Bei der Ausstellungseröffnung im Schlesischen Museum.

Zwei schlesische Woiwodschaften: die Niederschlesische und die Schlesische haben mit dem Beschluss ihrer Sejmiks das Jahr 2017 zum Gedenkjahr der Reformation ausgerufen. Damit soll erinnert werden, dass Schlesien zu den Kernländern der Reformation gehört.

 

Seit den 1520er-Jahren fasste die Lehre Martin Luthers im Bürgertum und im niederen Adel Fuß und fand bald auch unter den schlesischen Fürsten einflussreiche Förderer. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts waren drei Viertel der Gemeinden Schlesiens evangelisch geworden.

 

In der Auseinandersetzung mit der Gegenreformation konnte sich der schlesische Protestantismus behaupten, selbst als große Teile der Bevölkerung – während des Dreißigjährigen Krieges auch mit Mitteln der Gewalt – zum Katholizismus zurückgeführt wurden. Die im Westfälischen Frieden 1648 garantierten drei Friedenskirchen in Schweidnitz (Świdnica), Jauer (Jawór) und Glogau (Głogów) bildeten den Ausgang für den Bestand der lutherischen Konfession. Sie waren die Grundlage für die seit dem 18. Jahrhundert redensartlich gewordene „schlesische Toleranz” in einem bikonfessionellen Land.

 

Im Rahmen eines großen Ausstellungsprojektes des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam unter dem Titel „Reformation im östlichen Europa“ wurde auch für Schlesien eine Wanderausstellung konzipiert. Diese von Dr. Markus Bauer, Direktor des Schlesischen Museums zu Görlitz, und Kulturreferentin Dr. Annemarie Franke konzipierte Ausstellung verfolgt die Geschichte der Protestantismus in Schlesien in der Epoche der Industrialisierung und durch das 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die fünfzehn deutsch-polnischen Tafeln der Ausstellung bleiben bis März in Görlitz, werden danach im Haus Schlesien Königswinter sowie in Breslau, Schweidnitz, Kattowitz, Teschen (Cieszyn), Oppeln und Hirschberg (Jelenia Góra) gezeigt. Weitere Ausleihen sind möglich.

K. Kandzia