeiten gerne mit ganzheitlichen Chroniken, wie die der drei großen deutschen Historiker aus unserer Region Augustin Weltzel, Johannes Peter Chrząszcz und Franz Idzikowski. Die Dokumente von Steinert sind nur teilweise vorhanden, was seine Materialien für mich aber nicht weniger spannend macht”, beteuert Sękowski. Die Dokumente vom Archivar Steinert werden nun archiviert, und noch dieses Jahr den Historikern und Geschichtsliebhabern im Archiv in Oppeln zur Verfügung gestellt.

Manuela Leibig